Können Religionen einen Beitrag zum Weltfrieden leisten ?

#1 von Renate Beck , 03.06.2016 15:52

Die Religionen, oder besser gesagt ihre menschlichen Vertreter, haben in der Menschheitsgeschichte bis in die heutige Zeit meistens keine rühmliche Rolle gespielt. Ich brauche hier wohl nicht näher darauf einzugehen. Was haltet ihr von interreligiösen Friedensinitiativen ?
Beispiel: http://www.religionsforpeace.de/

LG Renate

 
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RE: Können Religionen einen Beitrag zum Weltfrieden leisten ?

#2 von Richard Maxheim , 03.06.2016 21:48

Hallo Renate,

gleich vorweg: ich bin Atheist. Für mich ist Religion eine von Menschen erdachte Bindung an eine von Menschen erdachte transzendentale Macht. Die kann dem Menschen gut tun, aber auch das Gegenteil bewirken, je nachdem, was dieser Macht zugeschrieben wird und wie ihre Anhänger das verstehen und umsetzen. Da die Religionen von Menschen gemacht wurden, können sie auch von Menschen verändert werden. Deshalb sehe ich keinen Grund, warum nicht auch Religionen zum Weltfrieden beitragen sollen, zumal sie dazu in der Lage sind, die dafür notwendige moralische Autorität auszustrahlen. Dabei kann die verheerende Religionsgeschichte, bis in unsere Tage, durchaus eine hilfreiche Lehre sein.

Aber der Teufel steckt wie immer im Detail. Es ist eben nicht so leicht verkrustete religiöse Anschauungen und Strukturen aufzubrechen. Man kann nicht einfach aus heiligen Schriften die peinlichen Seiten herausreißen und vergessen. Man muss das schon irgendwie auf intelligente Weise umdeuten. Das ist ein Job für fortschrittliche Theologen und ebensolche religiöse Autoritäten. Deshalb habe ich selbst als Atheist größte Achtung vor den Religionsanhängern, die trotz innerer Widerstände für den Austausch mit Andersgläubigen und den Weltfrieden eintreten. Die von dir verlinkte Organisation ist dafür ein leuchtendes Beispiel. Es wäre auch schöne, wenn sich solche Gremien für die politische Einigung der Menschheit stark machen würden. Das Zeug dazu hätten sie.

Gruß
Richard


 
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RE: Können Religionen einen Beitrag zum Weltfrieden leisten ?

#3 von Albero , 06.06.2016 18:12

Ich bin da skeptisch. Religionen sind nun mal irrationale Überzeugungssysteme, auch wenn die meisten Gläubigen heute rationaler leben als es ihre Religionen vorgeben. Gott sei dank hätte ich fast gesagt, sonst hätten wir hier nämlich noch finsterstes Mittelalter. Religionen mögen ihre praktischen Seiten haben, z.B. bei der Disziplinierung des Steinzeitmenschen in uns, ohne die eine nennenswerte kulturelle Entwicklung unmöglich gewesen wäre. Auf der anderen Seite sind sie mitunter unmenschliche Machtinstrumente der Unterdrückung, ohne die die Menschheit um einiges weiter entwickelt wäre.

Es kommt nämlich nicht nur alleine auf den Frieden an, sondern um seine Verwirklichung in einem Wertesystem, zu dem ebenso Freiheit, Demokratie, Mündigkeit etc. (siehe Friede im humanistischen Wertesystem) gehören. Da weisen Religionen leider immer noch Defizite auf, die eine mehr, die andere weniger. Ein guter Text zu der Thematik:
http://www.humanistische-aktion.de/muendig.htm

Die Religionen müssten dem von ihren Anhängern abverlangten Glauben etwas substantielles entgegen setzen, nämlich Glaubwürdigkeit. Das scheint mir aber bei irrationalen Überzeugungssystemen so gut wie unmöglich zu sein. Auch wenn gläubige Menschen rational und glaubwürdig handeln, ist ihr religiöser Hintergrund nichts weiter als Schall und Rauch. Und was die Unterstützung weltpolitischer Einigungsprozesse angeht, fehlt es bei den Religionen am dafür notwendigen Weitblick. Davon sind selbst die Bahai nicht ausgenommen, obwohl sie die Einheit der Menschheit in ihren Glaubensprinzipien postulieren.


Glaubt ihr etwa alles, was n i c h t in den Zeitungen steht?

 
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RE: Können Religionen einen Beitrag zum Weltfrieden leisten ?

#4 von Renate Beck , 06.06.2016 20:34

Immerhin kann es nicht schaden, wenn sich Religionen für den Frieden einsetzen.
Gerade jetzt, wo in Deutschland die Ablehnung gegen Muslime zunimmt, wäre das wichtig.
Deshalb wundert es mich, dass auf der deutschen Homepage von Religions for Peace für dieses Jahr noch keinerlei Aktiviäten ersichtlich sind.

LG Renate

 
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RE: Können Religionen einen Beitrag zum Weltfrieden leisten ?

#5 von Richard Maxheim , 08.06.2016 18:04

Zitat von Renate Beck im Beitrag #4
Immerhin kann es nicht schaden, wenn sich Religionen für den Frieden einsetzen.
Gerade jetzt, wo in Deutschland die Ablehnung gegen Muslime zunimmt, wäre das wichtig. LG Renate

Finde ich auch. Und weil die Ablehnung gegenüber Christen in muslimischen Ländern permanent vorhanden ist, würde ich als Christ hinzufügen. Aber ich bin ja keiner. Ich habe deshalb heute Einladungen fürs Forum an die auf der Homepage von „Religions for Peace“ angegebenen Mailadressen – 15 an der Zahl, 3 davon gingen nicht – geschickt. Vielleicht möchte jemand von dort etwas zu den Weltbürger-Themen beitragen.

Richard


 
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RE: Können Religionen einen Beitrag zum Weltfrieden leisten ?

#6 von Albero , 17.07.2016 14:35

Ich bin generell skeptisch gegenüber allen irrationalen Überzeugungssystemen, und dazu gehören auch die Religionen, egal wie friedlich und fortschrittlich sie sich geben. Wenn man genauer hinschaut, kommen hinter all den frommen Sprüchen die Pferdefüße zum Vorschein, die eine friedliche Entwicklung der Menschheitsgeschichte behindern, wenn nicht sogar unmöglich machen. Eine besonders negative Rolle spielt diesbezüglich zurzeit – so leid es mit tut – der Islam.

Eigentlich ist das kein Thema für dieses Forum, da wir hier ja weiter reichende Zukunftsperspektiven erörtern möchten und uns nicht in Diskussionen um die Tagespolitik verstricken wollen. Aber der Islam, insbesondere in seinen politischen Auswüchsen als Islamismus, stellt derzeit eine dermaßen krasse Barriere dar, die man nicht mehr schönreden oder sogar ignorieren kann. Deshalb hier mein Hinweis auf ein kritisches Interview, das es in sich hat:
http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-...undamentalismus

Nun dürfen wir als humanistische Weltbürger niemals vergessen, dass kein Menschen etwas dafür kann, in welche Situation er geboren wurde. Mir graut es da aber vor den „alternativen“ deutschen Klugscheißereien, vor den Stammtischrezepten provinzieller Kleingeister. In der gegenwärtigen Lage gibt es keine Patentrezepte. Diese schwierige Zeit lässt sich nur mit kühlem Kopf, rationaler Logik und der konsequenten und nicht zu laschen Anwendung rechtsstaatlicher Prinzipien überstehen, ohne dass dabei humanitäre Aspekte auf der Strecke bleiben.

Ja und noch was: Wenn schon „Religionen für den Frieden“, dann bitte mal die Herren mit Sarik und Cübbe noch vorne!

Meint Albero


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RE: Können Religionen einen Beitrag zum Weltfrieden leisten ?

#7 von Richard Maxheim , 18.07.2016 21:09

“Gottes Geschenk“

Eine gute Gelegenheit für die Herren wäre das nächste Freitagsgebet, um klar zu stellen, dass völlig sinnloses Blutvergießen niemals ein Geschenk Gottes sein kann. In dem Sinne ist dann auch die Äußerung Erdogans eine Beleidigung des Islams, denn Allah ist der Erbarmer, der Barmherzige, und nicht der Geschenkonkel erbärmlicher Despoten.

Das wäre z.B. Religion für den Frieden.

Richard


 
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Religionen und Weltfrieden?

#8 von Markus Rabanus , 08.03.2017 01:20

In Anbetracht von Milliarden Religiösen und religiös verbrämter Konflikte/Kriege/Bürgerkriege ist es eine wichtige Frage, ob Religionen einen Beitrag zum Weltfrieden leisten können.
.
Ich würde sie pragmatisch einfach mal mit "Könnten & Müssen" beantworten, es sei denn, dass sie allzu leichtgläubig alle Hoffnungen auf ein genüsslicheres Leben nach dem Tod setzen. 
Jedenfalls dürfte es vielen Christen peinlich sein, dass der erste Atomwaffentest (16.Juli 1945) unter dem Label "Trinity" stattfand. Und vielen Muslimen missfällt zurecht, dass alles in Deckung springt, wenn jemand unverhofft "Allah ist größer!" brüllt. 

Prinzipiell muss allen daran gelegen sein, dass die Religionen einen Beitrag zum Frieden/Weltfrieden leisten, wie es auch von allen Nationen verlangt werden muss. 

Immerhin gibt es viele Bemühte und Erfolgreiche, denn nicht aller Frieden, so unvollkommen er ist, beruht auf kosmopolitischen Einsichten, zumal sie erst weltorganisiert umgesetzt sein müssten. 
So kann sich auch kein aufgeklärtester Teil der Menschheit leisten, auf Friedensbeiträge von irgendwem zu verzichten, denn die Gefahr, dass uns die Welt um die Ohren fliegt, ist allemal groß genug, dass wir auch in den kleineren Friedensfragen niemanden verprellen dürfen.

Das Verprellen geschieht zu oft unnötig, denn das friedliche Selbstverständnis vieler Religiöser ist ein gemeinsamer Nenner. Und darauf basiert etwas mehr diskutiert oder bloß konkreter nachgefragt, wäre m.E. viel öfter kosmopolitischer Konsens, dass der militärische Frieden weder mit netten Sprüchen noch mit Wettrüsten (""Si vis pacem para bellum") zu sichern ist, sondern einzig dadurch, dass ein Gewaltmonopol für die Zivilisierung von Streitigkeiten und Bestrafung von Rechtsverstößen sorgt, so dass sich auf dem Wege der militärischen Selbstjustiz weniger und nichts mehr gewinnen lässt. 

Häufig kann ich recht gut mit Religiösen, wenn es sie nicht zu sehr schockiert, dass sich mir Religiöses eher als Bremse ethischen Fortschritts erweist, weil zu sehr archaischen Traditionen verhaftet.

Aber Positives muss anerkannt sein: 
Im Jahr 2003 schien mir Papst Wojtyła zu würdigen, weil er sich so vehement gegen den Irakkrieg des George W. Bush engagierte, wenngleich erfolglos, aber für viele Christen aufrüttelnd. 
Im Jahr 2004 schien mir der irakische Großayatollah Ali el Sistani zu würdigen, weil er mittels Friedensmarsch einen Krieg um die Pilgerstadt Nadschaf abzuwenden verstand, wenngleich es für die Befriedung des Iraks nicht reichte. 


The World Is Always Under Construction.

 
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RE: Religionen und Weltfrieden?

#9 von Richard Maxheim , 14.09.2017 19:26

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel meint:
„Wir müssen das Friedenspotenzial der Religionen fördern.“

Neben den „Religionen für Frieden“ oder der World Conference of Religions for Peace (WCRP), wie der Name auch lautet, habe ich noch zwei weitere internationale Organisationen gefunden, die sich für interreligiösen Friedensarbeit einsetzen:

United Religions Initiative (URI), Website: http://www.uri.org/ Deutschland: http://www.uri-deutschland.de/

Parliament oft the World's Religions, Website: https://parliamentofreligions.org/

Ich will mal schauen, ob und welches Weltbürgerpotenzial da noch zu finden ist und ggf. spezielle Themen eröffnen.

Richard


 
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RE: Religionen und Weltfrieden?

#10 von Richard Maxheim , 17.09.2017 14:47

Die vorgenannten Institutionen sind selbstverständlich alle für den Weltfrieden und praktizieren dafür den friedlichen, interreligiösen Dialog. Da ist viel Folklore und Weltgeselliges dabei und Esoterik spielt ebenfalls mit hinein, wenn auch untergeordnet. Das „Parlament der Religionen der Welt“ orientiert sich am „Weltethos“ des Theologen Hans Küng. Deutliche weltbürgerliche Intensionen habe ich keine gefunden. Insgesamt sind die Zukunftsvisionen sehr vage, so als läge alles in Gottes Hand. Ich habe aber ein paar Versuchsballons gestartet, mit der Aufforderung, die UNPA zu unterstützen. Mal abwarten, ob sich da was bewegt.

Richard


 
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RE: Religionen und Weltfrieden?

#11 von Albero , 18.09.2017 16:40

Die URI setzt sich für eine atomwaffenfreie Welt ein:

https://www.youtube.com/watch?time_continue=14&v=XTYkQzZRZkw

Es sind nicht gerade unbekannte Leute, die sich da zu Wort gemeldet haben.


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RE: Religionen und Weltfrieden?

#12 von Richard Maxheim , 09.12.2017 14:59

Erklärung des „Parlaments der Religionen der Welt“ zum Jerusalem-Konflikt:

Zitat
Im Parlament der Weltreligionen sind wir beunruhigt über die Entscheidung des Präsidenten der Vereinigten Staaten, die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen. Wir sind beunruhigt über die eskalierenden Spannungen im palästinensisch-israelischen Konflikt, die diese Entscheidung verursacht. Wir fordern alle Parteien auf, Strategien zu entwickeln, die weitere Provokationen vermeiden, die den Wert jedes menschlichen Lebens hochschätzen und eine Zukunft der Gewaltlosigkeit, der Versöhnung und der Gerechtigkeit als wirksamsten Weg zum Frieden vorsehen.

Wir ehren die engagierten und mutigen Gerechtigkeits- und Friedensstifter vor Ort, aus allen Glaubensrichtungen und Gemeinschaften, deren unglaubliche Arbeit uns gezeigt hat, dass dieser Konflikt uns nicht ewig auseinander reißen muss. Ihnen sagen wir: Wir sind dankbar für Ihre Solidarität mit denjenigen, die sprachlos und machtlos sind. Trotz aller Widrigkeiten geben Sie uns Hoffnung. Mit Ihrem Handeln glauben wir, dass es immer noch Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden geben kann - eine Möglichkeit, die im Zeugnis und in den Geboten unserer religiösen Traditionen verwurzelt ist. Ihr, die ihr euch für Gerechtigkeit und Frieden einsetzt, seid auch weiterhin eine Inspiration für uns und für all jene, deren Leben ihr berührt.


Quelle: Parliament of the World's Religions

Beunruhigung und Hoffnung, aber keine Ideen.
Vielleicht schicke ich ihnen ganz einfach mal das hier und behaupte, es wäre eine göttliche Offenbarung, empfangen am 30. Februar 2017 in der Kristallhöhle von Niederfischbach.

Richard


 
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RE: Religionen und Weltfrieden?

#13 von Albero , 09.12.2017 18:29

Du must ja nicht gleich so dick auftragen.
Man könnte die Jordanunionsvision in eine Petition verpacken. Zum Trotz der gegenwärtigen Ereignisse. Gerade jetzt und jetzt erst recht. Was soll man sonst machen?
Es wäre auf jeden Fall mehr als Besorgnis und Protest.


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RE: Religionen und Weltfrieden?

#14 von Richard Maxheim , 10.12.2017 14:43

Das ist eine unserer leichtesten Übrungen. Info zur Petition jetzt hier:
Die Jordan Union – eine Nahost-Friedensvision

Dem Religionsparlament habe ich etwas in den Kommentar geschrieben:
https://parliamentofreligions.org/blog/2...em#comment-2896

Richard


 
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RE: Religionen und Weltfrieden?

#15 von Albero , 11.12.2017 13:34

Du bist mal wieder nicht zu bremsen, was ich auch nicht beabsichtige.


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