Kommentar zur Bundestagswahl 2017

#1 von Albero , 28.09.2017 14:22

Kommentar
von Michael Schmidt-Salomon:
„Wir müssen aus dem Wahlerfolg der AfD die richtigen Schlüsse ziehen.“
im
Humanistischen Pressedienst vom 25.09.17


Glaubt ihr etwa alles, was n i c h t in den Zeitungen steht?

 
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Charakterisierung der AfD

#2 von Markus Rabanus , 04.10.2017 04:56

Hmm, im ersten Satz nach der Einleitung heißt es: "Eine streng konservative, christlich-nationale Partei wie die AfD, die den Schwangerschaftsabbruch verbieten will, ..."

Ich halte die AfD für alles andere als "streng konservativ" und "christlich-national", zumal das Parteiprogramm gelesen, den Parteitag über Phoenix verfolgt und Diskussionen geführt.

Was wäre "streng konservativ"? Solche Fragen stelle ich solchen Leuten. Und dann kommt die Antwort, dass es wieder so werden solle, wie es mal gewesen sei.

Dann erläutere ich den Leuten, dass "konservativ" bedeute, dass etwas so bleibe, wie es ist, während deren Konservativ-Begriff schon nicht stimmt, sondern Rückwärtsgang ist. Und das nennen Gescheite dann nicht "konservativ", sondern "restaurativ" oder "reaktionär".

Und wenn ich Gelegenheit hätte, mit einer Petry oder Weidel zu diskutieren, ob ihnen die Papa-Gesellschaft vor den 68ern hätte gefallen mögen, dann würden beide sagen: "Nöö", also haben sie auch damit nichts zu tun, wenngleich die AfD voll von Höckes ist, die sich "entmannt" sehen.

Und der Schwangerschaftsabbruch?
Da sind AfD-Heinis nicht aus moralischen Gründen gegen, sondern weil sie den Teutonen aussterben sehen. Jedenfalls würde das Gelumpe sofort nach Abtreibung gieren, wenn es mal in der eigenen Familie dumm gelaufen ist. Mir ist noch kein AfDler begegnet, der sich als Moralapostel versucht hätte.

Was wäre "christlich-national"?
Mit Christentum hat die AfD nüscht gemeinsam. Wenn "Kreuz", dann eher das "Eiserne", wie "christlich-national" ohnehin ein "Schwarzer Schimmel" wäre. NIcht'mal die C-Parteien können darlegen, wie sich Jesus mit Nationalismus verbinden ließe.

Und "national" ohne "christlich"?
Auch das trifft auf die AfD nicht zu. "National" sind die Altparteien inkl. LINKE, während die AfD wie Trump, FPÖ, LePen, Putin usw. auf dem Nationalismus-Trip ist: "Deutschland zuerst", "Mut zu Deutschland" und alle Demokraten seien "Volksverräter". Bekam das der Autor nicht mit?

Die AfD ist eine nationalistische und rassistische Partei. Und wer sie wählt, ist ebenfalls Nationalist und Rassist, auch wenn viele sagen, dass ihnen genau das an der AfD nicht gefallen würde.

Man muss in solchen Dingen zu klarer Ansprache finden: Wer über Rot fahren will, muss sich "Rotfahrer" nennen lassen, auch wenn ihm die Rote Ampel nicht gefällt. Wer raucht, aber für ungesund hält, ist trotzdem "Raucher".
Wer Gauland und Höcke wählt - und sei es "aus Protest gegen Merkel", hat Gauland und Höcke gewählt.

Worum geht es dem Autor, wenn er sich derart vertut, was die AfD-Programmatik, was das AfD-Spitzenpersonal und deren Wählerschaft anbelangt?

Na, der Autor scheint Atheist. Bin ich auch. Aber ihm dreht der Atheismus durch, wenn er den Islam auf das Gleis des "politischen Islam" und Islamismus zu setzen versucht.

Was ist der Islam?
Der Islam ist, was Muslime daraus machen, wie das Christentum ist, was Christen daraus machen. - Wenigstens das müsste einem Atheisten klar sein, zumal Atheismus gewöhnlich davon ausgeht, dass Religion nicht vom Himmel fiel, also Menschen nicht Religionen folgen, sondern umgekehrt, wenngleich dialektisch, falls wir genauer sein möchten.

Und was machen Muslime draus?
Berlin hat jede Menge Muslime aus verschiedensten Ländern, denen die Religion nicht politischer ist als unseren Pastorenkindern Gauck und Merkel, also "(religions-)selbstverständlich friedlich, demokratisch" usw.

Den Islam anzufeinden, ist das Dümmste, womit Christen und Atheisten den Islamisten eine Freude machen können.
Das Christentum anzufeinden, ist das Dümmste, womit Muslime und Atheisten den Islamisten eine Freude machen können.
Aber nicht nur den Islamisten wird ein Gefallen getan,
sondern auch denen, die ihrer Fremdenfeindlichkeit ein "aufgeklärtes" Etikett verpassen wollen,
auch den israelischen Nationalisten, die den Islamismus zum Vorwand für völkerrechtswidrigen Landraub nehmen,
weshalb nicht jeder Syrien-Flüchtling Freund Netanjahus ist und oft dann leider auch antisemitisch.
Und auch denen wird ein Gefallen getan, die diesen "Krieg der Kulturen" mitprovozierten und mit reichlich Waffen belieferten, nicht zum Nulltarif.

Was ist mit den Türken los, dass sie Erdogan toll finden?
a) Erdogan hat die Mehrheit, aber doch wirklich nicht alle.
b) Hierzulande "Minderheit" zu sein, war für viele nie leicht. Trotzreaktionen verständlich, wenngleich falsch. Und darin allen voran die letzten Generationen, die das unterwürfige "Gastarbeiter-Bewusstsein" ihrer Eltern, Großeltern ablehnen.
Ich halte Trotzreaktionen für "natürlich", wobei bitte berücksichtigt bleibt, dass ich "politisch" bin, folglich "Natürliches" für politisch unzureichend halte. Anderenfalls wäre ich bspw. nicht UNO-Pazifist, sondern Kuschel-Pazifist oder Ultima-Ratio-Bellizist.

Der Autor hat zwar in weiteren Passagen richtigere Einschätzungen, aber das macht die verharmlosenden Fehleinschätzungen nicht wett.


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zuletzt bearbeitet 04.10.2017 | Top

RE: Charakterisierung der AfD

#3 von Richard Maxheim , 04.10.2017 12:43

Hallo Markus,

schreibe doch deinen Kommentar bei den Artikel im HPD! Ich meine, er kratzt doch ziemlich stark an der Salomonischen Weisheit.

Gruß
Richard


 
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RE: Charakterisierung der AfD

#4 von Markus Rabanus , 04.10.2017 14:00

Ja, @Richard, ich hatte es anschließend tun wollen, aber wurde nicht fertig, weil ein bisschen anders als hier.
Die sind so sensibel ;-)


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Markus Rabanus
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