Netzkraftbewegung = Nichtskraftbewegung

#1 von Richard Maxheim , 10.08.2016 20:20

Das ist keine Weltbürger-Organisation im eigentlichen Sinn, sondern ein offenes Internet-Netzwerk. Einen groben Überblick vermittelt der Eintrag bei Wikipedia. Es gibt ja inzwischen schon viele derartige Vernetzungen. Die Besonderheit der Netzkraftbewegung ist der dreiteilige Basiskonsens.

Zitat
Internationale Instanz für Frieden, Menschenrechte und Umwelt
Wir wollen eine demokratisch legitimierte gewählte Instanz innerhalb der Vereinten Nationen, die in der Lage ist, für internationale Bedrohungen des Friedens, der Menschenrechte und der Umwelt internationale Lösungen zu entwickeln und gewaltfrei durchzusetzen!


Das entspricht ja der Forderung der UNPA nach einem Weltparlament. Für die Durchsetzung wäre dann eine Weltexekutive vonnöten, ein weiterer Schritt. Allerdings muss man die Gewaltlosigkeit etwas relativieren. Wir hatten das in der Plattform Planet Erde so formuliert:
„In letzter Konsequenz muss aber auch – im Interesse der unmittelbar bedrohten Menschen – ein Gewalt abwehrendes Eingreifen mit polizeilichen Möglichkeiten, mit dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit der Mittel und im Einklang mit dem Völkerrecht, schnell und wirksam möglich sein.“

Zitat
Nachhaltige ökosoziale Wirtschaftsentwicklung
Wir wollen eine nachhaltige ökosoziale Wirtschaftsentwicklung: Preise müssen auch die ökologischen Kosten enthalten, wenn nötig mit sozialem Ausgleich. Vermeidbare Umweltschädigungen sollen verboten und eine nachhaltige Wirtschaft angestrebt werden!


Das Thema wurde bereits hier im Forum angesprochen. Lutz von Grünhagen ist schon länger bei der Netzkraftbewegung dabei.

Zitat
Dezentralisierung der politischen Macht
Wir wollen eine Dezentralisierung der politischen Macht mit regionaler Eigenständigkeit und regionaler Selbstbestimmung in allen Belangen, die nicht überregional entschieden werden müssen.


Hier haben wird das Prinzip des Föderalismus, wenn man es auf allen politischen Ebenen konsequent anwendet. In der Plattform Planet Erde steht dazu folgendes:
„Weltföderalismus bedeutet hier auch, dass sich der Föderalismus auf der ganzen Erde zu durchgehenden politischen Ordnungsprinzip entwickeln muss, vom kleinsten Dorf bis hin zur globalen Gemeinschaft. Der Weltföderalismus wird garantieren, dass alle örtlichen und regionalen Besonderheiten berücksichtigt und gewahrt bleiben und dass lebendige Demokratie auf allen Ebenen gedeihen kann.“

Wenn die Teilnehmer der Netzkraftbewegung diesen Grundkonsens verinnerlicht haben, dann sind sie m.E. Weltbürger im engeren Sinne und es müsste eine Menge Weltbürger-Netzkraft vorhanden sein. Das ist die Theorie. Deshalb wurde WCPA Deutschland ebenfalls dort registriert. Nun will ich mal testen, wie das in der Praxis aussieht. Die Globale Aktionswoche für ein Weltparlament ist dafür eine prima Gelegenheit, da sie sehr gut zum ersten Konsenspunkt passt.

Richard


 
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RE: Netzkraftbewegung

#2 von Albero , 12.09.2016 23:28

Die Netzkraftbewegung würde ich als Relikt aus den Neunzigern ansehen, als das Vernetzen übers Internet langsam in Fahrt kam. Gut gemacht, keine Frage. Nicht nur eine Linksammlung, so wie z.B. bei BessereWeltLinks, die dann doch oft eher zur Verwirrung als zu einer besseren Welt beiträgt. Bei der Netzkraftbewegung muss man sich durch Verfassen einer Selbstdarstellung schon etwas mehr Mühe geben. In der Anfangszeit eine praktische Sache, da die meisten Gruppen und Initiativen noch keine Websites besaßen.

Das mit dem Grundkonsens finde ich auch gut. Nur habe ich meine Zweifel, ober der von den Teilnehmern so richtig ernst genommen wird. Ich denke das läuft doch eher nach dem Schema „nichts dagegen bis egal“. Die meistens Teilnehmer sind wohl beigetreten, weil sich dadurch eine zusätzliche kostenloses Werbemöglichkeit für ihre Sache bietet. Die anderen interessieren wenig. Ich will ja nicht ausschließen, dass sich daraus hin und wieder mal eine Kooperation ergibt, aber so etwas wie eine „Netzkraft“ bewegt sich dort sicherlich nicht. In diesem Interview räumt der Gründer Dr. Jo Becker selbst ein, dass man Erfolge der Netzkraftbewegung nur indirekt wahrnehmen kann. Zahlen sagt er nicht.

Und wie sieht die Qualität des Netzwerkes statistisch aus? Die Praxis ist doch: einmal drin und dann wird sich nicht mehr drum gekümmert. Da braucht man sich nichts vor zu machen. Ich habe den Test gemacht und aus den zurzeit 2699 Teilnehmern 1% = 27 per Zufallsgenerator ausgewählt und gecheckt: 5 haben keine Website angegeben, was für heutige Zeiten ungewöhnlich ist, und 5 Links sind tot. Das deutet darauf hin, dass ein Drittel der Einträge veraltet sein dürfte. Man sieht das ja auch beim Eintrag der Weltbürgervereinigung Oldenburg, wie hartnäckig sich der Schnee von gestern halten kann. Über die inhaltliche Qualitäten der Netzwerk-Teilnehmer habe ich mir noch kein Bild gemacht. Das wird wohl ein extra Kapitel.

Sehr praktisch finde ich die Weltkarte auf der Startseite, auf der ich meine Gegend heranzoomen kann um zu sehen, was es in meiner Nähe so gibt. Gar nicht weit weg von mir die „International Relief Friendship Foundation“. Klickt man den Link zu deren Website an, dann beginnt schon das Kopfkratzen.
Nachtrag: Der Link führte zu einer Seite mit kommerziellen Sexangeboten. Der Teilnehmer ist inzwischen gelöscht. Das hat ab Meldung allerdings 9 Wochen gedauert.


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RE: Netzkraftbewegung

#3 von Richard Maxheim , 13.09.2016 20:05

Hinsichtlich der Qualität der Vernetzung muss ich deine Ansicht leider bestätigen. Die WeltBürgerInitiative war damals dabei. Als sie aufgelöst worden war, hatte ich die Seite ordnungsgemäß abgemeldet. Ich glaube nicht, dass das immer so gemacht wird. Oft sind es einzelne Personen, die ihre Gruppe dort einbringen. Wenn die Person dann nicht mehr mitmacht, weiß niemand sonst noch was davon. Es ist natürlich für die Redaktion des Netzwerkes nicht so einfach, hier auf dem Laufenden zu bleiben. Es wird ja deshalb ausdrücklich um Mithilfe gebeten.

Mit den drei Konsensbereichen ist das auch so etwas. Der dritte Bereich findet wahrscheinlich noch die meisten Fans. Dezentralisierung ist ja so was in Mode, dass – überspitzt ausgedrückt – jeder gerne sein eigener Bundeskanzler sein möchte. Eine „nachhaltige ökosoziale Wirtschaftsentwicklung“ findet sicherlich auch viel Zustimmung, ohne dass es dafür konkrete Vorstellungen gibt oder die angedachten Wege auseinander laufen. Am wenigsten beliebt wird der erste Bereich sein. Das riecht schon etwas nach Weltherrschaft. Den Alternativen ist so etwas von vornherein suspekt, selbst wenn es „gewaltfrei“ ablaufen soll.

Aus den 800 Teilnehmern aus dem deutschsprachigen Raum habe ich 73 ausgewählt, die sich evtl. für die Globale Aktionswoche für ein Weltparlament interessieren könnten und am 25./26. August angemailt. Bis jetzt null Rückmeldung. Bei der Durchsicht der Listen sind mir 7 Gruppen aufgefallen, die definitiv nicht mehr bestehen (es waren auch etliche tote Links dabei, die ich aber nicht berücksichtigt habe), 2 Teilnehmer sind kommerziell und bei 2 sind Bedenken angebracht, und auch noch diese seltsame Foundation in Luxemburg. Die habe ich alle mit Belegen bei der Netzwerk-Redaktion gemeldet. Das ist nun auch schon mehr als zwei Wochen her, aber sie stehen alle noch in den Listen.

Ich bin trotzdem optimistisch. Vielleicht bewegt sich ja doch noch etwas, wenn die Ferienzeit vorbei ist.

Richard


 
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RE: Netzkraftbewegung

#4 von Albero , 18.09.2016 18:18

Ich habe in den letzten Tagen in der „Netzkraftbewegung“ gestöbert, mehr ausgiebig als systematisch. Einfach nur so um zu schauen, was für Teilnehmer es da gibt. Dabei bin ich wieder auf eine Menge tote Links gestoßen. Gezählt habe ich sie nicht. Den überwiegenden Teil der Gruppen und Organisationen, die dort verzeichnet sind, kann man sicher als seriös einschätzen. Da sind sehr gute und nützliche Initiativen dabei. Ich gehe aber davon aus, dass sie hauptsächlich mit sich selbst und ihren Projekten beschäftigt sind und nur wegen der kostenlosen PR mitmachen.

Meine Skepsis bzgl. des Grundkonsenses hat sich verschärft. Ich halte dessen Akzeptanz durch die Teilnehmer für rein formell, vielleicht nur am Rande gegeben, und in vielen Fällen für tatsächlich nicht vorhanden. Mir sind nur vier Teilnehmer aufgefallen, bei denen der Grundkonsens sicher gegeben ist. Das sind deine WCPA-Seite und drei Vereine, die es aber schon lange nicht mehr gibt: Die Weltföderalisten Deutschlands, der Verein zur Förderung des Weltbürgertums und World Federalist Movement Germany, eine Hinterlassenschaft von Stephan Mögle-Stadel. Den Verein von Herrn Heinrichsohn will ich ausdrücklich ausnehmen, denn dieser Grundkonsens gehört nicht zu dessen „Satzungszielen“.

Was die Seriosität der Teilnehmer betrifft, sollte man nicht unkritisch sein. Ich habe mich deshalb speziell in der Sparte „Spirituelle Organisation“ umgeschaut, denn Spiritualität ist die Großmutter aller Merkwürdigkeiten. Mit 74 Einträgen hält sie sich in Grenzen. Da sind christlich motivierte Initiativen dabei, wie z.B. die AGDF und der Versöhnungsbund. Aber „Alpenschamanismus“, was ist das für ein Humbug? Da hüpfen die Gnome und Elfen um den Untersberg. Ökospirituelle Gemeinschaftsprojekte sowie der Esoterik- und Psychomarkt sind mehr oder weniger auffällig vertreten. Hier ein paar Klopse:
Tamera – dazu die AGPF
Osho-Stadt – dazu die AGPF
Krishna-Bewusstsein – dazu die AGPF

Mein Fazit:
Die gewünschte Netzkraft beruht auf Wunschdenken und findet nicht statt.
Der propagierte Grundkonsens ist eine Fata Morgana.
Die Daten der Netzteilnehmer sind zu einem großen Teil nicht mehr aktuell.
Die Teilnehmerliste weist nicht wenige irrationale Elemente auf.
Bei einer Redaktion, die bedenkenlos Osho- und Krishna-Organisationen aufnimmt, stimmt irgendwas nicht.

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RE: Netzkraftbewegung

#5 von Renate Beck , 18.09.2016 21:51

Internet und Wirklichkeit passen oft nicht zusammen. Ich fand die Netzkraftseiten eigentlich gut. Sogar sehr gut. Schaut man etwas genauer hin kommt die Ernüchterung. Wie kommen die dazu solche fiesen Sekten aufzunehmen ? Die machen erwachsenen Menschen zu Narren. Der Chef macht doch einen ganz vernünftigen Eindruck. Vielleicht ist das nur Schlamperei von der Redaktion. Das hat man oft in Initiativen, dass Unbedarfte am Werk sind weil die anderen keine Zeit oder Lust haben. Das kenne ich leider auch aus unserem Laden.
LG Renate

 
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RE: Netzkraftbewegung

#6 von Richard Maxheim , 19.09.2016 12:05

Na, ich denke doch, dass die Redaktion funktioniert. Es läuft halt nicht immer alles so hundertprozentig, falls der Job ehrenamtlich gemacht werden sollte. Vielleicht ist es eine etwas zu weite Toleranz oder man hat keine Zeit sich genauer zu informieren. Die WeltBürgerInitiative war damals auch gegenüber den Spirituellen aufgeschlossen und sie wurde ebenso aus der Richtung unterstützt. Dass das eine Sackgasse war, hat sich erst später herausgestellt.

Daher kenne ich auch Tamera etwas näher. Es gab da ganz vernünftige Kontakte. Aber insgesamt hatten die Leute den Hang, jeden Blödsinn ausprobieren zu müssen. Als sie ansetzten die Germanische Neue Medizin von Ryke Geerd Hamer zu propagiert, hatte ich gefragt, ob sie noch alle Tassen im Schrank hätten. Das wurde dann auch sein gelassen, sonst hätten sie ihren eigenen Friedhof aufmachen können. Ja, in der Sparte Spiritualität ist mancher Bullshit vertreten. Die Netzkraftbeweger sollten da wirklich mal ausmisten. Die Oshos und die Krishnas habe ich bereits als bedenklich gemeldet. Ich hoffe, dass man sich bald mit der Kritik befasst. Wenn eine Kartoffel faul ist, stinkt die ganz Kiste.

Das Fazit mag stimmen. Ich will mal abwarten, ob meine Netzkraftbewegungsmelder in nächster Zeit was registriert. Sonst müsste ich mir wirklich überlegen, ob ich meine Teilnahme nicht besser kündige.

Gruß
Richard


 
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RE: Netzkraftbewegung

#7 von Richard Maxheim , 22.11.2016 17:39

Teilnahme gekündigt

Es wurden bei der Netzkraftbewegung zwar einige von mir benannte Seiten gelöscht, da die Teilnehmer nicht mehr existieren. Die als begründet bedenklich gemeldeten Teilnehmer sind aber noch weiter vorhanden. Ich habe deshalb vor zwei Wochen meine Teilnahme gekündigt. Aber es hat sich deswegen bis jetzt auch noch nichts getan. So habe ich heute die Kündigung der Seite von WCPA Deutschland dort selbst vermerkt:
http://www.netzkraft.net/mitglied.php?teilnehmer=2910&lang=deutsch
Es ist wohl leider so, wie Albero resümiert hat.

Richard

Nachtrag: Da war die Seite aber binnen einer Stunde gelöscht.


 
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RE: Netzkraftbewegung

#8 von Renate Beck , 23.11.2016 12:19

Nixkraftbewegung

LG Renate

 
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RE: Netzkraftbewegung

#9 von Albero , 31.12.2016 17:29

Nixkraftbewegung ist gut.
Ich habe mir erlaubt, den Einwurf in der Überschrift dieses Threads zu verwenden.

Nach reiflichen Überlegungen möchte ich noch einmal mein obiges Fazit bekräftigen:
Die gewünschte Netzkraft beruht auf Wunschdenken und findet nicht statt.
Der propagierte Grundkonsens ist eine Fata Morgana.
Die Daten der Netzteilnehmer sind zu einem großen Teil nicht mehr aktuell.
Die Teilnehmerliste weist nicht wenige irrationale Elemente auf.
Bei einer Redaktion, die bedenkenlos Osho- und Krishna-Organisationen aufnimmt, stimmt irgendwas nicht.

Inzwischen ist mir noch eine ganze Reihe weiterer bedenklicher „Teilnehmer“ aufgefallen, deren Aufnahme von Seiten eines seriösen Netzwerkbetreibers eigentlich nicht in Frage kommen sollte. Um an die Metapher von Richard anzuknüpfen: Da liegt eine Menge faule Kartoffeln in der Kiste. Die Tatsache, dass dies offensichtlich den übrigen Netzwerkteilnehmern nicht auffällt oder egal zu sein scheint, zeugt von deren Teilnahmslosigkeit.

Zusammen mit dem theoretischen Grundkonsens, der ohne Zweifel weltbürgerlichem Charakter entspricht aber praktisch hier kaum wirkliche Beachtung erlangt, besteht die Gefahr, dass engagierte Weltbürger in eine Sackgasse geraten. Das schadet der Sache, denn es kostet unnötig Kraft und Zeit, diese Sackgasse als solche zu erkennen. Deshalb halte ich es für angemessen, die Netzkraftbewegung in unsere Blauen Tonne zu verschieben.


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