Big History – die Große Geschichte

#1 von Richard Maxheim , 12.08.2018 22:01

Ein interessanter Artikel aus The Conversation, veröffentlicht auch im DWB-Blog.

Zitat
Wie die „Große Geschichte“ die Welt retten kann

Von Ian Crawford
Professor für Planetologie und Astrobiologie, Birkbeck Universität London

Der Begriff „Big History“ wurde Anfang der 90er Jahre von dem Historiker David Christian von der Macquarie University in Sydney/Australien geprägt. Er ist nichts weniger als ehrgeizig und zielt darauf ab, die menschliche Geschichte mit der tieferen Geschichte des Universums zu verbinden.

Die Geschichte beginnt mit dem Ursprung des Universums im Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren. Es geht weiter mit der Bildung von subatomaren Teilchen und dem Ursprung einfacher Atome, hauptsächlich Wasserstoff und Helium. Es folgen der Ursprung von Sternen und Galaxien und die Erzeugung von chemischen Elementen, die in Sternen schwerer sind als Helium. Unser eigenes Sonnensystem entstand vor 4,6 Milliarden Jahren aus dem Material dieser früheren Sternengenerationen.

Innerhalb einiger hundert Millionen Jahre erschien das Leben auf der Erde und nahm nach und nach an Komplexität zu. Nach der Entwicklung der Tiere vor etwa 600 Millionen Jahren können wir die Evolution von uns selbst durch aufeinanderfolgende Stadien von Fischen, Amphibien, Reptilien, Säugetieren und Primaten verfolgen.

Verschiedene Arten von Homininen erschienen vor einigen Millionen Jahren. Mit dem Erscheinen des Homo sapiens vor etwa 300.000 Jahren kann die Geschichte der Menschheit endlich die Oberhand gewinnen. Ein exzellenter Online-Überblick über die ganze Geschichte wurde vom „Big History Project“ zusammengestellt.

Natur- und Geisteswissenschaften zusammenbringen

Dies ist die große Perspektive der Menschheitsgeschichte, welche „Big History“ besser bekannt machen möchte. So wie hier skizziert, scheint es natürlich sehr anthropozentrisch. Wenn Bakterien, Bäume oder Delfine ihre eigenen Versionen von „Big History“ formulieren würden, wären die letzten Phasen etwas anders.

Andererseits, und das ist wichtig, wären die früheren Stadien genau die gleichen. Alles Leben auf der Erde hat für den größten Teil der Existenz des Universums eine gemeinsame Geschichte.

Wie Christian kürzlich gesagt hat, kann die „Große Geschichte“ als eine moderne „Ursprungsgeschichte" angesehen werden, aber mit dem großen Vorteil, so sachlich wahr zu sein, wie es die moderne Wissenschaft machen kann. Wenn die Wissenschaft mehr über das Universum und unseren Platz in ihm erfährt, kann die Erzählung ständig korrigiert und aktualisiert werden.

Es ist allgemein anerkannt, dass „Big History“ intellektuelle Nutzen bringen kann, indem sie Akademiker verschiedener Disziplinen zur Zusammenarbeit zwingt. Zum Beispiel veranlasste zwingt sie Astronomen, mit Geologen und Biologen zu sprechen. In dieser Hinsicht hat sie einige Synergien mit der Astrobiologie, der Wissenschaft, die sich der Suche nach Leben im Universum widmet.

Indem sie Naturwissenschaftler dazu bringt, sich mit den Geisteswissenschaften zu beschäftigen, kann sie auch dazu beitragen, die von C. P. Snow in seiner berühmten Rede Lecture im Jahre 1959 identifizierte Kluft zwischen „zwei Kulturen“ zu überbrücken.

Kulturen näher zusammen bringen

Aber würde eine breitere Wertschätzung der „Großen Geschichte“ der Gesellschaft praktische Vorteile bringen? Dies war das Thema eines Treffens im vergangenen Monat an der Australian National University, unter der Schirmherrschaft des Humanities Research Center. Aus der Diskussion gingen mindestens zwei mögliche gesellschaftliche Vorteile der „Big History“ hervor.

Erstens verstärkt die evolutionäre Perspektive der „Big Hostory“ die Tatsache, dass alles Leben auf der Erde verwandt ist und einen gemeinsamen Ursprung teilt. Außerdem, soweit wir heute wissen, ist die Erde der einzige Ort im Universum, an dem Leben und Intelligenz entstanden sind. Einmal erfasst, bedeutet diese Erkenntnis, dass die Menschheit eine starke Verantwortung für unseren Planeten und unsere Mitreisenden auf „Raumschiff Erde“ hat. Nach allem, was wir wissen, kann das Schicksal des Lebens im ganzen Universum von uns allein abhängen.

Zweitens kann die „Große Geschichte“ eine Grundlage für die Annäherung verschiedener menschlicher Kulturen bilden. In einer Zeit, in der populistischer Nationalismus und religiöse Ideologien die Menschheit teilen, ist es wichtig, einigende Perspektiven zu finden, die diesen zentrifugalen Tendenzen entgegenwirken können. Wie Ursula Goodenough es in ihrem Buch „The Sacred Depths of Nature“ ausdrückt:

„Jede globale Tradition muss mit einer gemeinsamen Weltanschauung beginnen: einem kulturunabhängigen, global akzeptierten Konsens darüber, wie die Dinge sind. ... unsere wissenschaftliche Darstellung der Natur, ein Bericht, der das Epos der Evolution genannt werden kann. ... das ist die Geschichte, die eine Geschichte, die das Potential hat, uns zu vereinen, weil es wahr ist.“

Die Realisierung dieser sozialen Vorteile erfordert, dass „Big History“ viel bekannter wird. Dies bedarf der weltweiten Einführung in die Lehrpläne der Schulen.

Wie mehrere Redner auf dem ANU-Treffen angemerkt haben, gibt es derzeit eine Überbetonung des Unterrichts von Nationalgeschichten in den Schulen. Nationale Geschichte neigen dazu, den Nationalismus zu stärken, wie es zweifellos beabsichtigt ist, während das Lehren universeller oder „Großer Geschichte“ mehr kosmopolitische Weltanschauungen stärken würde.

In der Tat hat der große Historiker Fred Spier beobachtet: „Das Studium der Menschheitsgeschichte als Ganzes wird bis heute nur selten praktiziert. ... es würde globale Identitäten erzeugen.

Es ist vielleicht nicht zu viel zu hoffen, dass diese erweiterte Perspektive schließlich dazu beitragen könnte, den Grundstein für die spätere politische Einigung unserer Welt zu legen. Jo Leinen und Andreas Bummel haben jüngst in einer einflussreichen Analyse den Schluss gezogen, dass eine solche politische Vereinigung, vielleicht in Form einer föderalen Weltregierung , notwendig sein könnte, wenn die drängenden globalen Probleme des 21. Jahrhunderts angegangen werden sollen.

Was für ein Vermächtnis wäre das für eine akademische Disziplin wie „Big History“?


Übersetzung mit Hilfe von www.deepl.com.


 
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RE: Big History – die Große Geschichte

#2 von Albero , 13.08.2018 16:46

Das kriegt die Genesis aber Konkurrenz: Big History als Transformation der Religionen, auf Wissen gegründet, nicht mehr nur auf Glauben. Dazu könnte man das Buch „Unser Kosmos“ von Carl Sagan als Big Bible nehmen.
Es ist aber auch tatsächlich so: Wird einem die schier unglaubliche Dimension des Universums bewusst – was nicht so einfach ist –, dann haben die Religionen dagegen nur noch Chancen, weil sie so einfach sind. Glauben ist eigentlich pure Faulheit. Und was die Menschen dafür nicht alles über sich ergehen lassen. Bildung und Fleiß sind gefragt.
Jetzt brauchen wir zu der Big History nur noch eine Big Future. Der Hinweis auf eine föderale Weltregierung ist schon mal ein Ansatz.


Glaubt ihr etwa alles, was n i c h t in den Zeitungen steht?

 
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