Reformierbarkeit der Vereinten Nationen?

#1 von Markus Rabanus , 24.08.2017 13:57

DANKE für dieses Spezialforum !

Mitunter ist strittig, ob die Vereinten Nationen Auslaufmodell sind oder sich weltrepublikanisch reformieren lassen.

Ich gehöre zu den Reform-Optimisten. - Optimistisch trotz offensichtlichster Widerstände der stärksten Weltmächte, die ihre militärische Dominanz durch so viele Privilegien in der UNO-Charta auch noch völkerrechtlich zu verewigen probieren, zugleich aber an ihren Rivalitäten oft genug scheitern, sehr wohl auch zum Nachteil ihrer eigenen Nationen.

Auch das kann ein Ansatz sein, um sie empfänglicher zu machen für weltrepublikanische Reformen, denn es braucht deren Einsehen und Nachgeben, weil ansonsten nicht bloß die Vereinten Nationen zerbrechen und scheitern, sondern dann auch der Weltrepublikanisierung das politische Fundament entrissen wäre.
"Fundament" i.S.v. "erforderlicher Entwicklungsstufe", denn Neuanfänge würden viel Zeit kosten, die in Anbetracht globaler Probleme noch mehr Verspätung bedeuten, wahrscheinlich erneut unserer heutigen UNO bedürften.

- Überdies ist es falsch, die fünf UN-Privilegierten für alle Ungemach und Stagnation des Vereinten Nationen verantwortlich zu machen, als seien nicht reichlich Trittbrettfahrer unter deren Bündnispartnern und auch unter deren Widersachern, denn die Rivalität der Großen schafft zwar keinen "rechtsfreien Raum", aber viel "Spielwiese" für kleine Strolche auf diesem Planeten.

- Überdies ist es falsch, die Vereinten Nationen ausschließlich in ihren Versagensmomenten wahrzunehmen und anzuklagen, die Leistungen und Erforderlichkeiten klein zu reden oder gar zu leugnen.

Wer sich für "weltoffen" oder sonstwie "progressiv" hält, muss sich im Klaren sein, dass jegliches "UNO-Bashing" dem Nationalismus in die Hände spielt. Ganz ähnlich wie "EU-Bashing", wenn einfach wieder 'mal das Ross statt der Reiter kritisiert wird.

- Wahrhaft "realitätsfremd" ist es, (Reform-)Forderungen für "realitätsfremd" zu halten, weil sie nicht durchsetzbar seien, denn das kann nur behaupten, wer von Kulturgeschichte nichts kennt - und sich wundern müsste, nicht mehr "leibeigen" zu sein.

Ob politische Forderungen "realistisch" sind oder nicht, hängt zwar leider nicht davon ab, ob sie falsch oder richtig sind, sondern ob sie möglich sind und welche Kräfte sich finden, um Widerstände zu überwinden. - Folglich ist Reformierbarkeit primär von Forderungen abhängig und nicht von Widerständen - sonst wüsste man ja auch gar nicht, wohin (siehe "Arabischer Frühling"). Der Verzicht auf Forderungen ist Ruhekissen für den Status quo.

Wer etwas reformieren will, muss das Ziel skizzieren können, aber auch die Ausgangssituation. Darum ist es wichtig, dass wir uns und andere mit der UNO-Charta vertraut machen,
- zumal ohnehin aktuell höchstes Völkerrecht, an dem internationale Politik zu messen ist,
- dass wir die Fehler und Regelungslücken der Charta erkennen,
- dass wir ihre Entwicklungsgebote kennen, denn vieles ist in der Charta gefordert und harrt der Umsetzung.

Weil die UNO-Charta so wichtig ist, schreibe ich seit langem an einem "Kommentar zur Charta der Vereinten Nationen". alles sehr lückenhaft, weil bloß anlässlich IniDia-Diskussionen, so dass sich niemand über Unzulänglichkeit aufrege, sondern konkret auf welche hinweise, denn das ist der bessere Ansporn zur Nachbesserung, zumal ich zwar studiert "Völkerrechtler" bin, aber damals viel zu befangen im Ost-West-Konflikt - und später bis heute anderweitig berufstätig, weshalb es bloß "Hobbyformat" haben kann.
Trotzdem bleibt der Anspruch, allmählich Vernünftiges zu liefern - und das ist dann eher aus gemeinsamer Bemühung zu erwarten. Und sei es Falsifizierung, denn Gegenargumente braucht es wie das Wissen um Erdbebenkräfte, wenn jemand erdbebensicher bauen möchte.

So, nun war einiges wiederholt aus meinem Antrag zur Einrichtung dieses Unterforums, aber es ist wichtig, die "Reformierbarkeit" prinzipiell anzusprechen, denn die Hauptwiderstände sitzen allem ersten Eindruck entgegen nicht im Weißen Haus, im Kreml usw., sondern in unreifen Reformüberlegungen.

Die Hauptwiderstände gegen UNO-Reformen und Weltrepublikanisierung sind aus Fatalismus, Unwissenheit und Phantasielosigkeit.

Und irgendwann, besser früher als später, werden wieder alle so tun, als sei es ihnen schon immer "selbstverständlich" gewesen, die Abschaffung der Sklaverei, die Gleichberechtigung von Frau und Mann, die Demokratie statt Gottes-Gnaden-Monarchie, so auch die Gleichberechtigung der Nationen in den Vereinten Nationen nach Prinzipien von Demokratie und Gesetz statt daran geknüpft, wer die Welt in Luft in jagen kann.

>> http://inidia.de/un-charta-kommentar.htm


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RE: Reformierbarkeit der Vereinten Nationen?

#2 von Richard Maxheim , 24.08.2017 22:11

Deinen Ausführungen kann ich voll und ganz zustimmen. Und das muss man ganz dick unterstreichen:

Die Hauptwiderstände gegen UNO-Reformen und Weltrepublikanisierung sind aus Fatalismus, Unwissenheit und Phantasielosigkeit.

In dem Zusammenhang will ich auch nochmal auf das Buch

Parlament der Menschheit

hinweisen. Das sollte man zur Hand haben, wenn man sich mit der Materie befasst.

Richard


 
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RE: Reformierbarkeit der Vereinten Nationen?

#3 von Albero , 25.08.2017 00:11

Das kann ich auch unterschreiben.
Ich pinne den Beitrag oben an, sozusagen als Leitartikel der Rubrik.


Glaubt ihr etwa alles was nicht in den Zeitungen steht?

 
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