Mehr Gerechtigkeit durch globale Katastrophenhilfe

#1 von Richard Maxheim , 24.08.2016 21:49

Diesen Artikel wollte ich schon länger schreiben, die aktuelle Erdbebenkatastrophe in Italien hat mich dazu angestoßen es heute noch zu tun. Es geht um globale Katastrophenhilfe, schnell und effektiv, egal wann und wo sie gebraucht wird. Im Weltbürger-Manifest „Plattform Planet Erde“ hatten wir das Thema unter „Es gibt nur eine Gerechtigkeit“ angerissen.

Zitat
Dazu gehört auch ein globaler Lastenausgleich, mit dessen Hilfe Benachteiligungen, etwa durch ungünstige klimatische Bedingungen, Mangel an Rohstoffen oder Folgen von Naturkatastrophen, vermieden werden können und die Menschen überall auf der Erde annähernd gleiche Chancen zur Verwirklichung ihrer wichtigsten Lebensinteressen haben.


Die Natur kennt keine Gerechtigkeit. Gegenteilige, meist spirituelle Ansichten sind reine Phantasie. Der Kokosnuss ist es völlig wurscht, ob und wer gerade unter der Palme steht. Sie kennt nur ein Gesetz, es heißt Erdanziehungskraft. Die Schaffung von Gerechtigkeit und Schutz vor Ungerechtigkeit obliegt alleine der menschlichen Vernunft und Schaffenskraft.

Es ist schon gut 30 Jahre her, da lernte ich den Schweizer Theo Feucht kennen. Er hatte 1977 die Broschüre „Das Goldenen Kreuz – Ein Plan für den Frieden der Welt“ verfasst. Auf 30 Seiten erklärte er kurz und bündig seine Vision einer globalen Katastrophenhilfe unter dem Dach der Vereinten Nationen. Das Besondere an seiner Idee war, dass diese Institution aus umgerüstetem Militär bestehen sollte. Es sah darin eine sinnvolle Verwendung der durch Abrüstung freiwerdenden Kräfte und eine praktische Umsetzung möglicher Rüstungskonversion. Also „Schwerter zu Pflugscharen“ nicht nur für die Landwirtschaft.



Mit dem Symbol des Goldenen Kreuzes sah Theo Feuchte eine Weiterentwicklung der Idee des Roten Kreuzes. Während das Rote Kreuz dafür gegründet wurde, die Leiden der Kriege zu mildern, sollte das Goldenen Kreuz dazu beitragen Kriege abzuschaffen. Nun kann man über die Kombination Gold und Kreuz geteilter Meinung sein. Das Symbol ist auch nicht so wichtig. Wesentlicher sind die Perspektiven, die solch ein UNO-Katastrophenhilfe eröffnen würde. Da wird im Bedarfsfall nicht mehr lange gefackelt. Hilfe kommt militärisch geplant und organisiert sofort, effektiv und schnell, mit speziell dafür ausgebildeten und ausgerüsteten „Soldaten“, von über den ganzen Globus verteilen Stützpunkten aus. Man kann sich diesbezüglich ruhig einiges vom gegenwärtigen Rüstungswahnsinn abschauen. Militärische Planungs- und Führungskunst sowie soldatische Disziplin haben nämlich einiges für sich, wenn es schnell und zielführend gehen soll. Ich hatte dazu damals einen Artikel mit einem vielleicht etwas naiven Szenario geschrieben, der in mehreren Zeitschrift veröffentlicht wurde. Leider finde ich ihn nicht mehr.

Aber was hätte das mit einem globalen Lastenausgleich zu tun? Ganz einfach: So etwas muss finanziert werden. Denkbar wäre eine „Völkerversicherung gegen höhere Gewalt“. Da könnte man alles hinein packen: Prävention, z.B. bauliche Maßnahmen zur Erdbebensicherheit oder gegen Überflutungen, Hilfe wenn's passiert, so wie oben beschrieben, und schließlich Unterstützung bei der Beseitigung von Schäden und beim Wiederaufbau, die direkte Hilfe für die Menschen nicht zu vergessen. Das alles läge nicht mehr auf den Schultern der betroffenen, meist ärmeren Ländern und wäre auch nicht mehr von mildtätigen Spenden abhängig.

Und was so eine Organisation unter dem Dach der Vereinten Nationen für Nebenwirkungen hätte: Schon alleine die Vertrauensbildung wäre von unschätzbarem Wert. Jedes überlebende Opfer einer Naturkatastrophe oder technischen Unfalls größeren Ausmaßes wüsste, dass die ganze Welt zur Hilfe eilt. Jeder Mensch auf der Erde wüsste, dass er, falls es ihn mal treffen sollte, Teil einer globalen menschlichen Gemeinschaft ist und mit seinen Problemen nicht alleine gelassen wird. Solch eine globale Katastrophenhilfe wäre nicht nur für ärmere Länder lebenswichtig. Gerade bei der aktuellen Erdbebenkatastrophe in Italien wird uns wieder vor Augen geführt werden, wie schleppend und unkoordiniert die Hilfe für die betroffenen Menschen in Gang kommt, trotz unserer vielfältigen Hilfsorganisationen im reichen Mitteleuropa. Der Bedarf ist jedenfalls da, überall. Wo ist der Wille?

Richard


 
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RE: Mehr Gerechtigkeit durch globale Katastrophenhilfe

#2 von Renate Beck , 25.08.2016 13:23

Das wäre natürlich eine tolle Sache wenn die UNO so etwas schaffen würde. Die „militärische“ Struktur für eine UNO-Katastrophenhilfe wäre auch logisch. Das hätte absolut nichts mehr mit Militarismus zu tun. Bei der Feuerwehr gibt es ja auch klare Richtlinien für Ausbildung, Bereitschaft und Einsätze und wer das Sagen hat. Hier ist noch eine Seite die in die Richtung geht: http://www.unsere.de/katastrophenhilfe.htm
Vielleicht sollte man die Idee mal nachdrücklich an die Politik bringen!
LG Renate

 
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RE: Mehr Gerechtigkeit durch globale Katastrophenhilfe

#3 von Richard Maxheim , 25.08.2016 22:34

Das mit der Politik hatte ich schon mal versucht. Es ist allerdings etwas länger her. Ich hatte meinen Artikel von damals gezielt an Politiker geschickt, die der Friedensbewegung nahe standen. Der Friedensforscher Alfred Mechtersheimer – zu dem Zeitpunkt noch nicht auf dem falschen Dampfer – hatte daraufhin im Bundestag den Vorschlag eingebracht, die Gebirgsjäger der Bundeswehr in solch eine Katastrophenhilfstruppe umzuwandeln. Nein, wir brauchen die Gebirgsjäger, falls uns die Schweizer überfallen.

Mechtersheimer hatte auch die „Idee vom Goldenen Kreuz“ in seinem 1982 erschienen Buch „Rüstung und Frieden – Der Widersinn der Sicherheitspolitik“ auf Seite 281 erwähnt.

Es gab mal eine parlamentarische Anfrage eines SPD-Abgeordneten im Bundestag in der Richtung, an die ich mich aber nur dunkel erinnere. Ich habe bei dem jetzt Abgeordneten a.D. nachgefragt, ob er mir näheres dazu mitteilen könnte.

Und dann hatte ich noch eine Petition an den Bundestag gerichtet (damals auf Papier, nix online), er möge die Bundesregierung dazu ermutigen, eine globale Katastrophenhilfe bei den Vereinten Nationen vorzuschlagen. Das war irgendwann nach der Flutkatastrophe 2000 in Mosambik, wo Menschen ertranken, weil nicht genug Hubschrauber vor Ort waren, um sie aus dem Wasser zu retten. Die Petition wurde vom Petitionsausschuss mit ein bisschen Bla-bla als erledigt erklärt. Paff, aus die Maus.

Ja, man könnte mal wieder etwas unternehmen. Fragt sich nur was. Hat jemand eine Idee?

Richard


 
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RE: Mehr Gerechtigkeit durch globale Katastrophenhilfe

#4 von Albero , 04.09.2016 15:52

Militär wird ja oft zur Hilfe bei Katastrophenfällen eingesetzt, wenn die zivilen Hilfskräfte nicht ausreichen. Aber das sind dann keine Spezialisten, die für so was ausgebildet wurden, sondern mehr Leute, die straff organisiert sind und anfassen können. Sehr wichtig sind die militärischen Transportkapazitäten. In manchen Ländern ist das auch gut vorbereitet, wie z.B. bei der Schweizer Armee. Auch die NATO kümmert sich drum.

Zitat
Die Katastrophen der letzten Zeit machten deutlich, wie nützlich bestimmte militärische Fähigkeiten sein können, wenn die zunächst zuständigen Stellen vom Ausmaß der Probleme überwältigt sind.


Dabei kommt man nicht um die Kritik herum, dass dabei möglicherweise der Bock zum Gärtner gemacht wird. Den Menschen, die dringend Hilfe brauchen, wird das egal sein. Es wäre keine schlechte Entwicklung, wenn sich auf diese Weise Kämpfer in Helfer verwandeln würden. Nur ist das sehr vage. Von daher geht die Idee vom Goldenen Kreuz einen deutlichen Schritt weiter, denn eine solche globale Hilfsorganisation wäre zwar militärisch organisiert und geführt, aber eben kein Militär mehr. Das einmal in einen Pflug umgeschmiedete Schwert darf sich nicht in ein Schwert zurück verwandeln lassen.

Was könnte man tun, um die Idee bekannter zu machen? Eine Petition ist dafür sicherlich ganz nützlich, wenn man sie nicht alleine als „Bittschrift“ versteht, sondern als Vehikel, um die Diskussion dazu in den öffentlichen Raum zu transportieren. Der Bundestag dürfe dafür nicht der geeignete Adressat sein. Die dortigen Parlamentarier sind viel zu sehr in den Zwängen der Tagespolitik gefangen, um noch Zeit und Kraft für zukunftsweisende Visionen zu haben.

Ich würde zunächst eine Petition an den Generalsekretär der Vereinten Nationen vorschlagen. Der wäre für die Aufbau einer solchen Hilfsorganisation zuständig. Bei der UNO gibt es auch zum Thema eine Abteilung: OCAH. Im Mai dieses Jahres fand erstmals ein Gipfeltreffen statt. Ich denke, dass man in diese Richtung agieren sollte. Eine Petition, z.B. über change.org, könnte dafür ein guter und einfach durchzuführender Anfang sein.

Meint Albero


Glaubt ihr etwa alles was nicht in den Zeitungen steht?

 
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RE: Mehr Gerechtigkeit durch globale Katastrophenhilfe

#5 von Richard Maxheim , 27.10.2016 18:45

Gestern bebte die Erde in Mittelitalien erneute, gleich zweimal. Zum Glück für die Bewohner, denn durch das erste, schwächere Beben waren sie gewarnt. Solche Ereignisse erinnern mich immer wieder an die „Idee vom Goldenen Kreuz“. Ich wollte schon nach dem verheerenden Hurrikan „Matthews“ eine Petition starten, hatte mir aber gedacht, dass ich erst einmal abwarten sollte, wer der nächste UNO-Generalsekretär wird.

Inzwischen bin ich der Auffassung, dass eine Katastrophenhilfe á la Goldenes Kreuz für sich alleine zu kurzgreifend wäre. Dazu müsste auch ein Katastrophenschutz gehören. Bezogen auf Erdbebengebiete hieße der im Klartext: Sicheres Bauen. Auch in der Karibik wäre eine völlig neue Siedlungspolitik vonnöten. Aber da die Menschen dort arm sind und unmöglich die Mittel dazu aufbringen könnten, wären wir wieder beim globalen Lastenausgleich angelangt.

Das sollte dann ein neues Thema sein, denn solch ein globaler Lastenausgleich kann nicht einfach nur das Verschieben gigantischer Geldsummen bedeuten. Es müsste ein System ausgedacht werden, das auf wirkliche globale Gerechtigkeit abzielt. Ein Job für Spezialisten. Als Laie hätte ich dazu einige Ideen. Ob die allerdings realistisch sind? Utopisch sind sie allemal. Aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Falls die Menschheit eine bessere Zukunft haben sollte, besteht diese fast nur aus Utopien.

Richard

Nachtrag:
Zum globalen Lastenausgleich siehe KOMPENSO.


 
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www.Katastrophenwehr.de

#6 von Markus Rabanus , 08.03.2017 03:18

Auch ich halte Katastrophenhilfe für eine einerseits subsidiäre, aber eben auch weltweit zu organisierende Pflicht, ganz unabhängig davon, wie nett oder unlieb uns Staaten scheinen, deren Bevölkerung es trifft.
Aushilfe durch Militärpersonal und auch durch Militärtechnik kann niemals so effektiv sein wie speziell ausgebildetes Hilfspersonal und entsprechende Technik, denn "Wehrtechnik" transportiert nun'mal unnütz viel Panzerung hin und her anstelle von Hilfsgütern hin.
Nichtsdestotrotz können militärische Ordnungskräfte in Katastrophengebieten humanitäre Einsätze absichern.

Da sich meine Regierung so gerne wichtiger tun möchte ("gewachsene globale Verantwortung Deutschlands") und andererseits solches Verlangen bei unseren europäischen Nachbarn aus historischen Gründen mitunter verständlich für Unbehagen sorgt, brachte ich vor einigen Jahren mal eine Etappe "deutscher Sonderweg" zu Papier und dann auch ins Internet >> www.Katastrophenwehr.de


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RE: www.Katastrophenwehr.de

#7 von Richard Maxheim , 15.03.2017 21:39

Hallo Markus,

da hast du eine katastrophale Katastrophenwehr.
Ich habe nun meinen damaligen Artikel über die Idee vom Goldenen Kreuz gefunden und digitalisiert.

Hier als PDF-Datei.

Wenn man solche ollen Texte von sich liest – ist ja jetzt schon 35 Jahre her – einfach grauenhaft.

Richard


 
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RE: www.Katastrophenwehr.de

#8 von Renate Beck , 17.03.2017 08:21

Hallo Richard !
Das kannst du unter Jugendsünden verbuchen.
Aber Echnaton gefällt mir. Die Geschichte hat Potenzial zum Hollywoodfilm. Tutenchamun flucht. Die Pyramiden wackeln und der Assuan-Stausee ergießt sich ins Tal der König. Die Amis haben den Bibelbezug bestimmt sehr gerne.
In der Hauptrolle würde ich als Kapitän Kate Mulgrew vorschlagen. Sie hat Erfahrung in der Führung großer Schiffe.
Aber der Artikel erklärt die Idee sehr gut. Wobei mir aber die Kombination Gold und Kreuz so gar nicht gefallen will. Man muss das ja nicht unbedingt so nennen.
LG Renate

 
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