MenschIn Meier! - Muss das sein?

#1 von Richard Maxheim , 30.12.2017 13:25

Liebe Mondialistinnen und Mondialisten, verehrte Gästinnen und Gäste, es hat mich eine Weltbürgerin darauf hingewiesen, dass mehr als die Hälfte der Menschheit weiblich ist. Sie stellte mir anheim, den Bürger konsequent mit Bürgerin zu ergänzen. Sonst würden zu viele Frauen „weggelassen“ und wir brauchten möglichst ALLE!

Ich teilte ihr mit, dass ich nichts davon halte, Sprache unnötig zu strecken und dass ich in meinem Bekanntenkreis niemanden kenne, der nicht unter dem Begriff „Bürger“ Frauen wie Männer verstehen würde. Früher, als Frauen noch kein Wahlrecht besaßen, mag das anders gewesen sein. Der Begriff ist heute so geschlechtsneutral wie der Mensch. Keiner bezeichnet eine Frau als Menschin. Mir würde das auch widerstreben, denn die generelle Aufteilung in Bürgerinnen und Bürger beinhaltet gleichzeitig eine Trennung. Genau diese sollte doch durch fortschreitende, tatsächliche Gleichberechtigung überwunden werden.

Selbstverständlich werde ich im Einzelfall eine Frau als Bürgerin ansprechen. Das gebietet schon die Höflichkeit. Auch die direkte Sammelansprache – in Wort wie in Schrift – ist für mich kein Problem, liebe Genossinnen und Genossen. Jedenfalls möchte ich mir wegen des so heiß umstrittenen „Genderwahns“ keine allzu großen Gedanken machen, denn ich halte ihn für ausgemachten Unsinn, der sich mit der Zeit von selbst erledigen wird. Da haben wir noch ganz andere Probleme vor uns.

Ihre mit einem „Tja“ beginnende Reaktion darauf fiel vernichtend aus. Wer so grundlegende Hinweise ignoriere, bräuchte über Weltfrieden nicht zu sinnieren. Denn genau an der Stelle würde er anfangen. Es ginge nicht um Prinzipien, sondern um Realität. Und das ins Lächerliche zu ziehen (Menschin usw.) verschleiere lediglich die Fakten. „Wir haben überall Kriege weil das System zu wenig auf der Seite des Lebens ist.“

Ich machte sie darauf aufmerksam, dass das arg fundamentalistisch klänge und lud sie ins Weltbürger-Forum ein, wo wir darüber diskutieren könnten. „Ganz bestimmt nicht danke. Ihre Denke ist mir leider zu gestrig! :-) Tja. Und meine Zeit mir zu wertvoll, um sie in Foren zu verbringen.“ Sie findet es schade, dass ich einer guten Initiative auf diese Art im Wege stehe. Denn ein Großteil der jungen Generation, die in Sachen Weltfrieden unterwegs sei, sähe das anders und hätte ihre eigenen Medien und Gruppen.

War das jetzt das Schlusswort einer humorlosen Feministin, welche in einer für sie falschen Sprachanwendung eine Hauptgrund für den Unfrieden in der Welt sieht? Wird das besser, wenn man/frau von KriegerInnen spricht? Sie gibt vor einst TV-Managerin gewesen zu sein und jetzt als Beraterin und Einzelcoachin für Führungskräfte aus Medien, Werbung, Politik, Wirtschaft und Kultur zu arbeiten und bietet „verhandlungsstrategische Begleitung“ an. Das passt irgendwie nicht.

Richard, der ewig Gestrige


 
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RE: MenschIn Meier! - Muss das sein?

#2 von Renate Beck , 31.12.2017 12:15

Wir hatten bei der Kommunikation des Eine-Welt-Ladens auch den Trend. Der hat aber in der letzten Zeit deutlich nachgelassen. Die Leute merken doch inzwischen wie das nervt. Manche Artikel waren ja schon fast unleserlich.
Das kann tolle Blüten treiben. Vor zwei Jahren war mal eine pensionierte Lehrerin im Verein. Sie wollte nicht als Mitglied bezeichnet werden. Sie würde keines tragen.
Wenn da jemand gelacht hat, war sie stocksauer. Verlangte sogar eine Satzungsänderung. Nachdem sie überstimmt wurde war sie weg.
Ich tippe auf Klimakterium. Da kommt sowas vor. Legt sich aber meistens wieder.
Tja, dann wünsche ich allen einen guten Rutsch.
LG Renate

 
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RE: MenschIn Meier! - Muss das sein?

#3 von Markus Rabanus , 31.12.2017 14:53

@Richard, dann sei so lieb und teile ihr folgende Stellungnahme eines befreundeten Weltbürgers mit:

"(1.) Als bekennender Feminist, solange Gleichberechtigung im Argen ist",

(2.) in Betracht, dass es bis in die jüngste Geschichte auch in unserem Kulturkreis "Selbstverständlichkeit" war, dass Männer Haus, Land und Welt regieren,
wäre mir sogar recht, wenn ab sofort und zum Zeichen für wenigstens die kommenden 15 Jahre nur Frauen Wahlrecht, Macht innehaben und alle unberechtigt maskulinen Begriffe feminisiert werden.

Aber ich bin mit vielen meiner Wünsche den ideologischen Verhältnissen in Gesellschaft und Welt in einem Ausmaße verquer z.B. www.UNO-Pazifismus.de , dass ich es nicht leisten kann, mich an allen Fronten zu profilieren, sondern oft nur befürworte, so auch Bestrebungen für eine geschlechtsgerechtere Sprache.

MfG aus Berlin, Markus S. Rabanus - der "Möchtegern-Morgige"


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RE: MenschIn Meier! - Muss das sein?

#4 von Richard Maxheim , 01.01.2018 01:55

Wünsche ein gutes Neues Jahr.

Wie soll man „geschlechtsgerechte Sprache“ gestalten? Man könnte es ja mal versuchen. Markus, du schreibst an die „Sehr geehrte Frau Müller“. Würdest du an ihren Mann schreiben, hieße das „Sehr geehrter Herr Müller“. Das ist nicht gerecht. Also müsstest du „Sehr geehrter Mann Müller“ schreiben. Das klingt gar nicht höflich. Also schreibst du besser „Sehr geehrte Dame Müller“ (von „Herrin“ würde ich auf jeden Fall abraten). Damit wäre die Gerechtigkeit hergestellt und du kannst sicher sein, dass die Leute über dich noch einige Zeit nachdenken werden.

Bis jetzt kommen mir alle Versuche, eine geschlechtsneutrale oder -gerechte Sprache zu kreieren, wie ein einziger Krampf vor. Das braucht man nicht in die Lächerlichkeit zu ziehen, das IST lächerlich. Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern wird nicht dadurch hergestellt, indem ich Sprache verbiege, in die Länge ziehe, die Geschlechter auseinander reiße und dadurch Kommunikation verkompliziere, also das ganz normale Leben in der Praxis schwieriger mache. Und über so einen Kappes wird an Universitäten geforscht und ein Piep-piep nach dem anderen über den Campus getrieben. Dass sich inzwischen unsere Sprache in einer ganz anderen Richtung dramatisch verändert: Respektlosigkeit, Aggressivität, Gewalt, darüber können diese Neunmalklugen (habe jetzt bewusst nicht KlugscheißerInnen geschrieben) lediglich Ratlosigkeit ausstrahlen.

Ich würde ja auch sagen: Frauen an die Macht, wenn es einen historischen Beleg dafür geben würde, dass in der Geschichte mächtige Frauen gerechter, humaner und friedlicher regiert hätte als Männer. Im übrigen könnten sie das heute in unseren demokratischen Zuständen ja auch tun, wenn sie denn dazu bereits sind in der Politik aktiv zu werden. Die SPD hatte stets Probleme, ihre Frauenquote zu realisieren. Da kam dann oft Esoterik bei heraus und weniger Politik. Bei den Grünen haftet dieses Problem wie die Krätze.

Wenn es um die demokratische Besetzung von Machtpositionen geht, sollten Geschlecht (einschließlich geschlechtliche Orientierung), Herkunft und Hautfarbe sowie gesundheitliche bzw. körperliche Verfassung keinerlei Rolle spielen. Solche Merkmale wären für mich nicht einmal erwähnenswert. Bei Religion wäre ich vorsichtig. Es geht darum, für die schwierigen und verantwortungsvollen Jobs die Besten zu wählen. Die sind überall zu finden. Man muss nur die richtigen Werte berücksichtigen. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen und nicht an ihren Sprüchen.

Richard


 
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RE: MenschIn Meier! - Muss das sein?

#5 von Albero , 01.01.2018 14:31

Prost Neujahr

Das hat man oft. Jemandem brennt eine ganz bestimmte Sache auf der Seele, in die er sich verbissen hat. Wenn das Anliegen nicht gleich Anklang findet, folgt die Enttäuschung. Derjenige ist verschnupft, fühlt sich nicht verstanden bzw. durch Kritik angegriffen, zieht sich zurück. Wir hatten das bereits hier im Forum. Oft sind es nur Worte, um die es geht, meistens nichts weiter als Worthülsen. Ich kannte mal jemand, dem war der Begriff „Umwelt“ ein Gräuel. Jedes mal, wenn das Wort viel, hielt er den selben Vortrag. Dabei hatte er bereits die Zustimmung der Gruppe zu seiner Argumentation. Aber „Umwelt“ ist nun mal ein etablierter Begriff, den man nicht von heute auf morgen wegwischen kann. Man kann ihn intern schon mal ersetzen, aber das braucht seine Zeit. Im Sprachgebrauch gegenüber dem weiblichen Geschlecht gibt es ohne Zweifel viele Stellen, die veränderungswürdig sind. Besonders dann, wenn sie herablassend klingen. Da bin ich voll dabei, und wenn mich jemand gegenteilig ertappt, nehme ich konkrete Kritik dankend entgegen. Man darf den Bogen aber nicht überspannen, sonst wird die Sache unpopulär. Und da sitzen bereits die Geier auf den Bäumen, die das gerne ausschlachten. Je grotesker die Einfälle, desto leichter das Spiel für die Reaktion.

Ein gutes, ein besseres 2018 wünscht
Albero


Glaubt ihr etwa alles, was n i c h t in den Zeitungen steht?

 
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Mensch MüllerIn ;-)

#6 von Markus Rabanus , 01.01.2018 17:37

In Deutschkursen tatsächlich Problem, dass Anreden einerseits "Sehr geehrte Damen und Herren", in Briefen andererseits "Sehr geehrte Frau ..." und "Sehr geehrter Herr" lauten.

1. Es ist immerhin Plausibilitätsbruch.
2. Der diskriminierende Traditionalismus unverkennbar. Auch in Berufsbezeichnungen und daraus abgeleiteten Familiennamen. Patriarchalische Sprache.
3. Und in Betracht heutigen Gleichberechtigungsfortschritts auch ein Anachronismus.

Das sind drei gewichtige Argumente gegen das Motto "War immer so. Darum muss es so bleiben."
Dass sich sich Bestrebungen gegen Gewachsenes, verwundert nicht.
Dass es sich lächerlich macht, machen lässt oder sei, ist dann je nach Standpunkt entweder lächerlich oder bedauernswert. Und Standpunkte bewegen sich.

Eine Gegenthese (aus Prinzip) könnte lauten: Begriffe und Sprache seien bedeutungsloser, beliebiger geworden, somit auch das Thema. - Kann sein, birgt Risiken, nicht mein Schwerpunkt.
Aber Problembewusstsein kann selten schaden. Akademisches Kümmern halte ich für wünschenswert. Und für eine Streichliste fallen mir andere Bereiche ein. Vor allem die vielen vollends kontraproduktiven Institutionen, die unter dem Banner von "Sicherheitspolitik" traditionsverhaftet auf systemischem Kollisionskurs segeln. Bei mir ist die "BAKS" um die Ecke, schwadroniert über die Wiederstationierung von Pershing 2 in Deutschland, im next step dann womöglich östlicher und sorgt sich primär um etwaige "innenpolitische Verwerfungen", die sich ebenfalls wiederholen könnten.
https://www.baks.bund.de/sites/baks010/f...tik_2017_30.pdf

Dass Beweise für bessere Frauenregentschaft ausstünden, mag sein, für Männerregentschaft folglich auch, wäre durchaus Untersuchung wert, wie auch ich mir überlege, für welche Aufgaben eher Männer oder Frauen einzustellen sind - und dennoch Individuelles entscheidender ist als pauschal Geschlechtliches.
Desgleichen Kriminalstatistik, Krankenversicherung usw. - als Gesetzgeber oder Versicherer würde ich mir Statistiken anschauen mitsamt den Grenzen, die sich durch Gleichheits- und Solidarprinzip einziehen. Aber Wissen darf sein. Und nicht bloß aus Vorurteilen.

Dass dir und mir Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft keine Rolle spielt, ist schön, aber wir wissen beide, dass es eine Rolle spielt. Mir gehört zum Demokratieprinzip, dass authentisch vertreten wird, dass Minderheiten angemessen repräsentiert werden, dass sich der Pluralismus auch herrschaftlich abbildet. Und die weltweit augenfälligste Unterpräsentierung betrifft noch immer die Frauen.

Drum verlange ich allerlei Quoten, bis es nicht nur dir und mir keine Rolle mehr spielt - und gewährleistet wäre, dass einzig Qualifikation zählt.
Weite Wege. Da helfen mitunter Subventionen.


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RE: Mensch MüllerIn ;-)

#7 von Albero , 02.01.2018 21:01

1. Gewachsene Sprachen sind allesamt voller Plausibilitätsbrüche, na und?
2. Christine Kaufmann hatte damit kein Problem.
3. Auf tatsächliche Gleichberechtigungsfortschritte kommt es an, weniger auf Worte.
Mein Standpunkt steht fest: Nicht der Rede wert.
Ich würde das auch nicht mit dem Thema Rüstung vermengen (der Artikel ist übrigens – obwohl voller Zynismus, solche Rüstungsheinis müssen zynisch sein – gar nicht so übel), selbst wenn theoretische Parallelen sichtbar sind. Was den „Bürger“ betrifft, kann ich mich noch an jemanden erinnern, dem das missfiel, weil das von „Burg“ kommt. Ist ja etwas Militärisches.
Warum wählen Frauen – wenn sie sich denn unterrepräsentiert fühlen und da wo sie es können und dürfen – lieber schöne Männer (Superschulzi hat wohl schlechte Karten, Kurz ist da besser dran, ein Glück das die AfD den Gauland hat) anstatt Frauen?

Um auf das Eingangposting zurück zu kommen: Die großspurige Berufsauflistung der Dame passt in der Tat nicht zu der schroffen Reaktion. Ich denke, da steckt eher Möchtegernerei dahinter. Mit ihrer Zunft ist es nicht allzu weit her. Man google „Coaching Kritik“! Interessant der Vortrag von Uwe Kanning:


Ich bin heilfroh … autsch, lasse ich heil besser weg … ich bin froh, dass sie Richards Einladung ins Forum abgelehnt hat.


Glaubt ihr etwa alles, was n i c h t in den Zeitungen steht?

 
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Erbsenzählerei jenseits des Overkills

#8 von Markus Rabanus , 03.01.2018 18:33

Lieber Albero, das "Arbeitspapier Sicherheitspolitik, Nr. 30/2017" der Bundesakademie für Sicherheitspolitik enthält gewiss viel Richtiges (und Informatives), aber auf falscher Grundlage. 
Vielleicht heute noch im Thema "UNO-Gewaltmonopol" dargelegt. LG


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