Texte zum UNO-Gewaltmonopol

#1 von Markus Rabanus , 08.06.2017 13:28

Dass es zum gerichtlichen und polizeilich bewehrtem und bewährtem Staatlichen Gewaltmonopol keine Alternative gibt, um die Selbstjustiz einzudämmen und bestrafen zu können, ist allen zivilisierten Staatstheorien gemeinsam und in jedem halbwegs vernünftigen Staat umgesetzt.

In den Verhältnissen zwischen Staaten jedoch nicht bzw. nur auf dem Papier der Charta der Vereinten Nationen, kann als UNO-Gewaltmonopol jedoch nicht funktionieren, solange den Nationalstaaten die militärischen Mittel zur Selbstjustiz erhalten bleiben.

Auf der Webseite www.UNO-Pazifismus.de sind die Hauptaspekte zusammengefasst und ein schrittweiser Wechsel von den selbstjustiziellen Sicherheitspolitik hin zu einem materialisierten UNO-Gewaltmonopol skizziert.

In den nachstehenden Postings (hier) reiche ich gelegentlich nach, was sich zum Thema tut oder einfach bloß Brief an andere ist.


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RE: Texte zum UNO-Gewaltmonopol

#2 von Markus Rabanus , 08.06.2017 13:28

Lieber Herr Polenz,

Eigenbewaffnung und Bündnisse gab es immer. Waren immer bloß Wettrüsten gegen andere. Und Krieg. Als militärische Fortsetzung selbstjustizieller Politik, womit einem Klassiker präzisierender Nachhilfeunterricht erteilt wäre - zur falschen Realpolitik.

Der Weg vom Archaischen ins Kultivierte ist erst dann beschritten, wenn das Gewaltmonopol der Vereinten Nationen nicht bloß auf dem Papier verweilte, sondern schrittweise materialisiert würde: Durch Bewaffnung des UNO-Gewaltmonopols und gleichzeitig schrittweiser Entwaffnung der Nationen auf das Maß innenpolitischer Erfordernisse.

So dachte es Kant weit voraus. So wollte US-Präsident Woodrow Wilson den Völkerbund. So dachte es Einstein. Und so fand es auch Grundlage in der Charta der Vereinten Nationen.

Aber wenn wir Politiker fragen, dann wissen es sogar unsere Außenminister nicht, sehen ihre Pflichten weniger aus dem Recht als in der Fortsetzung einer Schachzug-Diplomatie oder gar als Poker mit gezinkten Karten, wie beim Krieg wegen "bewiesener" Massenvernichtungswaffen oder der Krim mit gefälschten Soldaten.

Alle Armeen, auch die Bundeswehr, EU-Streitkräfte, NAtO und alle anderen heutigen Pakte sind nicht zu feiern, sondern müssen als Provisorien betrachtet werden - und kritisiert, weil und so oft sie dem völkerrechtlichen Gewaltmonopol der Vereinten Nationen zuwider laufen.

LG aus Berlin


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RE: Texte zum UNO-Gewaltmonopol

#3 von Markus Rabanus , 08.06.2017 13:58

Anlass für dieses Schreiben war, dass sich Polenz (CDU) über Fortschritte der EU als militärisches Bündnis freute. - Eine Freude, die auch ich teilen würde, wenn gewährleistet wäre,
- dass solches Bündnis primär für militärische Streitigkeiten zwischen seinen Mitgliedern zuständig wäre = "System gegenseitiger kollektiver Sicherheit" gemäß Artikel 24 Absatz 2 Grundgesetz,
- dass solches Bündnis außerhalb des Bündnishoheitsgebietes nur dann gegen Dritte vorgehen darf, wenn dazu durch den Weltsicherheitsrat mandatiert.

Nichtsdestotrotz kann auch damit nicht genüge sein, denn sicherer wäre der Frieden, wenn so wie im Brief an Polenz beschrieben.


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RE: Texte zum UNO-Gewaltmonopol

#4 von Albero , 08.06.2017 16:31

Das Thema ist zu wesentlich für „Sonstiges“. Da es sich beim UNO-Gewaltmonopol in der Praxis um einen „Übernationalen Friedensschutz“ handeln würde, verschiebe ich es in die Abteilung wo es hin gehört. Denn Frieden hat auch sehr viel mit Sicherheit zu tun.


Glaubt ihr etwa alles, was n i c h t in den Zeitungen steht?

 
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UNO-Gewaltmonopol

#5 von Markus Rabanus , 14.09.2017 18:16

Inzwischen steigen die Anforderungen Denn mit Recherchen zum "Gewaltmonopol der Vereinten Nationen", "UNO-Gewaltmonopol" usw. stehen wir bei Google seit einiger Zeit ganz oben und auch auf den weiteren Vorderplätzen, allerdings ohne Resonanz auf Fremdseiten.
Zumindest schöner Ansporn, etwas ernsthafter in die Thematik einzusteigen. Drum habe ich das gestern als Domain registriert www.uno-gewaltmonopol.de , siehe kacke aus, aber wird schon noch.

Mit "UNO-Pazifismus" stehen wir in den Suchmaschinen sowieso oben- und endlich fragt mich Google auch nicht mehr, ob ich eventuell etwas anderes meine, wenn ich nach UNO-Pazifismus suche ;-)

Und immerhin ist der Begriff jetzt auch kein Alleinstellungsmerkmal mehr, denn er tauchte im Februar 2017 bei Norman Paech in einem lesenswerten Artikel auf.
>> http://www.norman-paech.de/app/download/...oelkerrecht.pdf

Es liest sich so, dass auch Paech sich zum "Rechtspazifismus" bekennt, den ich als "weltrechtsstaatlichen Pazifismus" bezeichne. Auch damit stehen wir bei Google oben, was allerdings bedeutungsgleich mit Bedeutungslosigkeit ist und zeigt, wie wenig zugespitzt der völkerrechtliche Diskurs verläuft.

Aber gut, dem Begriff "Rechtspazifismus" mal wieder begegnet zu sein, denn es lassen sich Argumente für die Bevorzugung des Begriffs "weltrechtsstaatlicher Pazifismus" benennen, was ich demnächst mal machen kann.

Desweiteren scheint auch Paech das Vorhandensein von UNO-Streitkräften zu vermissen. Ich werde es bei Gelegenheit nachfragen.

Paech setzt sein Verständnis allerdings nicht in konkrete Forderungen um, sondern downgraded übergangslos auf die Ebene der Frage, ob Bundeswehrauslandseinsätze statthaft sein sollen oder nicht. Und diese Frage beantwortet er nicht. Möglicherweise scheut Paech den Konflikt mit seiner Linkspartei, die weiterhin mit ihrer populistischen und undifferenzierten Forderung "Keine Auslandseinsätze der Bundeswehr" punkten möchte, sich also nicht gelten lassen will, was der Sicherheitsrat entschließt.

Wenn sich Gelegenheit ergibt, versuche ich ihn zu kontakten.

Jedenfalls habe ich mir ein bisschen Gedanken gemacht, wie Richards Kampagnen-Vorschlag umzusetzen wäre. - Ist noch nicht fertig, aber wenn Ihr schauen wollt, dann

zwei Links http://inidia.de/unogewaltmonopol.htm und http://inidia.de/unogewaltmonopolumsetzung.htm


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DieLINKE und der Separatismus

#6 von Markus Rabanus , 08.10.2017 13:14

Eine Lektion Völkerrecht von Prof. Norman Paech in Sachen Separatismus (URL siehe unten), wie sie meine Stellungnahmen etwas unterstützt, wonach das Selbstbestimmungsrecht kein Freibrief für Kleinstaaterei, "völkisches" Rosinenpicken und Entsolidarisierung sein darf.

Ein Problem mit der LINKEN dürfte sein, dass große Teile ihrer Anhängerschaft noch immer in Schemata geopolitscher Rivalitäten des Kalten Krieges befangen sind und mit allem sympathisiert, was sich irgendwie "NATO schwächend" auswirken könnte, ob IRA, ob Basken, Korsen, Katalanen usw., während separatistische, nationalistische Entfremdungen gegenüber Moskau auf faschistische und us-geheimdienstliche Subversion reduziert werden.

Darin ist die Linke mit Moskau bloß spiegelbildlich zur NATO, der umgekehrt alles gefällt, was irgendwie "Moskau schwächend" ist, wie die Zersplitterung Jugoslawiens usw.

Spiegelbildlichkeit ist keine Friedenspolitik. Die Linke hat noch einen weiten Weg, um intellektuell und politisch aus den Schützengräben des Kalten Krieges zu krabbeln.

Ohne bedingungslose Befürwortung des mit dem UNO-Pazifismus beschriebenen weltrepublikanischen Szenarios wird weder die Linke noch die sonstige Friedensbewegung ihr Querfrontproblem los.

http://www.zeitschrift-luxemburg.de/kata...-ein-einspruch/


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An Ruprech Polenz (CDU)

#7 von Markus Rabanus , 12.10.2017 13:03

Der CDU-Politiker schrieb u.a.: "Für die Bundesrepublik gehören internationale Zusammenarbeit und die Stärkung supranationaler Institutionen zu den Eckpfeilern ihrer Politik. Daraus ergibt sich ein bisher ungekannter Gegensatz zu unserem wichtigsten Verbündeten."

Mein Posting:

Herr Ruprecht Polenz, volle Unterstützung - und eigentlich müsste man noch weiter gehen und fordern, dass die (supranationale) UNO auch zur einzigen "Supermacht" werden.
Dazu braucht es UNO-Reformen, von denen eine wäre, das Veto-Recht der Ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrats auf Belange zu beschränken, die deren Hoheitsgebiet unmittelbar betreffen, folglich die Ständigen Mitglieder in allen anderen Belangen kein Vetorecht mehr zuzubilligen.
Und überhaupt "Ständiges Mitglied" sein zu dürfen, ist schon an vordemokratischem Privileg zu viel, widerspricht dem per Charta-Präambel verbürgten Gleichheitsanspruch und lässt sich auch nicht mehr damit begründen, dass diese ersten Atommächte die Hauptverantwortung für den Weltfrieden innehaben, denn sich in solcher Verantwortung gegenseitig behindernd, erübrigt das Privileg.
Der Weltfrieden ist gemeinsame Verantwortung aller Nationen und muss deshalb auch durch (supranationale) UNO-Streitkräfte verteidigt werden, während jegliches Nationalmilitär über polizeiliche Erfordernisse hinaus eher den Weltfrieden gefährdet.
Was soll es sein, dass sich unsere Politik in allen halbwegs zivilisierten Staaten zum Staatlichen Gewaltmonopol bekennen, aber die Bedeutung des Gewaltmonopols für die internationalen Beziehungen nicht durch aktive Reformpolitik unterstreichen?
Deshalb mache ich das Ding mit dem "UNO-Pazifismus" nicht bloß zum Scherz.


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An Gregor Gysi (Facebook)

#8 von Markus Rabanus , 21.11.2017 13:32

Und am 12.12. sollte sich unser Gregor Gysi mal mit mir unterhalten, ob er www.UNO-Pazifismus.de in Reichweite des dortigen Bannertextes namentlich, widerruflich usw. unterstützen - und dafür Prominente gewinnen mag, gerne auch Verona Pooth, damit sich nicht sämtliche Sparguthaben in rivalisierenden Rüstungsvorhaben und zu Ruinen verpulvern.

Grüße aus Pankow, msr


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Bureau International Permanent de la Paix

#9 von Markus Rabanus , 17.12.2017 22:02

Zunächst herzliche Gratulation an die Geehrten.

Betreffs der Prinzipien des International Peace Bureau wäre intensive Erörterung wert, aber am auffälligsten ist mir zweierlei Manko:
1. So vieles richtig ist am Vergleich zwischen Individuum und Völkern, so ist daran auch vieles falsch und steht hinter der zunehmenden Anerkennung von Menschenrechten entgegen, was eben auch die nationale Souveränität zu relativieren hat.
2. Ohne überlegen starkes, weltdemokratisches Gewaltmonopol und schrittweise Abrüstung der Nationalstaaten auf polizeiliche Erfordernisse ist keines der sieben IPB-Prinzipien zu gewährleisten.

Deshalb ist Immanuel Kants Ansatz besser, wie in "UNO-Pazifismus.de" zu aktualisieren versucht wird. Und wie durch den Kalten Krieg gehindert durch die mörderische Wiedergeburt selbstjustizieller Rivalitäten, denen die Friedensbewegten mit Wohlverhaltensregeln zu wenig entgegen zu setzen haben, wenn es an Phantasie, Schwerpunkt und Forderung für eine durchsetzende Organisiertheit fehlt.

---- Kontext: Ein Facebook-Artikel der DFG/VK zur Friedenspreisverleihung http://www.ipb.org/sean-macbride-peace-prize/

Der DFG/VK-Artikel nennt die 7 IPB-Prinzipien:

1. Das Prinzip der Pflichten und der Moral der Nationen ist das gleiche wie das der Moral und der Prinzipien der Individuen
2. da niemand das Recht hat, Selbstjustiz zu üben, kann auch kein Staat einem anderen Staat den Krieg erklären.
3. alle Differenzen zwischen den Völkern müssen auf dem Rechtsweg geklärt werden.
4. alle Völker stehen sich als Wesenheiten gegenüber und haben wie Individuen das Recht auf gesetzmäßige Verteidigung.
5. es existiert kein Recht durch Eroberung.
6. die Völker haben das unveräußerliche und unabdingbare Recht, frei über sich selbst zu verfügen.
7. das Recht jeder Nation auf Selbstbestimmung ist unverletzlich.

lexikalisch >> https://de.wikipedia.org/wiki/Bureau_Int...nent_de_la_Paix

Mein Kommentar ist zwar kritisch, aber wenn man sich die Verlautbarungen der IPB durchliest, so ist das Bemühen sehr würdigen und wurde es auch, denn 1910 bekam diese Organisation den Friedensnobelpreis. - Vor den beiden Weltkriegen und Hunderten Kriegen, worin sich das intellektuelle und politische Menschheitsversagen des Homo sapiens blutig ausdrückt.


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Zum neuerlichen Streit um das INF-Abkommen

#10 von Markus Rabanus , 03.01.2018 19:42

Das "Arbeitspapier Sicherheitspolitik, Nr. 30/2017" (s.u.) der Bundesakademie für Sicherheitspolitik enthält gewiss viel Richtiges, aber auf falscher Grundlage.

Vorausgesetzt, dass Russland gegen den INF-Vertrag verstößt, wäre die BAKS-Expertise "folgerichtig" = "Rüsten die einen, müssen es auch die anderen tun.", also folgerichtig im Sinne einer Sicherheitspolitik, die keine ist, solange sie auf dem System rivalisierender Militärpotentiale beruht, ohne diese Rivalität durch gemeinsame Befehlsstrukturen auf diplomatische, demokratische und juristische Wege zu verweisen - oder diese Wege zumindest aufzuzeigen.

Chancen wurden vertan, als es um die Frage gemeinsamen Oberkommandos für die Raketenabwehr ging und deren logische Fortsetzung ein gemeinsames Oberkommando für die Atomwaffen von NATO und Russland gewesen wäre, um ein "System kollektiver Sicherheit" zu realisieren, wie es Artikel 52 UNO-Charta als "regionale Abmachung" erlaubt (und nachgeordnet auch Art.24 Abs.2 unseres Grundgesetzes).

Solange ein solches "kollektives Sicherheitssystem" nicht ist, ist alle atomare Sicherheitspolitik schon deshalb in Gänze völkerrechtswidrig, weil jegliches Szenario einer gegenseitigen Auslöschung Milliarden Menschen streitunbeteiligter Staaten einbezieht.

An solchem Befund (Völkerrechtswidrigkeit) kann sich sogar auch dann nichts ändern, wenn uno-pazifistische Bestrebungen wären, wie es auch keine Halbschwangerschaft gibt. Die Völkerrechtswidrigkeit heutiger Sicherheitspolitik ist erst erledigt, wenn das UNO-Gewaltmonopol vollständig realisiert ist. Der Weg dorthin ist Pflicht.

Wer ist schuld am Fehlen gemeinsamen Oberkommandos zur Raketenabwehr?

Einerseits die NATO, denn Moskau wollte ein gemeinsames Oberkommando, aber es war durchsichtig, dass es der NATO entgegen deren Beteuerungen eben nicht nur um iranische ging, sondern auch um russische Bedrohungsszenarien ging. Und fraglich ohnehin, ob Washington überhaupt jemals das Heft aus eigener Hand in NATO-Hände legen würde, wie es sich unsere europäischen "Transatlantiker" einbilden, aber noch nie darlegen konnten.

Entsprechend unterwürfig die BAKS, wenn sie sich Überlegungen befleißigt, wie denn Moskau und Washington zum Wohle Europas übereinkommen könnten, als sei es nicht zuvörderst Europas Angelegenheit, denen sich im Zweifel und guten Bundes auch das Pentagon zu fügen hätte.
Somit ist die BAKS voll auf Linie unserer Regierung, deren Atomwaffenverbotsvertragsweigerung sich ebenfalls damit rausredet, dem Feinsinn von Trump und Putin sei das Thema gut anvertraut. Nun, die BAKS will/kann/darf wohl nicht anders, aber Friedensforschung.de darf widersprechen.

Andererseits machte sich Moskau durch russische Waffenexporte an Teheran der NATO als Bündnispartner unglaubwürdig,
- wobei sich allerdings fragt, inwieweit die NATO-Politik gegenüber Teheran überhaupt richtig war/ist.
- Und nebenbei: Das russische Interesse an der Beilegung des Irankonflikts schien/scheint mir ohnehin karg, denn je besser das Verhältnis zwischen Iran und EU, desto mehr wäre der Iran Konkurrent als Erdgas-Lieferant, was sich Russland wirtschaftlich kaum leisten kann.

So war der Raketenabwehr-Dissens beiderseitiges Versagen, womit man sich allerdings nicht abfinden müsste, denn die Chancen, die vertan wurden, sind nicht aus der Welt, sondern harren der Wahrnehmung, wenn nicht heute, dann morgen oder übermorgen auszuarbeiten, anzubieten, zu realisieren - und je rascher, desto besser.

Stattdessen empfiehlt die BAKS eine Neuauflage der "Doppelstrategie" = "Aufrüstung zwecks Abrüstung" bzw. "Drohen zwecks Einvernehmen"

Wie selbst die BAKS eingesteht, so lässt sich erst recht nicht von meinem Schreibtisch ermessen, ob und auf welche Weise und von welcher Seite der INF-Vertrag verletzt oder unterlaufen wird, obendrein jedes Rüstungsabkommen im Kontext enormer Komplexität zu beurteilen wäre,

- wenn Mittel- und Kurzstreckenwaffen abgerüstet werden, als sei mit minutenlängeren "Vorwarnzeiten" von Langstreckenwaffen und den Atomwaffen auf U-Booten irgendein Sicherheitsgewinn,

- wenn man sich bspw. auf ein Chemiewaffenverbot einigte, nicht aber auf ein Atomwaffenverbot,

- wenn man sich obendrein durch Geheimhaltung der Beurteilung zu entziehen vermag, so dass stets nur einzelne Widersprüchlichkeiten aufgezeigt werden können, bspw.: Es lässt sich ganz klar sagen, dass die BAKS-Empfehlung "noch intensivere rotierende Präsenz von NATO Truppen im östlichen Bündnisgebiet" auf ein Unterlaufen von Abreden abzielt und bereits eingestanden praktiziert wird, so dass die Vertragstreue der NATO zumindest in diesem Punkt widerlegt ist.

Aber das Rotationsbeispiel zeigt eben auch, wie sehr verschiedene Abkommen Zusammenhang haben. Und dann dürfte sich niemand die Rosinen picken, wie es beiderseitiges Hobby ist.

Gleichwohl soll das hier kein Plädoyer gegen Abrüstungsverträge sein, aber wenn sämtliche Waffen aus der Welt wären, wie es Naive erhoffen, so verbürgt auch das Brotmesser keinen Frieden, weshalb es den Paradigmenwechsel braucht, anstelle der Selbtsjustiz das UNO-Gewaltmonopol realisiert.

Aus dem Dilemma, keine einseitige Schuldzuweisung vornehmen zu können, schlussfolgern Teile der Friedensbewegung, der Westen dürfe nicht wettrüsten, dann werde es Moskau auch nicht tun.

Im Vergleich der Rüstungsetats, deren Aussagekraft nicht gänzlich Nebensache, liegt zumindest ein Teil der Antwort, wer des Wettrüstens "schuldiger" ist. Dennoch zeigen sich mit Krim-Annexion, Ostukraine und Syrien überdeutlich, dass auch mit weniger Rüstungsetat Unfug getrieben werden kann, wobei sich andererseits wiederum fragt, ob die militärische, wirtschaftliche Osterweiterung und Verdrängung Russlands aus der Mittelmeer-Region und Weltpolitik zugunsten us-amerikanischer Vorherrschaft geeignet ist, russische Begeisterung auszulösen, auf die es zwar niemandem ankommen muss, aber Putins Verdruss in die Überlegungen einzubeziehen ist - und zwar mit allen Konsequenzen militärischer Reaktionen, solange man die UNO nicht demokratisiert und sich somit auch selbst dem Völkerrecht verpflichtet.

Die "Doppelstrategie" ("Si vis pacem para bellum" plus "Seid nett zueinander!") war nie wat Neues und stets intellektuelles, politisches Unvermögen einer letztlich auf Selbstjustiz-Prinzipien verhafteten Sicherheitspolitik.

Vom Standpunkte Kants, Einsteins, vom Standpunkte des Weltbürgertums kommt es darauf an, mit solcher "Doppelstrategie" ("Aufrüstung zwecks Abrüstung") zu brechen und sie durch eine Strategie zu ersetzen, die das UNO-Streitkräftemonopol zum Ziel hat.

Eben das heißt "Strategie", dass es ein Ziel vorgibt - und in Fällen von Widerständen eine Taktik, wie das Ziel zu erreichen sei, also Pläne. Aber das BAKS-Ziel ist bislang mit dem NATO-Lobbyismus gänzlich anders verortet als es das völkerrechtliche Gewaltmonopol der UNO-Charta verlangt, zielt bestenfalls auf die Verrigerung militärischer Potentiale ab, wie es allseits als ferne Zukunft versprochen wird, während sich gleichzeitig die Rüstungsausgaben erhöhen, sobald politische Rivalitäten nicht mehr diplomatisch zu lösen scheinen.

Die falsche Strategie ist noch immer in der Weltpolitik vorherrschend, denn nicht nur Moskau und Peking bestehen auf "Mitsprache" in falschen Modellen wie Putins "Multipolarer Welt", sondern auch Indien, Nordkorea, Israel usw. fordern "Mitsprache", wann immer sie es brauchen, ohne sich "mitsprechen" zu lassen, sobald sie sich ein Abenteuer im Alleingang zutrauen: Die Anlieger annektieren mal kurz Nordmeer, Chinesisches Meer, demnächst die Antarktis usw., schicken die Kriegsschiffe hin, ganz gleich, was die übrige Welt davon hält, deren Weltmeere fortlaufend von diesen Alleingängern oder in deren Kollaboration enteignet wird.

Das Völkerrecht (in Fragen von Krieg und Frieden) ist den Zuständen weit, weit voraus. Kann das sein?
Ja, so ist es,
a) nicht ungewöhnlich, dass das Recht oft mehr für das "Soll" als für das "Ist" steht,
b) weil sich im Völkerrecht abbildet, was wir wissen, was wir einander und künftigen Generationen mit der UNO-Charta auf den Weg zu bringen versprachen, während der Bruch damit ist, was wir tun und unterlassen - und nicht erst im Krieg, sondern im Frieden.

Albert Einstein sagte: "Das Ziel des Pazifismus ist nur durch eine übernationale Organisation erreichbar. Die bedingungslose Befürwortung dieses Zieles ist das Kriterium des wahren Pazifismus."

Markus S. Rabanus 2018-01-03

Bezug nehmend auf https://www.baks.bund.de/sites/baks010/f...tik_2017_30.pdf


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Angst vor Weltdiktatur

#11 von Markus Rabanus , 19.02.2018 17:06

Miriam: Mittlerweile wünschte ich mir, im Nahen Osten hätte es nie Bodenschätze gegeben, die Begehrlichkeiten weckten. Doch so wird der Wettstreit um eben diese, immer weitergehen und der Nahe Osten mitsamt seiner zivilen Bevölkerung bleibt ein Spielplatz der unterschiedlichsten Mächte.

Markus: Nicht nur dort. Es muss vor ein Schiedsgericht. Vielleicht wäre es besser, wenn alle Rohstoffe der gesamten Menschheit gehören und alle Wertschöpfung weltsteuerpflichtig.

Miriam: Das wäre wirklich eine Lösung! Leider (noch) eine Utopie.

Markus: Du bringst mich grad drauf >> Auch Utopien können ja ein bisschen Nutzen haben, wenn sie die Realitäten ein bisschen selbstkritischer machen.
Schaue dir bitte mal www.pazifistisches-manifest.de an. Es ist ganz kurz. Und dafür haben wir auch eine Facebook-Gruppe.
Aber fühle dich nicht genötigt, denn sogar engste, echte Freunde von mir halten es für Unfug. während ich davon total überzeugt bin.

Miriam: Ja, dies erinnert mich an Kants "ewigen Frieden". Ich persönlich glaube leider nicht daran. Selbst wenn nur die UNO Waffen besäße, wurden doch Länder mit Einfluss (wie auch immer geartet), auch Einfluss in der UNO haben und versuchen, diese für ihre Zwecke zu nutzen. Echten Pazifismus gäbe es wohl nur ohne Waffen. Interessanterweise gab es ja schon immer Kriege, Unterdrückung und Ausbeutung. Die Menschheit scheint so gepolt zu sein. Ich weiß es wirklich nicht... Mir erschließt es sich nicht. Wir kommen und gehen mit nichts. Warum diese Gier für unser wirklich kurzes Dasein auf Erden? Völlig sinnlos und doch Teil der Menschheit seit eh und je.

Markus: Genau davon (Kant, Einstein) ist es auch abgeleitet.

UNO-Pazifismus ist eigentlich nichts anderes als die Globalisierung des Gewaltmonopols in unserem Staat.
.
Auch in unserer Gesellschaft gibt es starke Kräfte, so bin auch ich wirtschaftlich stärker als viele, aber das staatliche Gewaltmonopol verbietet mir Waffenbesitz und nötigt mir notfalls unter Waffeneinsatz ein Verhalten ab, welches auch wirtschaftlich Schwächeren gegenüber den Gesetzen genügt.

In unserer Welt der bewaffneten Staaten und einer nahezu waffenlosen UNO ist es hingegen eher so wie mit rivalisierenden, bewaffneten Mafia-Clans und ohne Polizei, ohne ordentliche Gerichte.

Miriam: Ja, ich glaube nur einfach nicht, dass die Globalisierung des Gewaltmonopols für alle das Gleiche bedeuten würde bzw würde dieses System irgendwann korrumpiert werden. Wenn nicht, wäre das tatsächlich der richtige Weg. Ich traue die Umsetzung den Menschen jedoch nicht zu.

Markus: Stimmt, Diktatur-Gefahr ist immer, aber ich bin davon überzeugt, dass die Gefahren aus der militärischen Rivalität gefährlicher sind.

Albert Einstein meinte dazu: "Ob ich die Tyrannei einer Weltregierung fürchte? Natürlich! Aber meine Furcht vor einem neuen Krieg ist noch größer. Jede Regierung ist in einer gewissen Weise vom Übel. Aber eine Weltregierung ist dem größeren Übel der Kriege vorzuziehen." - 1945, zitiert in Pais, Ich vertraue auf Intuition, S.297


Sandra: Der nächste Brennpunkt: China hat alle Bodenschätze bis auf Gas und Öl - das hat wiederum der Nachbar Russland...
Die Idee des pazifistischen Manifests finde ich wundervoll - aber ich glaube die Menschheit ist noch nicht so weit, vorher müssen in allen Kulturen und Ländern die meisten draufgehen, so dass der Rest sich dann zusammentut...

Markus: @Sandra, dann lade ich dich ein ;-)

(etwas abgeänderter Facebook-Dialog)


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Angst vor Weltdiktatur ist eine prima Ausrede

#12 von Albero , 20.02.2018 11:57

Fruchtlose Diskussionen in Glaubensfragen. Wie ich das liebe.
"Ich bin ja ganz deiner Meinung und finde das auch supertoll, aaaaaaaaaber ich glaube nicht dass u.s.w. bla-bla."
Markus, glaubst du wirklich, dass du im Fußbuch (ist echt für die Füße) Leute für solch komplexe Angelegenheiten gewinnen kannst?
Frage mal unter der Voraussetzung, dass jemand auch weiß worum es geht: Bist du dafür oder dagagen? Falls jemand dafür sein sollte, ohne wenn und aber, kann man ihn ja auch noch fragen: Bist du bereit, etwas dafür zu tun?
Auf diesem Ergebnis kannst du dann aufbauen.

Meint Albero


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RE: Angst vor Weltdiktatur ist eine prima Ausrede

#13 von Markus Rabanus , 21.02.2018 14:12

"@Albero, ich stimme dir zu, aber ..." die Leut' haben nun'mal reichlich James Bond und andere Helden im Kampf gegen Möchtegern-Weltdiktatoren gesehen.
Es sind die typischen Gegenreden (außerhalb der Mondialistenszene); ob tatsächliche Ängste oder bloß Ausreden, lässt sich nur spekulieren. Für beide Fälle braucht es überlegte Antworten, die zugleich in UNO-Reformforderungen Berücksichtigung finden sollten: auf der Strecke der Gewaltenteilung, Subsidiarität und des Föderalismus.

Auch ohne Schreckgespenst "Weltdiktatur" ist es gewöhnlich, dass je größer die Zusammenhänge, desto leichter stellt sich Unbehagen ein, ganz klein oder unwichtig zu sein, es sei denn, es würden Untermenschen als Fußabtreter in Aussicht gestellt.
Genau auf solchen Verheißungen beruhten immerhin Diktaturen ganzer Weltreiche und überdauerten Jahrhunderte.

Wären keine Ängste und Widerstände, so wäre bspw. die EU fortgeschrittener, akzeptierter und auch die UNO. Darum habe ich solche Ängste und Widerstände auf meinen Weltrepublik-Seiten verzeichnet und werde dran arbeiten.

LG


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Privatarmeen und Geheimarmeen

#14 von Markus Rabanus , 23.02.2018 16:00

Obgleich in Gesellschafts- und Staatstheorie das Gewaltmonopol des Staates für eine sinnvolle Angelegenheit erachtet wird, um die Selbstjustiz einzudämmen und strafzuverfolgen, boomt nicht nur innerstaatlich die Branche privater "Sicherheitsfirmen", sondern auch in internationalen Konflikten mit gewinnorientierten Privatarmeen.

Bekanntheit erlangte bspw. die US-Firma "Blackwater", nach Skandalen inzwischen umgetauft in "Academi", was nach Hochschulabschlüssen (Philosophie, Skandinavistik) klingt, aber moralisch und sozial gescheiterte Existenzen für das Töten nach Gutdünken zahlender Auftraggeber einspannt.
Allmählich spricht sich herum, dass auch Russland Privatarmeen für Konflikte einsetzt, obgleich nach dem russischen Strafgesetzbuch militärische Aktivitäten außerhalb der russischen Armee auch im Ausland verboten sind. Aber von offizieller Seite geduldet, weil so praktisch, um hinter den Kulissen die Welt zu verändern.

Ein Artikel, in dem es um eine russische Privatarmee geht:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/sy...-a-1193899.html


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RE: Privatarmeen und Geheimarmeen

#15 von Albero , 24.02.2018 13:43

Man kann an diesem Beispiel auch wieder schön sehen, welch ein Stinkstiefel Putin ist, und wie doof die Russen mit ihrer dämlichen Heldenverehrung.

Aber wenn die UNO eine ständige Friedentruppe aufstellen würde, nicht mit Leihsoldaten aus nationalen Armeen, sondern eigenständig, mit autonomem Bewerbungs- und Auswahlverfahren, mit spezieller Ausbildung und Ausrüstung - was wir ja so wünschen - , wäre das zunächst auch eine quasi Privatarmee, da die UNO kein Staat ist. Ich würde Gurkhas empfehlen.


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Rüstungsprofiteure sollen zahlen!
Welchen Frieden wollen wir?

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