Gedenken an Hiroshima und Nagasaki

#1 von Albero , 06.08.2017 14:58

Heute ist Hieroshima-Tag.


Glaubt ihr etwa alles was nicht in den Zeitungen steht?

 
Albero
Beiträge: 252
Registriert am: 16.05.2016

zuletzt bearbeitet 07.08.2017 | Top

Fehlspekulation in Spiegelreportage

#2 von Markus Rabanus , 07.08.2017 15:12

Typischerweise endet die Spiegelreportage mit der Behauptung, George Orwells Spruch sei "bislang nicht widerlegt", wonach wahrscheinlicher sei, dass sich die Großmächte nun nach Hiroshima einig würden, niemals gegeneinander Atomwaffen einzusetzen.

Es ist sehr wohl "widerlegt", denn mehrfach forderten Politiker und höchste Militärs den Erstschlag - und es ist schon Zufall genug, dass solche nicht an der Macht waren. Auch Kennedy und Chruschtschow fanden eher zufällig aus ihrer selbstverschuldeten Eskalationspirale heraus und hatten es nicht auf dem Schirm, dass ein sowjetischer U-Boot-Kommandant sich nach Wasserbomben-Angriffen bereits im Endkrieg glaubte und sein Befehl zum Atomwaffeneinsatz bloß an der Weigerung seines Stellvertreters Wassili Alexandrowitsch Archipow scheiterte, dessen Zustimmung es nach den Richtlinien bedurft hätte.

Der Weltöffentlichkeit wurde dieses Geschehen 36 Jahre lang in Ost und West verschwiegen, damit wir nicht den Glauben an die Verlässlichkeit der "nuklearen Abschreckung" verlieren. Aber am Problem eines versehentlichen Atomkriegs hat sich bis heute nichts geändert, denn noch immer sind U-Boote technisch befehlsautonom.

Schon inmitten der Reportage die aberwitzig naive Fehlspekulation, dass die Rechtzeitigkeit der US-Atomwaffe Hitler am seinerseitigen Atomwaffeneinsatz gehindert hätte, denn auch daran krankt die "nukleare Abschreckung" radikal, dass diverse Typen in Erwartung des eigenen Machtverlustes bereit sind, die Menschheit mit ins Grab zu nehmen. Also nicht bloß solch' Hitler, sondern alle Despoten, denen es an den eigenen Kragen zu gehen droht.
Auch religiöse Fanatiker als Atommacht würde jegliche "Abschreckung" aushebeln.

Für Trump, Putin, Netanjahu usw. mögen offenbar Millionen Menschen die Hand ins Feuer legen, ich jedoch nicht.

Ist das dem SPIEGEL bewusst? Nöö. - Seine Kontinuität in letzten Schlussfolgerungen zur Abschreckungsdoktrin ist erstaunlich, denn die Mitarbeiter wechselten oft genug und zuweilen auch die politische Gesinnung, aber der Glaube an die Bombe und somit an die in Ost und West herrschende Militärdoktrin war immer, als sei es redaktionelles Grundgesetz, obgleich der SPIEGEL über die Fakten berichtete, die der menschheitsvernichtenden Abschreckungsdoktrin entgegen stehen. Also entweder doof oder opportunistisch.

Ja, die "Abschreckung" ist ein Prinzip, unverzichtbar in vielem, auch in Verteidigungsdoktrinen, auch nach etwaiger Verifizierung des UNO-Gewaltmonopols,
- aber "Abschreckung" ist in keinem mir bekannten Anwendungsbereich Allheilmittel, wie auch jede Kriminalstatistik zeigt, sondern bloß ein Prinzip unter mehreren,
- und in Belangen von Massenvernichtungswaffen ein Irrweg, denn wenn wem erlaubt, dann wollen es alle, auch der KimBumms mit selbiger Argumentation wie Merkel, Gabriel usw. auf den Verbleib von Atomwaffen auf dt. Boden bestehen, dann auch noch "Schutzschirm" oder "Lebensversicherung" genannt.

Das heißt nun nicht, dass "einseitige Abrüstung" sein müsste, denn solange kein UNO-Gewaltmonopol, solange braucht es Gegenseitigkeit, aber ein bisschen für "Einseitigkeit" darf man ruhig sein,

denn a) hätte es beiden deutschen Staaten nach zwei angezettelten und verlorenen Weltkriegen gut angestanden, das Waffengeschäft und die Militarisierung "einseitig" komplett anderen Staaten zu überlassen und sich selbst mal bloß als weltweite Katastrophenhilfe in Szene zu setzen,

und b) könnten sowohl die USA als auch Russland sehr viele Atomwaffen "einseitig abrüsten", denn für die gegenseitige Abschreckung per Auslöschungsdrohung dürfte genügen, was China an Atomwaffen hat, es sei denn, man traue ausgerechnet Peking sonderliche Friedlichkeit zu. Ich nicht, sondern ausgerechnet Peking etwas mehr "Rationalität" in dieser Frage.

Oder Peking bringt es verheimlicht auf ebenfalls 4.000 Atomsprengköpfe. - Alles ist möglich ohne wirksame Kontrolle.

Solche Forderungen nach "einseitiger Abrüstung" sind hinreichend definiert und der Forderung nach Gegenseitigkeit klar nachgeordnet.
Trotzdem kommt dann nicht selten der Vorwurf bloßer "Einseitigkeit" - und dreister Weise ausgerechnet von denen, die sich gegenüber den Atomwaffenverzichtsstaaten "einseitiges Atomwaffenbesitzrecht" anmaßen.

Die schlimmste "Einseitigkeit" also ist, dass die Atomwaffenmächte ihren Verpflichtungen aus Art.6 Atomwaffensperrvertrag nicht nachkommen, denn dieser Vertrag verlangte "Gegenseitigkeit".

"Friedensforscherisch" lassen sich ohne Blick hinter die Kulissen allenfalls PRINZIPIEN erörtern, während es für Umsetzung genau das braucht, was die UNO-Charta dem "Generalstabsausschuss" an Aufgaben zuwies. Siehe Artikel 26, 45 bis 47 oder http://inidia.de/unogeneralstabsausschuss.htm

Aber unsere anmaßenden Großrivalen und deren Trittbrettfahrer schicken den Generalstabsausschuss ja noch immer nicht an die Arbeit, um am "Krieg als Fortsetzung von Politik" festhalten zu können.

Zurück zum Gedenken an Hiroshima und Nagasaki:

Die Atombombenabwürfe waren Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Daran gehört nichts "gefeiert", auch nichts beschönigt, "der Krieg hätte ohne die Bombe mehr Menschenleben gefordert",

denn a) schaut es eher danach aus, als habe man die politisch letzte Chance zum demonstrativen Einsatz dieser Superwaffen nutzen wollen,

und vor allem b) war damals wie heute die Kriegführung gegen die Zivilbevölkerung unzulässig und in der gesamten Menschheitsgeschichte als schlimmstes Verbrechen Mainstream, so oft es auch dazu kam.

Daran zu rütteln, wie sich die offizielle Geschichtsschreibung im Westen seit August 1945 befleißigt, ist eine der schlimmsten politischen und intellektuellen Entgleisungen überhaupt, derweil wir uns für "aufgeklärter" halten.

Auch darum ist der Atomwaffenverbotsvertrag der 122 Staaten vom 7.7.2017 ein Meilenstein gegen die moralische Konterrevolution der Atomwaffenmächte.


The World Is Always Under Construction.

 
Markus Rabanus
Beiträge: 105
Registriert am: 28.02.2017

zuletzt bearbeitet 07.08.2017 | Top

RE: Fehlspekulation in Spiegelreportage

#3 von Albero , 07.08.2017 22:58

Ich habe das nicht so genau auseinander klabüsert, was SPIEGEL-TV dazu genau meint. Die Reportage ist ja von 1995. Heute weiß man einiges mehr. Die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki waren nicht zwingend notwendig, um den Krieg zu beenden. Das wurde hinterher nur konstruiert, um die Sache zu rechtfertigen. Auch um das eigene amerikanische Gewissen zu beruhigen. In Wirklichkeit waren es Atombombentest unter realen Bedingungen, die man noch schnell vor Ende des Krieges erledigen wollte, da sie nach Kriegsende kaum noch möglich sein würden. Also unumwunden, ein ganz klares Kriegsverbrechen. Der Mangel an Skrupel für dieses Tat ergab sich aus den erlebten Grausamkeiten, die vom japanischen Militär während des Krieges verübt wurden, einschließlich der finalen Rache für Pearl Harbor. Die japanische Zivilbevölkerung war den Amerikanern kaum bekannt. In dieser Reportage der ARD von 2015 kommt das besser rüber:


Das Problem ist vorgestern, gestern wie heute:
Es kommen immer wieder Leute an die Macht, die besser in der Psychiatrie oder einem Knast aufgehoben wären.


Glaubt ihr etwa alles was nicht in den Zeitungen steht?

 
Albero
Beiträge: 252
Registriert am: 16.05.2016

zuletzt bearbeitet 08.08.2017 | Top

   

Atomwaffenfreie Welt – und was dann?
Die Jordan Union – eine Nahost-Friedensvision

Xobor Einfach ein eigenes Xobor Forum erstellen