Absage an den bloß spirituellen Pazifismus

#16 von Markus Rabanus , 24.07.2018 17:58

Es kommen zu viele durch das Schwert um, ohne jemals zum Schwerte gegriffen zu haben.

Die Ordnung muss ein Schwert sein, welches die Streitaustragung mit Schwertern verbietet, unterbindet.


./. An eine Friedensfreundin:

Manch' Gläubigen Mut ist daraus, dass die Erfüllung des Wunsches nach Ewigem Leben von der Willensfestigkeit abhänge, so dass ihnen deshalb mitunter leichter fällt, sich für die Gute Sache zu opfern - oder andere in die Luft zu jagen - der Sündenvergebung gewiss, während sich atheistischen Extremisten für solche Handlungsweisen kaum seltener schon die bloße Anerkennung von Gleichdenkenden genügen.

Der spirituelle Pazifismus, wie ich ihn bei Quäkern, Zeugen Jehovas, Mormonen, Katholen und Protestanten bis in die eigene Familie hinein erlebte, war zuvörderst auf die eigene Himmelfahrt bedacht. Desgleichen bei Muslimen. Und bei Hindus variiert und ohne Versprechen der Sündenvergebung.
Und bei allen: Je "inniger", desto abstruser die Vorschriften, was an Freuden dürfe.

Gleichwohl ist dem spirituellen Pazifismus im Unterschied zu Passiven der Friedensbeitrag anzuerkennen, in Betracht einer mehrheitlichen religiös bekennenden Menschheit wahrscheinlich sogar unabdingbar, denn gegen Feindseligkeit und für Wohlverhalten zu predigen, steht der Propaganda des Militarismus und Bellizismus entgegen.

Aber Wohlverhalten und Kriegsgegnerschaft ist dem Grunde nach kein Pazifismus, denn es hindert die Kriege nicht, zu denen es kommt, so oft und so lange wer glaubt, mittels Gewalt etwas gewinnen und behalten zu dürfen, was andere sich erarbeiteten oder aus sonstigen Umständen haben, was sich denen im Wege des Zuredens nicht wegnehmen lässt.

Wer sich die Welt der Staaten und Völker anders vorstellt als die Welt einer Stadt, eines Staates - und glaubt, es sei auf "110" und Gerichte, also auf das übergeordnete Gewaltmonopol zu verzichten, belässt die Menschen der Selbstjustiz, also der Willkür der Stärkeren und Skrupellosen, die sich leicht nahezu jedes Recht einbilden.

Ziel des aufgeklärten Pazifismus kann nicht die Himmelfahrt sein, denn dafür kommen zu viele durch das Schwert um, ohne jemals danach gegriffen zu haben.
Ziel des aufgeklärten Pazifismus kann auch nicht das Heldentum sein, sondern eine Ordnung, die den Ängstlichen und Schwachen Schutz vor Willkür der Stärkeren gewährleistet. Auf eine Weise - eben durch Ordnung, dass die Schwachen nicht gegen ihresgleichen zu Mördern werden.

Der Anarchie aus widerstreitenden Selbstgewissheiten und gewaltförmigen Fähigkeiten, ob abgerüstet auf Faustkeile oder hochgerüstet auf Massenvernichtungswaffen, kann nur mit einer Ordnung begegnet werden, die sich auf Gewaltmonopol verständigt und sich ihm unkündbar verpflichtet.

Jegliches Gewaltmonopol kann nur so verlässlich sein, wie es einerseits demokratisch/weltdemokratisch und rechtsstaatlich/weltrechtsstaatlich ist, wie es andererseits darauf angewiesen ist, sich durchsetzen zu können, es also möglichst mit unbewaffneter Gesellschaft/Völkerschar zu tun hat, denen auch deshalb erforderlicher ist, sich Streitigkeiten diplomatisch, demokratisch oder von Gerichten entscheiden zu lassen - anstelle von Selbstjustiz. Und sei es aus Einsicht, dass schlechte Urteile noch immer bessere Wahl sind als die Schlachtbank des Krieges.

Humanisten, für solchen ich mich halte, fällt jegliche Befürwortung von Gewalt schwer. So hätte ich womöglich nicht verantworten mögen, am D-Day so viele Menschen an den mörderischen Strand zu jagen, wie es einem Churchill vielleicht gleichermaßen Routine war wie einem Hitler.

Aber die vielen Gebete Religiöser nutzten nichts, auch die vielen guten Argumente gegen Rassismus und Nationalismus bezwangen nicht den NS, sondern die Schlachtfelder mit ungeheuer vielen Toten, was auch erforderlich war.

Das "Erforderliche" war ALLERDINGS in Gänze vermeidbar, wenn man endlich aus dem 1.Weltkrieg die richtigen Schlüsse gezogen hätte, dem Völkerbund das Gewaltmonopol verschafft hätte und Oberkommando über alle Streitkräfte, die hätten multinational aufgestellt werden müssen.

Stattdessen versprach man den Völkern eine FALSCHE Ordnung und "Abrüstung", obgleich die Beibehaltung nationaler Streitkräfte notorisch zum Wettrüsten und dazu verführt, erneut zur Fortsetzung von Politik Krieg zu führen.

Die Friedensbewegung tut gut daran, gegen die Aufrüstung zu streiten und Abrüstung zu fordern, aber wenn sie nicht für das mit Streitkräften untermauerte Gewaltmonopol der Vereinten Nationen eintritt, ereifert sie sich von Krieg zu Krieg in bloßer Rhetorik gegen den Krieg und nicht zu seiner Überwindung - und allein das ist wahrer Pazifismus.


The World Is Always Under Construction.

 
Markus Rabanus
Beiträge: 325
Registriert am: 28.02.2017

zuletzt bearbeitet 24.07.2018 | Top

   

Pazifistisches-Manifest.de
Die Jordan Union – eine Nahost-Friedensvision

Xobor Einfach ein eigenes Xobor Forum erstellen