Atomwaffenfreie Welt – und was dann?

#1 von Richard Maxheim , 06.08.2016 22:49

Jedes Jahr wird weltweit den Opfern der Atombombenabwürfe von Hiroshima (6. August 1945) und Nagasaki (9. August 1945) gedacht. Sie sollten auch nie in Vergessenheit geraten, denn die Ausmaße der dadurch verursachten Verwüstungen und sprengten alle bis dahin vorhandenen Vorstellungen. Trotzdem, als wenn nichts gewesen wäre, haben die Großmächte – und inzwischen auch etliche Kleinmächte – so viele Kernwaffen angehäuft, dass man die ganze Menschheit damit mehrfach ausrotten könnte. Von den sonstigen Massenvernichtungsmitteln will ich erst gar nicht reden.

Klar, jeder vernünftige Mensch wünscht sich da eine Atomwaffenfreie Welt. Und es gibt massive Bestrebungen dafür, die ihre Berechtigung nicht zuletzt aus der Erkenntnis gewinnen, dass die Welt seit 1945 schon mehrmals vor einem atomaren Schlagabtausch zwischen Ost und West gestanden hatte. Ist diese Gefahr heute gebannt? Denkste. Also ist es vollkommen richtig, dass man sich gegen jegliche atomare Bewaffnung sträubt, denn die dadurch vorhandenen Risiken sind einfach zu gigantisch. Zynisch könnte man es so sehen: Die gegenwärtigen blutigen Gemetzel mit konventionellen Waffen sind geradezu harmlos dagegen.

Hiroshimas Bürgermeister Matsui forderte auch dieses Jahr wieder die Welt auf, sich zu vereinen, um alle Nuklearwaffen abzuschaffen. Er findet dafür rund um den Globus Amtskollegen, die ihn dabei unterstützen: Die Mayors for Peace. Es erweckt Hoffnung wenn man erfährt, wie viel Zustimmung diesem Wunsch nach einer atomwaffenfreien Welt zuteil wird. Vielfältige Friedensaktionen zeugen davon, wie z.B. die Aktion dieser Radfahrer. Aber wie realistisch ist dieser Wunsch nach einer atomwaffenfreien Welt überhaupt?

Ja, man kann Teilerfolge erzielen, in dem z.B. Atomwaffen von bestimmten Standorten abgezogen werden und atomwaffenfreien Zonen entstehen. Aber eine atomwaffenfreie Welt ist nicht nur eine Utopie, sie ist faktisch unmöglich. Selbst wenn alle vorhandenen Atombomben verschrottet werden, bleibt das Wissen über die Herstellung solcher Massenvernichtungswaffen in der Menschheit weiter bestehen und kann jeder Zeit wieder zur Aufrüstung genutzt werden. Um das Ziel einer globalen atomaren Abrüstung überhaupt erreichen zu können und diesen Stand dann zu erhalten, bedarf es der Vereinigung der Welt (Bürgermeister Matsui). Ich will hier deshalb auf meinen Artikel „Globale Nachhaltigkeit durch Weltregierung“ hinweisen.

Das ist nämlich wie bei allem so: Wenn man die erreichten Ziele nicht absichert, können die Ergebnisse aller Bemühungen plötzlich und über Nacht zunichte gemacht werden. Wer ernstlich für eine atomwaffenfreie Welt eintreten möchte, muss sich auch gegenüber der positiven Utopie einer politisch geeinten Menschheit, sprich Weltföderation öffnen. Es gibt bereits konkrete Zwischenziele in dieser Richtung. Wer von all diesen vielen Friedensbewegten, die sich für eine atomwaffenfreie Welt stark machen, wer von den „Bürgermeistern für den Frieden“ ist bereit, die Forderung nach einem demokratisch gewählten Weltparlament zu unterstützen?

Richard

Nachtrag:
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RE: Atomwaffenfreie Welt – und was dann?

#2 von Renate Beck , 07.08.2016 15:08

Ist nicht auch die Gefahr eines atomaren Terroranschlags gegeben ?
LG Renate

 
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RE: Atomwaffenfreie Welt – und was dann?

#3 von Richard Maxheim , 07.08.2016 21:11

Das Thema kennen wir schon zur Genüge aus Hollywood. Da waren es aber immer irgendwelche Superhelden, welche die Katastrophe in letzter Sekunden verhindern konnten. Aber die Gefahr ist real. Terrorismusexperten halten sie nicht für unmöglich. Man kann davon ausgehen, dass z.B. der IS, wenn der eine Atombombe in die Finger kriegt, sie auch benutzen wird. Dann wird es eines Tages ein böses Erwachen geben. Es gibt genug Wahnsinnige auf der Welt und Verbrecher, die ihnen verkaufen was sie brauchen. Es existieren einfach schon zu viele Massenvernichtungswaffen, über die keine verlässliche Kontrolle mehr vorhanden ist. So etwas wäre allerdings auch in einer Weltföderation nicht absolut auszuschließen. Durchgeknallte Separatisten wird es möglicherweise dann auch noch geben. Allerdings wäre es dann für sie ungleich schwieriger, an Waffen überhaupt oder sogar an Massenvernichtungsmittel zu kommen.

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Zum Risiko terroristischer Atomanschläge

#4 von Markus Rabanus , 04.03.2017 14:26

Ein atomarer Terroranschlag, sofern als solcher erkennbar, ließe noch hoffen, dass sich eine politisch-atommilitärische Kettenreaktion ("Zweitschlag" usw.) vermeiden ließe, während sich bei einem "versehentlichen Atomschlag" (Fehlalarm usw.) schon aus Gründen kurzer Vorwarnzeiten, verletzlicher Kommunikation ("Rotes Telefon") usw. die Menschheit tatsächlich in den Abgrund stürzen könnte, an dem sie schon oft gestanden hat, was man uns erst Jahrzehnte später bruchstückhaft wissen ließ.

Desweiteren könnte ein Terroranschlag auf Atomkraftwerke größeres Unheil bringen als ein Terroranschlag mittels "schmutziger Bombe".

Das Risiko eines Terroranschlags auf Atomkraftwerke bliebe auch über ein Atomwaffenverbot hinaus, solange diese Technologie als unbeherrscht gelten muss, wie im Umgang mit Tschernobyl und Fukushima zu beobachten ist.
Auch das Risiko eines Terroranschlags mittels "schmutziger Bombe" bliebe über ein Atomwaffenverbot hinaus, denn auch mit dem Atommüll lassen sich terroristische Verbrechen begehen.

Desweiteren könnte sich die Unterscheidbarkeit eines "versehentlichen Atomkriegs" und einem Terroranschlag erschweren, je mehr die Abläufe computerautomatisiert werden, um die "Schwachstelle Mensch" auszuschalten, denn auch Computer können "irren" oder gehackt werden und die politisch-atommilitärische Kettenreaktion auslösen.

Dieses Risiko eines "versehentlichen Atomkrieges" wie auch jedes Risiko eines "absichtlichen Atomkrieges" lässt sich nur auf die Weise eines vollständigen Atomwaffenverbots ausschließen, wie es mit dem Modellvertrag von IALANA und INESAP ausgearbeitet ist >> http://www.atomwaffena-z.info/fileadmin/...oad/pdf/nwc.pdf

Das Risiko eines atomaren Schlagabtauschs ließe sich allerdings auch schon dadurch beträchtlich mindern, dass alle Atomwaffen aller angeblich "friedlichen Staaten" einem gemeinsamen UNO-Oberkommando unterstellt würden. - Und vielleicht wäre das sogar der erste Schritt, um ein vollständiges Atomwaffenverbot auf den Weg zu bringen, wie es in Artikel 6 Atomwaffensperrvertrag versprochen wurde.


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RE: Zum Risiko terroristischer Atomanschläge

#5 von Richard Maxheim , 05.03.2017 13:46

Ich sehe das genau so, dass die UNO die zentrale Rolle bei der atomaren Abrüstung inne hat. Wer sonst? Beschlüsse liegen ja schon genug vor. Es wäre Aufgabe des Sicherheitsrates ein solches Oberkommando zu schaffen und zu kontrollieren. Die Generalversammlung sollte den Sicherheitsrat dazu auffordern. Vielleicht wurde das auch schon gemacht. Ich habe da keinen Überblick. Dann könnte der von IALANA und INESAP ausgearbeitete Modellvertrag auf den Tisch kommen. So müsste es gehen, wenn nur der politische Wille dafür vorhanden wäre. Die Globalisierung der Demokratie müsste da nachhelfen.

Mit der so genannten friedlichen Nutzung der Atomenergie ist das ähnlich. Sie muss unbedingt aus der Biosphäre verbannt werden. Das bei allen Technologien unvermeidbare Restrisiko ist hier so bedrohlich und im Ernstfalls dermaßen verheerend, das diese Art der Energiegewinnung keinesfalls mehr akzeptabel sein kann. Alternativen gibt es genug. Auch hier fehlt wieder der politische Wille. In einer demokratischen Weltföderation wäre das alles kein Problem.

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Atomwaffenfreie Welt "unmöglich", "unsicherer"?

#6 von Markus Rabanus , 17.03.2017 20:55

Wäre die atomwaffenfreie Welt möglich? Oder gefährlicher als die heutige Welt?

Mit dieser Frage beschäftigt sich Rico Grimm in einem älteren Beitrag von Krautreporter.de , zu dem ich durch Richards Link fand.

Lieber Rico Grimm, ich halte die Sorge für unbegründet, dass übersehen werden könnte, "welche Probleme ein globales Atomwaffenverbot mit sich bringen könnte", zumal auch der Atomwaffensperrvertrag in seinem Artikel 6 die "allgemeine und vollständige" Atomwaffenabrüstung ausdrücklich von "strenger, wirksamer und internationaler Kontrolle" abhängig sieht.
Es nicht anzunehmen, dass anschließend auf Kontrollmechanismen verzichtet würde.

Dass der kürzlich verstorbene Wirtschafts-Nobelpreisträger und Spieltheoretiker Thomas Schelling (USA) die Forderung nach einer atomwaffenfreien Welt für "nicht zielführend" hielt,
- weil allein schon das Wissen zum Atomwaffenbau jede Krise zu einer Nuklearkrise eskaliere / "Es wäre eine nervöse Welt.", zumal letztlich niemand kontrollieren könne, dass Schelling im Gefrierfach seines Kühlschrankes genügend Plutonium für eine Bombe verstecken könne".
Mich vermag das nicht zu überzeugen, denn er hätte vermutlich mehr Probleme mit solchem Kühlschrank als die Welt daraus einen atomaren Schlagabtausch zu befürchten hätte.

Desweiteren sei Schelling der Auffassung gewesen, "dass die Regierungen in einer atomwaffenfreien Welt immer auf der Hut sein müssten. Sie müssten sich versichern, dass sich kein anderer Staat der Welt heimlich solche Waffen zulegt. Sie müssten sich aber auch sicher sein, dass sich kein anderer Staat der Welt heimlich die Fähigkeit erhält, solche Waffen zu bauen."

Auch das überzeugt mich nicht, wenngleich "auf der Hut zu sein", stets richtig ist (*schnarch*), aber auf der Grundlage eines globalen Atomwaffenverbotes dürften sich die erforderlich Inspektionen immerhin deutlich leichter tun als ohne solch' Abkommen.
Und unsere Kühlschränke dürfte m.E. unbehelligt bleiben, es sei man mache sich sonderlich verdächtig.

Überdies: Wer gegen ein Atomwaffenverbot mit der Dimension erforderlicher Kontrollen argumentiert, hätte es mit dem Aufwand zu vergleichen, der durch das atomare Wettrüsten anfällt. Beides lässt sich schätzen. Und die Atomrüstung dürften deutlich teurer sein, nebst den Bunker-Refugien, von denen sich die Regierungen im "Ernstfall" von uns zu verabschieden gedenken.

Überdies wäre es mit institutionellen Kontrollen nicht getan, sondern es braucht Straffreiheit, weltweites Asyl und Belohnung für Whistleblower, sofern hinreichend wahrscheinlich ist, dass sie zutreffend verpetzen, wer wo auf welche Weise gegen Gesetze und völkerrechtliche Abkommen verstößt.
Diesbezüglich hätte der Geheimhaltungsanspruch von Staaten ebenso Federn zu lassen, wie ich mir als Unternehmer zumuten lassen muss, von Angestellten angezeigt zu werden, wenn ich Recht breche.
Wenn es um die Rechtstreue geht, hat sich kein Staat mit Souveränitätsansprüchen rauszureden. Und eigentlich noch weniger als der einzelne Mensch, denn Anforderungen an die Rechtstreue von Staaten sollten deutlich höher als an Hinz und Kunz.

#Krautreporter.de meint: "Dass eine Welt ohne Atomwaffen sicherer sei, nehmen viele an. Aber erstaunlich wenige können es beweisen."

Lieber #Krautreporter, dass es nur "wenige" seien, hat zwar zumindest in Demokratien politische Relevanz, aber für die wissenschaftliche Beurteilung eines Problems würde immerhin schon der einzige Beweis genügen.

LG


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RE: Atomwaffenfreie Welt "unmöglich", "unsicherer"?

#7 von Richard Maxheim , 17.03.2017 22:05

Ich würden doch gerne diese Überlegungen mit einbeziehen, nicht um sie zu bestätigen, sondern um sie zu widerlegen. Es sind ja gerade die Befürworter der Atomrüstung, die immer und immer wieder die Vorteile des Abschreckungsfriedens wiederkäuen, ohne jegliche Risikoabwägung. Denen muss man etwas entgegen setzen, was ihnen den Wind aus den Segeln nimmt. Die Überlegungen helfen dann ebenfalls dabei, Zusätze für ein Verbotsabkommen zu finden, wie du sie ja auch ansprichst. Es ist eben nicht nur mit dem Verbot getan, sondern es muss auch durchsetzbar sein, was ohne die Beschneidung nationaler Souveränitäten nicht möglich sein wird. Aber wem sage ich das.

Richard


 
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Aus andersortiger Diskussion um die Wunderwaffen

#8 von Markus Rabanus , 10.06.2017 13:07

In meinem Friedensforschungsforum schrieb ein Teilnehmer: "Habt ihr gewusst dass die Einheit in der die Sprengkraft von Atombomben gemessen wird "Hiroshima" heisst und es inzwischen derartige Bomben gibt die das über 3000-fache und sogar das über 6000fache Hiroshima erreichen? Ein Atompilz der bis in die Stratosphere reicht. Und was bedeutet dies für die "moderne" Kriegführung wenn am Ende nie ein Sieg über diejenigen möglich ist die diese Waffen haben?"

Meine Antwort:

@Manuel, so gänzlich ohne Atomwaffen-Wissen brauchst du Friedensforschung.de nicht zu vermuten ;-), aber i.U. zu bloß Risiko-Fühligen kommt es ganz erheblich darauf an, die sich aus dem Propaganda-Gewusel (insbesondere der Atomwaffenmächte und Anwärter) in Betracht zu ziehenden Möglichkeiten von unplausiblen Gerüchten zu unterscheiden.

Deshalb zunächst die Frage, auf welche Quelle oder eigene Überlegung du dich beziehst?

Und fachlich >> Diversen Atomwaffentests attestiert die Geschichtsschreibung die 1000- und 4000-fache Sprengkraft der Hiroshimabombe. Die größte davon am 30.Oktober 1961. Das Datum darf uns Gedenktag sein, leitete aber glücklicherweise ein Umdenken ein.

Angeblich hätte die Detonation sogar noch größer ausfallen können, aber man habe Sorge gehabt, es zu übertreiben, denn schon mehrfach hatte man sich in Ost und West verrechnet - und teils kam unerwartet die doppelte Sprengkraft heraus als aus den Formeln. - Übertreibung war es allemal, denn die Folgen weltweit mit Erdbeben, Fallout usw., wahrscheinlich auch mit Millionen Toten - nicht durch die Sprengkraft, aber durch den Fallout.

Also immerhin "4000-fach" vor 56 Jahren. Mit einem Feuerball von ca. 50 km. Das wäre je nach Breitengrad sogar schon höher als Stratosphäre, nämlich Mesosphäre.
Und in den letzten 56 Jahren hat die Wissenschaft sicherlich nicht geschlafen, sondern könnte es noch viel, viel bunter treiben, als es dein Posting fragt.

Aber ich glaube nicht, dass sie das macht.

Aus folgenden Gründen:

1. Für einen Menschheitsuntergang genügt ein Schlagabtausch mit bisherigen Atomwaffen seit Mitte der Fünfziger mehrfach - und dürfte den Machthabenden als Superrisiko bewusster sein als der Menschheit, der verschwiegen wird, wie oft es beinahe zu einem "versehentlichen Atomkrieg" kommt.

Typisch für diese Sorte Politiker und deren noch immer vorherrschenden "Strategie massiver Vergeltung" ist, dass der eigene Untergang den Untergang der Menschheit rechtfertige.

Das Motiv mag verständlich sein, als Rechtfertigung jedoch nicht, denn niemandes Zwist hat sich gegen Dritte zu richten, aber geändert bekommen wir das erst dann, wenn wir ein weltweites und dauerhaft kontrolliertes www.Atomwaffenverbot.de auf die Reihe bekommen.

2. Die beobachtbaren Bemühen der Atomwaffen-Großmächte lassen seit langem darauf schließen und decken sich mit offiziellen Verlautbarungen, dass die Atomwaffen in ihrer Schlagwirkung präzisiert werden, um sie für Kriege brauchbar zu machen, an deren Ende ein Sieg und keine kollektive Selbstauslöschung steht.

An der alles vernichtenden Superwaffe, ob nun atomar oder sonstwie, bleibt allenfalls interessiert, wer anderweitig militärisch nicht mithalten kann, aber ob es dann zur Wunderwaffe reicht, scheint zumindest für den Moment unwahrscheinlicher als der "Weltuntergang" durch versehentlichen Atomkrieg.

So, lasse dich bitte nicht irritieren durch etwaig "arroganten" Vortrag,
aber
a) währt meine Befassung mit dieser Thematik schon fürchterlich lange
und
b) kann es nur gut sein, darüber auch immer mal wieder zu diskutieren, denn in keiner Phase der Menschheitsgeschichte war Politik zu solch' umfassender Lebensvernichtung imstande wie nun schon seit 1945 - und mit arg strapaziertem Glück für das Menschengeschlecht.


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Atomwaffenverbot beschlossen

#9 von Albero , 12.07.2017 15:16

Atomwaffenverbot beschlossen

Zitat
7. Juli 2017
122 Staaten haben am Freitagmorgen bei den Vereinten Nationen in New York einen Vertrag zum Verbot von Atomwaffen verabschiedet. Nach Jahrzehnten stockender Abrüstung senden sie eine klare Botschaft an die Atomwaffenstaaten: die internationale Staatengemeinschaft akzeptiert den bisherigen Sonderstatus der Atommächte nicht länger. Das völkerrechtlich verbindliche Abkommen verbietet neben der Herstellung, dem Einsatz und Besitz auch die Drohung mit einem Nuklearschlag sowie die Stationierung von Atomwaffen in anderen Staaten.


Quelle: https://www.icanw.de/neuigkeiten/atomwaf...dlich-verboten/

Der Vertrag muss aber noch ratifiziert werden.

Zitat
Der Vertrag wird nach aktuellem Stand ab dem 20. September 2017 in Anwesenheit der Außenminister bei der UN-Vollversammlung feierlich zur Unterschrift freigegeben. Notwendig sind 50 Ratifizierungen, damit der Vertrag 90 Tage später in Kraft tritt.


Es gibt dazu inzwischen eine Menge Beiträge und Artikel in den Medien. Da findet sich durchgehend der Einwurf, was dieser Vertrag denn bringen soll, wenn sich die Atomwaffenstaaten und ihre Verbündeten nicht daran beteiligen. Kann er mehr setzen als moralisches Völkerrecht, das zwar gilt, aber tatsächlich keine Geltung besitzt? Aber das wäre schon mal besser als gar nichts. Bleibt zu hoffen, dass daraus vielleicht eine etwas energischere Diskussion um die Weiterentwicklung und Demokratisierung der UNO entsteht, insbesondere in der so genannten Zivilgesellschaft.

Meint Albero


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RE: Atomwaffenverbot beschlossen

#10 von Markus Rabanus , 14.07.2017 01:25

Weltbürgerlich wäre dieser Vertrag vielleicht in folgender Weise zu klassifizieren:

Sobald das Abkommen vereinbarungsgemäß von 50 Staaten ratifiziert "multilaterales Völkerrecht".
Würde es gar von der Staatenmehrheit ratifiziert, denn immerhin 122 Regierungen stimmten zu, wäre es "staatenmehrheitliches Völkerrecht".

Falls die ratifizierenden Staaten dann auch die Mehrheit der Weltbevölkerung repräsentieren, dann wäre sogar von "demokratischem Weltrecht" zu reden.

------
Dass die Atomwaffenstaaten solches Verbotsabkommen ablehnen, wäre ärgerlich, sollte aber auch nicht vorausgesetzt werden, zumal für die Rechtsgeltung keine Voraussetzung ist, dass sich alle darüber freuen und sich dran halten, überdies Zustimmungen jederzeit möglich sind.


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RE: Atomwaffenverbot beschlossen

#11 von Richard Maxheim , 14.07.2017 15:49

Ich sehe den Vertrag als Teilsieg gegen die Atomrüstung. Es kommt nun darauf an, wie viele Staaten den Vertrag ratifizieren. Aus dem Anteil der von diesen Staaten repräsentierten Menschen an der Gesamtmenschheit ergibt sich dann das globaldemokratische Gewicht. Aber das ist dann rein statistisch. Es mag Abrüstungsbefürwortern in demokratischen Staaten hilfreich sein, da sie dann auf formales Weltrecht pochen können. In Deutschland wird es den politischen Druck gegen die „Nukleare Teilhabe“ verstärken. Ich glaube aber nicht, dass Peking seine Bevölkerung dazu befragen wird. Ich bin auf den offiziellen Vertragstext gespannt. Möglicherweise gibt es da Wasser im Wein, wie man aus diesem Beitrag erahnen kann:
https://www.icanw.de/neuigkeiten/kontrol...uen-ist-besser/

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RE: Atomwaffenverbot beschlossen

#12 von Markus Rabanus , 17.07.2017 10:21

Der Text des Atomwaffenverbotsvertrags
>> http://www.undocs.org/en/a/conf.229/2017/L.3/Rev.1


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RE: Atomwaffenverbot beschlossen

#13 von Albero , 17.07.2017 18:08

Mit der deutschen Übersetzung müssen wir wohl noch etwas Geduld haben.


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RE: Atomwaffenverbot beschlossen

#14 von Markus Rabanus , 18.07.2017 17:45

Englischen Text auf unsere IniDia-Website übernommen
>> www.atomwaffenverbot.de

Sodann Mail ans Auswärtige Amt
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Link zur dt. Fassung Atowaffenverbotsvertrag

#15 von Markus Rabanus , 19.07.2017 12:33

http://www.icanw.de/wp-content/uploads/2...nf-229-17-8.pdf

Ich werde den Text dann noch auf die besagte IniDia-Seite kopieren.


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