Simpol - Simultan-Politik

#1 von Ulrich Matthias ( gelöscht ) , 09.10.2016 16:01

Wie steht Ihr zur globalen Bürgerinitiative Simpol?

Meiner Meinung nach handelt es sich hier um einen interessanten Ansatz zur Lösung globaler Probleme. Er wirkt etwas komplizierter als die Einführung eines Weltparlaments, kann aber schon nützlich sein, wenn nur eine Minderheit (z.B. 5 % der Bevölkerung) ihn unterstützt.

Ulrich Matthias
zuletzt bearbeitet 25.11.2017 14:40 | Top

RE: Simpol

#2 von Richard Maxheim , 09.10.2016 19:35

Dirk Weller von Simpol Deutschland hatte vor einem Monat bei mir angefragt, ob er im Forum für Simpol Werbung machen dürfe. Ich habe ihm geantwortet, dass er sich selbstverständlich registrieren und Simpol vorstellen könne. Aber da kam bis jetzt nichts. Ich selbst habe die Simpol-Seiten nur kurz überflogen, will mich aber die nächsten Tage näher damit befassen.

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RE: Simpol

#3 von Albero , 10.10.2016 22:11

Zitat von Ulrich Matthias im Beitrag #1
... , wenn nur eine Minderheit (z.B. 5 % der Bevölkerung) ihn unterstützt.

Das wären, bezogen auf die Anzahl der Wahlberechtigten in Deutschland, immerhin 3,1 Millionen Minderheit.
Ich würde Simpol mal ganz vorsichtig als Experiment einstufen. Allerdings glaube ich kaum, dass es Erfolg haben wird. Diese Verpflichtungserklärungen von Politiker sind ja tatsächlich nicht verpflichtend. Und die unterstützenden Wähler müssen sie auch nicht wählen. Also alles sehr vage Absichten, ohne verlässlichen Festpunkt. Oder habe ich was falsch verstanden?
Es ist auch so eine Sache, wenn jemand wie Ken Wilber mit seinen integralen Psycho-Phantasien als einer der Hauptbefürworter auftritt. Da steckt von Anfang an der Wurm drin. Aber lassen wir uns überraschen!

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RE: Simpol

#4 von Richard Maxheim , 12.10.2016 23:49

Als Experiment könnte ich Simpol unterstützen, wenn ich nicht der festen Überzeugung wäre, dass die Initiative zum Scheitern verurteilt ist. Warum?

Für Politiker ist der Ansatz zu abstrakt. Warum sollten sie für etwas ein Versprechen abgeben, wo sie noch nicht absehen können, wie sich die Sache konkret entwickeln wird. Die haben schon genug Problem in der Tagespolitik und den dort versteckten Fallstricken. Die Zustimmung von Parlamentariern wird deshalb minimal ausfallen und keine Grundlage für die Umsetzung des gesamten Konzepts bieten.

Bei der Bevölkerung wird die überwältigende Mehrheit der trägen Masse außer Acht gelassen. Die Bürger, welche sich seriös für Politik interessieren, wissen wie man sich politisch engagiert und wie man politische Lobbyarbeit betreibt. Sie brauchen dafür kein Simpol. Auch wird ihnen bei Simpol schnell auffallen, dass die Entscheidungsfindung in der Initiative keine klare demokratische Linie aufzeigt. Der Rest des Volkes ist entweder zu bequem dazu oder schon zufrieden, wenn sie Fair-Trade-Kaffee trinken und sich im Internet ausko..... ähm ausheulen dürfen.

Dann hat Herrn Bunzl den gravierenden Fehler begangen, sich mit irrationalem Psycho-Firlefanz einzulassen. Was Ken Wilber bringt, ist ein Gemenge aus Esoterik, Philosophie und Pseudopsychologie, das er der Welt als wissenschaftlich verkaufen will. Ich habe ein Buch von ihm gelesen, das reicht. Es ist reines Wunschdenken. Man schaue sich nur diesen Unsinn beim Integralen Forum an! Wer mit so etwas Zeit und Geld verplempert, hat schon verloren.

Dann kommt noch dazu, dass diese integrierten Psychospirituellen nicht immer harmlos sind. Sie propagieren durchgehend irrationale Dogmatik, von plumper Geldmacherei mit fragwürdigen Inhalten ganz zu schweigen. Dahinter steckt u.A. auch die Antroposophie. Und was konkret die Integrale Politik angeht, hat das Netzwerk Holon seine Finger mit im Spiel. Das ist wiederum eng verbandelt mit der Partei Die Violetten. Da geht’s schon Richtung Gummizelle.

Deshalb bin ich der Meinung, dass Simpol keine globale demokratische Revolution auslösen wird, jedenfalls nicht so.

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RE: Simpol

#5 von Albero , 13.10.2016 17:12

Das Holon-Netzwerk ist mir auch aus früheren Zeiten in Erinnerung. Ein Hort von Einfaltspinseln und Scharlatanen jeglicher Art. Ich glaube es war 2002 oder 03, da hatten sie so eine Art Partei aufgezogen: Dynamik 5. Dazu steht auch in dem oben verlinkten Artikel einiges drin. Keine Ahnung was die 5 für eine Dynamik entwickeln sollte, aber da war doch ein Schweizer Industrieller ohne Nennung des Namens, der Holon dafür 1 Million Franken spendete. Davon wurde sogleich in Bern eine Geschäftsstelle eingerichtet und die Führung genehmigte sich großzügige Gehälter. Man ließ Hochglanzbroschüren drucken und binnen eines Jahres war die Mio. Fränkli aufgebraucht. Es gab dann eine Menge Zoff deswegen und Dynamik 5 existiert heute längst nicht mehr. Also, wenn Holon tatsächlich an Simpol angedockt haben sollte, dann kann man ziemlich sicher davon ausgehen, dass aus der Initiative – zumindest im deutschsprachigen Raum – nichts werden kann.

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RE: Simpol

#6 von Albero , 09.04.2017 20:40

Seit einem halben Jahr hat sich auf der deutschen Website von Simpol nichts mehr getan. Auf der internationalen Simpol-Seite wird aktuell ein Symposium im Mai in der Toscana angekündigt, welches von Simpol in Zusammenarbeit mit dem Institut von Ervin Laszlo veranstaltet werden soll. Ervin Laszlo kennen wir ja bereits aus der Blauen Tonne. Ein weiterer Beleg dafür, dass Simpol in eine Sackgasse geraten ist, weshalb ich die Sache bis auf weiteres aufs Abstellgleis verschoben habe.


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RE: Simpol

#7 von Dirk , 17.04.2017 09:49

Herr Maxheim - Herzlichen Dank für die Wiederholung Ihrer Einladung!
Es tut mir sehr leid, dass der Faden abgerissen war.
Mein Zeitbudget ist knapp und unstet. Das wird nun etwas besser, nachdem ich schweren Herzens bei den Rotariern wieder ausgestiegen bin.
Ich hatte im Weltbürgerforum folgende Hypothesen über Simpol gemeint wahrzunehmen:
1) "Kann nicht klappen". Dagegen spricht vielleicht, dass bei der letzten Wahl in Großbritannien 600 Kandidaten unterzeichnet haben.
2) "Ist der esoterische Wurm drin (Ken Wilber als Haupt-Fürsprecher)". Dagegen spricht vielleicht, dass es etliche wichtigere Fürsprecher gibt, die ich für esoterisch unverdächtig halte: Prof.Radermacher, Prof.Anholt, Dr.Köchler, Noam Chomsky, Nick Duffel usw.
Die aus meiner Sicht zentralen Simpol-Hypothesen wurden dagegen soweit ich sehen konnte nicht aufgegriffen/diskutiert:
H1) Destruktiver internationaler Standort-Wettbewerb ist ein Haupt-Hindernis für Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit.
H2) Destruktiver internationaler Standort-Wettbewerb kann am ehesten durch die Wahlbürger aufgebrochen werden.
H3) Mit wachsender globaler Bedrängnis wächst auch unsere Fähigkeit zu globalem Denken - die natürliche kognitive Evolution lässt das noch geringe Unterstützungspotenzial von Simpol ansteigen.
Natürlich ist es ein etwas verzweifeltes Projekt. Aber die Weltlage ist hinsichtlich Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit auch recht verzweifelt.
Heute Nacht habe ich viel darüber nachgedacht, inwieweit ein betonter "Glaube" an "reine Rationalität" nicht eine "performative contradiction", ein Widerspruch in sich ist und für Betroffene unter günstigen Umständen auch als solcher erkennbar sein könnte.
Das ist allerdings sekundär, weil ich mit Rationalität als Grundlage der Diskussion völlig einverstanden bin. Es ist ja auf der Suche nach weltweiter Anschlussfähigkeit wirklich wichtig, bodenständig zu bleiben und sich von regressiver Esoterik abzugrenzen.
Simpol ist m.E. fest im rationalen Denken verankert. Leitfrage der Initiative ist schließlich: wie können wir einen Prozess skizzieren und beschreiten, der zu jedem Zeitpunkt allen Beteiligten einen rationalen win-win-Anreiz bietet? Und uns zugleich trotzdem in eine neue weltpolitische Konfiguration führt?
Der Vorteil von wissenschaftlichen Entwicklungstheorien (Piaget, Gebser etc.) ist hierbei, dass sie verständlich machen, warum manche Menschen eben (noch) nicht rational oder gar (noch) nicht komplex-systemisch mitdenken können. Und "Entwicklung" (individuell und kulturell) führt nun mal irgendwann in das Rationale hinein (die sogenannte Moderne) und irgendwann über das Rationale hinaus (die sogenannte Postmoderne sowie aber auch eine entstehende Postpostmoderne). Das war John Bunzl's zentraler Beweggrund, sich mit Publikationen und Vorträgen in den von Ihnen kritisierten integralen Diskurs einzuklinken (Ken Wilber), in dem Entwicklungsmodelle intensiver thematisiert werden als sonstwo. Allerdings hat sich dort das Interesse an Politischem dann doch auch wieder als sehr begrenzt erwiesen, so dass derzeit eher wieder der akademische Anschluss gesucht wird.
Ich gebe zu bedenken, dass auch ein Andreas Bummel von der UNPA in der Tatva Viveka publiziert und dort Wilber, McIntosh etc. zitiert. Ich fänd' es absurd (und irrational!), ihm dies als disqualifizierend anzulasten.
PS: ganz unabhängig davon einen großen herzlichen Dank für Ihre engagierte, wertvolle und spannende Arbeit!

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RE: Simpol

#8 von Richard Maxheim , 17.04.2017 21:27

Hallo Dirk,

willkommen im Forum. Wir duzen uns hier, wenn's recht ist. Es wurde hier über Simpol bestimmt nicht alles angesprochen, was vielleicht angesprochen werden sollte. Es liegt vielleicht daran, dass keine Notwendigkeit gesehen wurde, sich weiter damit zu befassen.

1) „Kann nicht klappen“, habe ich doch ausreichend begründet, denke ich. Die 600 Unterschriften sind vielleicht Indiz für einen Erfolg. Aber dann kommt die Fragen: Wie viele dieser Kandidaten wurden gewählt? Wie war das Abstimmungsverhalten der Gewählten anschließend? Gibt es dazu Untersuchungen? Ja, wenn sie den Brexit verhindert hätten, das wäre der Hammer.

2) Sonstige Befürworter relativieren oder vertreiben nicht den Wurm. Es ergibt sich dann auch die Frage nach dem, was die Befürworter über ihre Zustimmung hinaus für Simpol tun. Als Beispiel: Hat Prof. Rademacher die Simpol-Idee irgendwo in sein Konzept der Ökosozialen Marktwirtschaft integriert? Ich meine, dass so eine Zustimmung alleine etwas dünn ist. Da leistet Ken Wilber mit seiner integralen Einflussnahme doch wesentlich mehr.

H1) Destruktiver internationaler Standort-Wettbewerb ist ein Haupt-Hindernis für Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. H2) Destruktiver internationaler Standort-Wettbewerb kann am ehesten durch die Wahlbürger aufgebrochen werden. Das kann sein, aber es sind Hypothesen die begründet werden müssten. Am besten in einer wissenschaftlichen Theorie, welche sie Stärke hat, einer Falsifikation stand zu halten. Gibt es das schon?

H3) Mit wachsender globaler Bedrängnis wächst auch unsere Fähigkeit zu globalem Denken - die natürliche kognitive Evolution lässt das noch geringe Unterstützungspotenzial von Simpol ansteigen. Das kann auch sein, vielleicht in 1000 Jahren. Wir hatten uns über die Möglichkeiten dier Evolution auch schon hier im Forum unterhalten: Der Mensch und die Menschheit

Natürlich könnte man da verzweifeln, wenn man die Kraft der Ratio geringschätzen würde. Man sollte auch nicht an Rationalität glauben, sondern sie anwenden. Sie hat nämlich einen alles überragenden Vorteil: Sie stimmt mit der Wirklichkeit überein. Wobei man natürlich Irrtümer nicht ausschließen kann. Deshalb ist ja auch der Austausch mit anderen rational denken Menschen so wichtig. Der Teufel steckt oft im Detail. Treten wir ihm in den Hintern!

Für Simpol sähe ich eine Chance, wenn es zunächst als wissenschaftliche Experiment konzipiert werden würde. Dabei würde sich schnell herausstellen, ob es was taugt. Das wäre jedenfalls besser, als mit Wunschdenken und Hypothesen im Nebel von Avalon herum zu stochern. Das macht aber John Bunzle gerade, wenn er sich mit seinen Ideen in den pseudowissenschaftlichen Dunstkreis von Ervin Laszlo begibt. Damit vermiest er sich jede wissenschaftliche Reputation.

Andreas Bummel ist kein Wissenschaftler, sondern Politiker. Politiker können durchaus mal was in einer schrägen Zeitschrift schreiben, wenn es einen politischen Sinn hat. Den ersten Artikel von Andreas über die Verschwörungstheorien war m.E. gut platziert, gerade wegen der Anfälligkeit von Esoteriker für solchen Unsinn. Bei dem zweiten weiß ich nicht. Von mir wurden auch schon Artikel in solchen Gazetten abgedruckt. Ich kann dazu nur sagen, dass es so gut wie nichts gebracht hatte.

Danke für das Lob für die engagierte, wertvolle und spannende Arbeit! Du bist herzlich dazu eingeladen, daran teil zu haben.

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RE: Simpol

#9 von Dirk , 17.04.2017 22:19

Es ist völlig klar, dass Simpol ein Moonshot-Projekt ist, von dem man vorher nicht sagen kann, ob es gelingt oder überhaupt gelingen kann.
Ich freue mich, wenn Ihr hier Strategien oder Projekte mit höherer Erfolgswahrscheinlichkeit (oder sogar Erfolgsgarantie?) kennt oder gar umsetzt - ich kenne bisher keine.
Eine Stärke von Simpol sehe ich gerade auch in den Zwischenschritten, im Sinne von: Der Weg ist auch schon ein Ziel. Bei jeder (idealerweise) Wahl auf dem Planeten werden hunderte oder tausende Kandidaten mit der Nase auf das Spannungsfeld/Gefangenendilemma zwischen nationaler und globaler Ebene gestoßen. Und sie werden mit der Nase darauf gestoßen, dass es sogar Wähler gibt, die sich darüber - ohne klassisch-banales blame game! - den Kopf zerbrechen.
Den Aufwand halte ich daher für keinesfalls verloren, sondern erfolgsunabhängig für ein halb-implizites Agenda-Setting, dass dann auch vielleicht wieder anderen Ansätzen globaler Kooperation Vorlagen liefert und Tore öffnet.
Global social marketing, wenn Du so willst.
Aber wer wäre ich, Euch hier überzeugen zu wollen ... ;-)
Kurz zu Punkt 1) "At the general election last year, 53 candidates from most of the major Irish political parties signed pledges to implement Simpol alongside other governments. Of those, 14 are now sitting TDs. At the last election in the UK, more than 600 candidates signed on. Of those, 32 are now sitting MPs in Westminster. Similar progress is also being made in other countries".
http://www.irishtimes.com/culture/books/...F0EoBo.facebook
@Abstimmungsverhalten: das sollen sie ja jetzt noch gar nicht ändern - erst, wenn in vielen Ländern so viele Abgeordnete Simpol-Unterzeichner sind, dass die Zeit "reif ist" für globale Vereinbarungen von unten (also vielleicht in ein paar Jahrzehnten). Vorher ändert sich für das Parlamentsmitglied gar nichts!
LG
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RE: Simpol

#10 von Albero , 18.04.2017 13:24

Hallo Dirk, sei willkommen!

Wir habe uns hier bereits mit allerlei Weltbürger-Aktionen beschäftigt, aber noch keine mit Erfolgsgarantie entdeckt. Man ist schon froh, wenn man sie nicht als kontraproduktiv verwerfen muss. Aber die Suche geht weiter. Es genügen schon bescheidene Erfolgsaussichten, um mich zu begeistern. Wie du allerdings jetzt Simpol erklärst, ist das garantiert eine Luftnummer. Ich kann dir nur raten, dein Zeitbudget nicht weiter dafür zu verplempern. Engagiere dich als Weltbürger besser für etwas mit einem realistischem Erfolgshorizont! Die UNPA-Kampagne z.B. benötigt dringend aktive Helfer.


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RE: Simpol

#11 von Dirk , 19.04.2017 08:40

Hallo Albero,
vielen Dank für die nette Begrüßung!
Und danke für die kritische Rückmeldung und den Hinweis auf UNPA.
"Dringend aktive Helfer" benötigen die weltzentrischen Initiativen ja alle.
Die Erfahrung zeigt, dass der Simpol-Funke bei 1-3% derjenigen, die wir erreichen, überspringt.
Falls sich da mal jemand mit einer "tiefen Tasche" darunter befinden wird, der Simpol ein substanzielles Marketing-Budget gibt, könnte es somit schnell eine relevante Größenordnung bekommen. Wegen der überparteilichen "Zünglein-an-der-Waage"-Strategie braucht Simpol nicht mehr als ein bis drei Prozent.
Wegen dieser Chance, die ich sehe, mag ich helfen, das Flämmlein am Leben zu erhalten. Kaum eine Welt-Kampagne ist schon so lange am Start wie Simpol, wie Euch vielleicht aufgefallen ist. Langer Atem ist Minimalvoraussetzung.
Sobald jemand Fähigeres meine Simpol-Rolle übernimmt, gebe ich sie gerne weiter! :)
Zu UNPA: ich bin etwas skeptisch gegenüber einer globalen one-man-one-vote-Demokratie. Zwei Drittel der Weltbevölkerung sind prä-rational, die würden sich schneller als man gucken kann autoritäre Systeme wählen. Siehe auch die Wahlen der letzten Monate. Inwieweit dieser Vorbehalt bei UNPA greift, weiß ich im Detail nicht, aber man muss das mitdenken. Überhaupt scheint mir leider die Demokratie insgesamt fast schon mit dem Rücken zur Wand zu stehen, auch auf nationaler Ebene. Wie man da sinnvoll drauf reagieren kann, weiß ich noch nicht.
[img]https://addpics.com/files/thumbs/eyy-1-1b9d.jpg[/img]|addpics|eyy-1-1b9d.jpg-invaddpicsinvv|/addpics|

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RE: Simpol

#12 von Dirk , 19.04.2017 11:00

Lieber Richard,
Du hattest ja in Deiner Antwort meine Hypothesen 2 und 3 zusammengefasst.
Ich versuche das in der Beantwortung noch mal auseinanderzuziehen.
H2: Zum Thema "Gemeinwohl-averse Auswirkungen von Standortwettbewerb" gibt es einen guten Fundus an politik- und wirtschaftswissenschaftlicher Literatur. Man findet so was unter den Suchworten "Race to the bottom", "Tax battles" und so weiter. Zum Einstieg könnt Ihr ja mal das Literaturverzeichnis dieses recht aktuellen White-Papers durcharbeiten:
https://www.oxfam.org/sites/www.oxfam.or...x-121216-en.pdf
H3: Hierzu braucht man eigentlich keine wissenschaftliche Studie, sondern muss sich nur die Verfassungen der demokratischen Nationen anschauen. Der Wähler gibt den Regierungen den Auftrag, die Interessen des Landes (!) zu vertreten. Und INNERHALB eines Taxbattles ist es NATÜRLICH im Interesse eines Landes, nicht zu verlieren, sondern mindestens mitzuhalten oder gar zu gewinnen. Und ein einzelnes Land hat ja keine Möglichkeit, sich dem Taxbattle zu entziehen. Ergebnis: Limit nach oben, Teufelskreis nach unten. Ein simples kybernetisches System.
Damit ist eigentlich logisch hergeleitet, dass es eine Möglichkeit zur Überwindung des unseligen Zustands ist, wenn ein überparteilicher Wählerblock, ohne den man immer schwerer gewinnen kann (weil er wächst und weil Wahlen knapp ausgehen), SEINEN AUFTRAG ERGÄNZT, nämlich um das Comittment zu globaler Kooperation.
Und mangels anderer erkennbarer Optionen ist es logischerweise die beste verfügbare Option.
Hallo Albero,
@ UNPA: Warum sollten Länder, die nicht einmal den Sicherheitsrat respektieren, freiwillig (!) Autonomie an eine Laberrunde (sorry) abgeben? Wo ist der Hebel, der Druck, der Anreiz? Was ist an diesem Szenario rational?

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RE: Simpol

#13 von Markus Rabanus , 20.04.2017 01:05

Hallo Dirk, allemal interessant.


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RE: Simpol

#14 von Richard Maxheim , 20.04.2017 15:05

Ja, natürlich ist die Sache interessant. Das will ich auch gar nicht bestreiten. Nur ist das zu wenig. Es müsste deutlicher gemacht werden, wie das mit dem Wählerblock als kritische Masse, als überparteiliches Zünglein an der Waage umgesetzt werden soll, nicht nur könnte. Das sollte noch weiter durchdacht werden, um dafür eine Strategie machen zu können. Und das Zünglein an der Waage ist in Deutschland leider negativ besetzt, siehe FDP. Während hier das Flämmchen am Leben erhalten wird, wäre sonstwo ein begrenztes wissenschaftliches Experiment – das könnte eine Uni im Fach Politologie machen – ganz nützlich. Aber Herr Bunzl schwenkt zur Zeit in Richtung Pseudowissenschaft und steuert Simpol direkt in die esoterische Sackgasse. Die Vorstellung, dass man dafür ein Akasha-Feld nutzen könnte, ist nämlich nichts weiter als Esoterik. Vielleicht sollt mal jemand das Herrn Bunzl sagen.

Lieber Dirk, die Schaffung eines Weltparlamentes ist gegenwärtig die einzige realistische Perspektive, die Demokratie zu globalisieren. Und die Globalisierung der Demokratie ist aus vielerlei Gründen dringendst notwendig. Selbstverständlich gibt es dazu jede Menge Wenn und Aber. Wo gibt es die nicht? Deshalb finde ich die UNPA-Kampagne so wichtig, auch wenn mir an der jüngsten organisatorischen Entwicklung einiges nicht behagt. Ich kann die nur wärmsten das neue Buch von Jo Leinen und Andreas Bummel empfehlen (habe etwas zwei Drittel gelesen – es kommen alle Wenn und Aber zur Sprache):
https://www.democracywithoutborders.org/de/weltparlament/

Richard


 
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RE: Simpol

#15 von Renate Beck , 21.04.2017 07:47

Hallo Dirk !
Wenn man die Simpol-Methode neutral sieht kann sie doch auch für gegenteilige Ziele gebraucht werden. Sollte sich herausstellen dass sie funktioniert werden bestimmt auch Nationalisten und Rechtskonservative sie benutzen. Es braucht ja nur dazu eine Verpflichtungserklärung mit populären populistischen Forderungen, die auch von rechten SPDler und Linken unterschrieben werden können. Dann hätte wir aber ganz schnelle ein dicke braune Zunge an der Waage. Deutsche Bürgerinitiative Deupol. Ich würde lieber das Flämmchen ausblasen bevor jemand von dem Dumpfbacken auf die Idee kommt das abzukupfern.
LG Renate

 
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