RE: Die Pseudo-Friedensbewegung der Querfront

#31 von Renate Beck , 10.09.2017 19:43

War das unter der Autobahnbrücke ?
LG Renate

 
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RE: Die Pseudo-Friedensbewegung der Querfront

#32 von Richard Maxheim , 10.09.2017 20:39

Die Rede von Eugen Drewermann

Ein mit der bekannten Friedhofsmiene leidenschaftlich vorgetragenes Plädoyer gegen Militarismus und Krieg, von Troja bis Ramstein. Flammende Anklagen gegen die Verantwortlichen in Politik und sonstwo, davon ganz besonders den amerikanischen, denn die USA sind als Hegemonialmacht mit ihrer überragenden Kriegsmaschinerie die größte Gefahr für den Frieden. Für die kleineren Kriegstreiber kann man ja auch noch ein bisschen Verständnis aufbringen. Man merkt den rhetorisch versierten Profiprediger. Die Platte hat er bestens drauf. Alles soweit richtig, was er gesagt hat. Man kann ihm kaum widersprechen. Nach 30 Minuten Weltschmerz dann das große NEIN, nach Borchert. Das war's dann. Zukunftsperspektiven, wie man diese schlimme Welt überwinden könnte, fehlen gänzlich. Moralvorstellungen reichen dafür nicht aus. Drewermann spricht zwar kurz die UNO an, der das Geld für den Kampf gegen Armut und Hunger und für Hilfe bei Naturkatastrophen fehlt, weil alles in die Rüstung gesteckt wird. Aber sonst keine Spur von einer Idee. Mächtiger Applaus des Publikums, wofür? Das haben sie doch alles schon gewusst. Fazit: So eine Art Gottesdienst, bei der die Leute ihren Glauben bestätigt bekamen. Aber wo bleibt die Erlösung? Das NEIN allein dürfte dafür zu schwach sein.

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RE: Die Pseudo-Friedensbewegung der Querfront

#33 von Richard Maxheim , 11.09.2017 15:18

Die Rede von Daniele Ganser

Wo Drewermann schlapp macht, bringt Ganser – nach überschwänglichem Lob für seinen Vorredner – mit bekanntem Dauergrinsen die Erlösung. Drewermanns Drama war ja auch die ideale Vorlage, um nun mit lockeren Sprüchen die Moral im Saal zu heben. Das gelingt Ganser sehr gut, sein Vortrag ist nicht unlustig. Trotzdem entlarvt er im Detail immer wieder seine wahre Intention. Ab Minute 56:28 ist zu hören:

Zitat
Deutschland wird immer niedergedrückt, ja, mit dem Stichwort Hitler, Nationalsozialismus. Das ist eine psychologische Kriegsführung, die sie schon seit vielen Jahren erleiden ...


Ein perfekter Einstieg für eine Rede bei einem AfD-Kongress. Hier in der „Versöhnungskirche“ scheint er ebenso auf fruchtbaren Boden zu fallen. In den folgenden Ausführungen skizzierte er die USA als das aggressivste Imperium unserer Zeit und meint, diese Erkenntnis würde systematisch unterdrückt werden, obwohl es doch inzwischen eine Binsenweisheit ist, dass die USA die größte Weltmacht sind, fähig ihre Interessen weltweit durchzusetzen. Seine Theorie ist die einer breiten Verschwörung in unserer Gesellschaft, gesteuert durch die etablierten Medien. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch den ganzen Vortrag. Da die Rede immer wieder mit frenetischem Beifall bedacht wird, kann er auch hier seine Lieblingsbehauptung, der 9/11 sei bis heute ungeklärt – natürlich mit seiner speziellen Begründung einer umfassenden Lügenstrategie, die sich aus Tatsachen, Halbwahrheiten und unbewiesenen Behauptungen zusammensetzt – unwidersprochen loswerden (ab Minute 1:20:40). Wer spätestens hier nicht kopfschüttelnd den Saal verlässt, ist soweit ausreichend indoktriniert und für den nächsten Aufzug bereit.

Im zweiten Teil seines Vortrags fährt Ganser nach seinem Gusto auf der psychologischen Schiene. Dies zunächst anhand seiner eigenen Person als Vorbild, wie man als Andersdenkender mit dem Unverständnis und der Ablehnung seiner Mitmenschen fertig werden kann. Die Sache bekommt dann einen sektiererischen Einschlag, als er seinen Fans im Saal verdeutlicht, wie sehr sie als die wahren Wahrheitswisser dem Rest der Welt überlegen sind. Er wendet sich vehement gegen die Spaltung der „Friedensbewegung“ und beschwört ihre internationale Vernetzung, von Amerika bis Russland. Welche unabhängige und freie Friedensbewegung in Russland dafür als Partner in Frage käme, wird nicht gesagt. Gansers Auftritt endet mit tosendem Applaus, vom Youtuber aus München merklich aufgedreht.

Hier nochmals einige aufklärende Links über Daniele Ganser und wie er so tickt:
https://www.psiram.com/de/index.php/Daniele_Ganser
https://blog.psiram.com/2015/11/die-krie...daniele-ganser/
https://blog.psiram.com/2017/06/daniele-...one-trick-pony/
http://blog.gwup.net/2017/04/15/daniele-...ilei-vergleich/
http://blog.gwup.net/2017/06/10/daniele-...e-unwissenheit/
https://blog.gwup.net/2017/07/28/wer-zum...anser-wahrheit/

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RE: Die Pseudo-Friedensbewegung der Querfront

#34 von Renate Beck , 11.09.2017 18:37

Hallo Richard ! Deine Kommentare sind super ! Sehr treffend !
Ich habe mir die Vorträge auch angetan. Schlimm zu sehen wie die auch die Leute da ticken.
Daniele Ganser ist wirklich ein Demagoge. Er wäre gefährlich wenn es heute nicht die Möglichkeit geben würde ihm öffentlich im Internet paroli zu bieten. Da sind ja doch schon viele Seiten die beweisen was für ein Typ das ist und was er für einen Müll von sich gibt. Kein wirklicher Verschwörungstheoretiker (die Theorien hat er doch bei anderen abgekuckt) sondern eher ein Verschwörungsverkäufer. Ich habe irgendwo gelesen dass er für so einen Vortrag 5000 Euro haben will.
Aber aus seinen vielen „Wahrheiten“ doch noch eine echte:
Bei 59,45 sagt er dass 800 Zuschauer da sind. Er hätte das vom Veranstalter erfahren. Bei Facebook hat der Veranstalter aber 1200 Zuschauer angegeben. Und schon wieder eine Lüge aufgedeckt. Die haben doch echt einen an der Klatsche.
LG Renate

 
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erbärmlicher Zustand der Friedensbewegung

#35 von Markus Rabanus , 11.09.2017 23:44

Ja, die Friedensbewegung ist nicht bloß in der Größenordnung erbärmlich, sondern auch inhaltlich, was noch schlimmer ist, denn deshalb würde auch Größe nüscht nutzen.

Aber es liegt auch an unseren schwachen Seiten. Ich schaute mich in letzten Tagen weniger in den aktuellen Verlautbarungen von Organisationen, Institutionen und Parteien um, sondern mal mehr in den "Programmen" und diversen Lexika zum Thema Pazifismus. Kaum sinnvolle Sachen.

Der EINZIGE Text, der realistischen Weltfrieden anmahnte und nicht dran vorbei schoss, war ein Bericht des UNO-Generalsekretärs, aber von 1982. Erst unterwegs bemerkte ich, dass er älter ist ;-), denn die Probleme beschreiben sich noch immer so, nur die Schlachtfelder sind andere.

Ich bringe den Text demnächst mal kommentiert ein, denn er gehört der Menschheit ins Sündenregister geschrieben.


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RE: erbärmlicher Zustand der Friedensbewegung

#36 von Richard Maxheim , 12.09.2017 00:55

Das hier ist ja auch keine wirkliche Friedensbewegung, sondern lediglich eine von der Querfront gesteuerte Anti-NATO-Koalition, die zwar auch Frieden will und deren Hauptforderungen größtenteils richtig sind, die aber damit auf dem falschen Dampfer ist. Ich denke, dass die Hintergründe in diesem Thread deutlich zu Tage kamen. Es gibt eine echte Friedensbewegung, mit viel mehr Mitgliedern, die seriöse Arbeit leistet und sich nicht mit sinnlosem Aktionismus aufhält. Siehe doch nur ICAN. Klar, das sind auch nicht die Massen. Sie ist aber glaubwürdig und genießt deshalb mehr Ansehen und Gewicht. Und das braucht es zum Erfolg. Natürlich gibt es da auch Defizite. Es sollte unsere Aufgaben sein, dem abzuhelfen. Ich habe dazu ein Thema in der Mache: Sicherheitsbewegung = Friedensbewegung. Mehr in Kürze.

Ich denke, diesen Thread kann man jetzt abschließen.

Richard


 
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RE: erbärmlicher Zustand der Friedensbewegung

#37 von Markus Rabanus , 12.09.2017 05:19

Hast recht, @Richard, aber auch ICAN, IPPNW haben nicht alles auf dem Schirm, worauf es final ankommt - und das wird sich auch nicht alsbald ändern, denn so prima die Leut', aber wie mein inzwischen verstorbener Papa und IPPNW-Unterstützer, können liebe Ärzte kaum anders als totale Gewaltlosigkeit zu fordern.

Vor vielen Jahren wollte die Schweizer Missionsgesellschaft meinen Vater nach Bolivien schicken, ein Krankenhaus zu leiten. Wir fuhren gemeinsam nach Zürich. Angeblich hatten zwei Ordensschwestern schon jahrelang für die Entsendung meines Vaters gebetet ;-) Und irgendwann fragte ich, wie denn die Missionsgesellschaft zur regierenden Militärjunta stehe.
Da meinten die: "Die Völker dort sind noch nicht reif für die Demokratie."
Und mein gescheiter Vater konterte freundlich lachend, aber trotzdem definitiv: "Wer für die Demokratie nicht die Reife hat, hat erst recht keine für Generäle!"
Auf dem Weg zurück versicherte mein Vater mir, dass aus diesem Job für ihn nichts werde, weil er keine Energie habe, sich noch einmal mit Kirchen anzulegen, wie schon bei seinem Nias-Aufenthalt.
Kurz drauf meldete er sich aus Äthiopien. Da war er für "Ärzte ohne Grenzen" auf eigene Kosten inmitten der großen Hungerkatastrophe Anfang der Achtziger.

Für ihn jedenfalls kam nur "totale Entmilitarisierung" in Betracht, "weil jeder Krieg nur Verbrechen den Weg frei macht".
Tja, andererseits hatte er sich gefreut, dass die Alliierten die Hitler-Armeen besiegten - nur halt am Ergebnis gefreut, nicht am Geschehen, wenn ihm als jungem Assistenzarzt die Schreienden zerfetzt auf dem Tisch lagen und bald unter dem Tuch.

Also immer schwierig, ein totales Dilemma.

Also werde ich selbstverständlich konstruktiv und solidarisch kritisieren, denn wir können immer nur Welt ändern, mit der wir es zu tun haben.

In den letzten Tagen habe ich so viel MIST lesen müssen, vor allem in Schulbüchern und Lexika, dass eben kaum wundern kann, wie bescheuert große Teile der Bevölkerung und auch klassische Teile der FrieBew sind, von denen du dir die blödesten Exemplare mit den vorherigen Postings vorknöpftest.
Und dann noch die Videos durchzuhalten, wenn solche "alternativen" Stürmer-Heinis ihre Hetztiraden vom Stapel lassen, mutete ich mir jeweils kaum länger als eine Minute zu, weil es auch kaum mal "neu" ist.

Na ja, ich habe jedenfalls in den letzten zehn, fünfzehn Stunden ca. 100 unserer eigenen Bescheuert-Seiten nachgebessert und diverse Pazifismus-Definitionen eingepflegt. Ich gebe oben in die Selbstvorstellung den Link zur Nachschau, welche Themen grad in Arbeit sind.

LG aus Pankow


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Flop Ramstein – Klappe – die Letzte

#38 von Albero , 12.09.2017 13:27

Markus, vielleicht haben wir ja ein Marketingproblem.

Die Kampagne Stopp Air Base Ramstein hat jedenfalls nicht nur eins. Von dem Festival „Künstler für den Frieden“ in der Kammgarn ist nichts weiter zu hören. Es war wohl auch ein „voller Erfolg“. Wir haben die Querfront und ihre faulen Tricks zur Genüge kennengelernt, bei Pax Terra Musica und bei Stopp Ramstein. Die falschen Propheten sind enttarnt, ihre Heucheleien aufgedeckt. Ich will keinem der Mitläufer den Willen zum Frieden absprechen, aber was sie machen ist irrationale und damit kontraproduktiv. Wenden wir uns der tatsächlichen Friedensbewegung zu. Da gibt es jede Menge zu tun.

Zum Abschied soll Ken Jebsen noch ein bisschen von seinem „Marketingproblem“ plärren. Vielleicht hat er es noch nicht gemerkt: Er ist es selbst.


Glaubt ihr etwa alles was nicht in den Zeitungen steht?

 
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