Spiritualität – muss das sein?

#1 von Albero , 23.10.2016 18:16

Unter dem Begriff Spiritualität kann man vieles verstehen. Vielleicht hilft diese längere Abhandlung bei Wikipedia zur Unterscheidung. Daraus möchte ich einen Abschnitt hervorheben. Wer sich heute auf irgend eine Weise für eine bessere Welt einsetzt oder mit einem Thema in der Richtung befasst, kommt auf kurz oder lang damit in Berührung.

Zitat
Der Begriff Spiritualität ist im deutschen Sprachgebrauch bereits in „Meyers Großes Konversations-Lexikon“, 1902–1909, sechste Auflg., Band 18 aufgeführt. Im Brockhaus von 1973 heißt es zum Stichwort: „Heute ist Spirituelles darüber hinaus zu einem vielfach verschwommenen Modewort geworden, läuft unter den Oberbegriffen Esoterik und Lebenshilfe und ist auch bereits in nahezu allen profanen Bereichen präsent.“ Aktuell findet der Begriff Spiritualität auch als Schlagwort Anwendung, im Zusammenhang mit New Age und alternativer Heilkunde, und auch politisch im Programm und der Bezeichnung einer Kleinpartei wie „Die Violetten – für spirituelle Politik“.


Ich will keinen Hehl daraus machen, dass mir solche Leute manchmal gewaltig auf den Keks gehen. Bibelzitate sind mir völlig wurscht und ich brauche keine 5000 Jahre alte Sprüche eines nie da gewesenen Meisters, um zu wissen was ich zu tun und zu lassen habe. Ich möchte mich auch nicht auf den Boden setzen, um mir irgendwelche Flausen in den Kopf zu dösen.

Anders herum will ich das aber auch niemandem verbieten oder ihn deswegen angreifen. Geht es denn nicht ohne solchen Unsinn? Schließlich ist diese ganze Spiritualität überhaupt nicht existent, reine Einbildung, und kann von daher auch überhaupt nichts bringen. Was soll man nur tun?

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RE: Spiritualität – muss das sein?

#2 von Richard Maxheim , 05.11.2016 17:57

Na ja, mit deiner Frage, ob es denn nicht ohne solchen Unsinn ginge, hast du die Spirituellen aber schon angegriffen. So etwas können sie überhaupt nicht verstehen und ganz schlecht vertragen. Wo sie sich doch solche Mühe geben, dem Guten in der Welt aus ihrer Sichtweise zum Sieg zu verhelfen. Wenn du den Weltfrieden willst, musst du erst einmal mit dem Frieden bei dir selber beginnen und so weiter und so bla.

Meiner Meinung nach ist die so genannte Spiritualität – ohne Zweifel reine Einbildung – ein Ausdruck mangelnden Selbstbewusstseins. Es fällt den Menschen schwer zu akzeptieren, dass sie nichts weiter als das Ergebnis der Evolution sind, höchstentwickelte Säugetiere. Da muss doch mehr dahinter stecken. Das kann doch nicht alles sein. Dieser Hang zur erhofften Transzendenz gibt es seit unsere Vorfahren aufrecht gehen können.

Das mangelnde Selbstbewusstsein zeigt sich auch darin, dass für anstehende Veränderungen immer höhere Kräfte zur Hilfe benötigt und angerufen werden. Die einen beten, die andere meditieren oder tanzen zu ihren Trommeln. Für die Dinge alleine oder in menschlicher Gemeinsamkeit, mit eigener Kraft und Verantwortung anzugehen fehlt der Mut. Oft ist es auch Bequemlichkeit. Warum soll man sich anstrengen, wenn man alles beim Universum bestellen kann?

Spirituelle haben durch ihre Neigung zum Übersinnlichen weniger Berührungsprobleme mit Utopien als der Otto-Normal-Bürger. Da viele Zukunftsvisionen zunächst als Utopien gelten, klinken sie sich gerne ein. Sie kennen ja den Zugang zu außergewöhnlichen spirituellen Kräften, um das zu schaffen. Wenn es dann nicht funktioniert – und das tut es in der Regel mit diesen Methoden auch nicht – ist das eben ein Omen es sein zu lassen. Hinzu kommt, dass Spirituelle auch anderen Dingen zugetan sind, die man durchaus als negativen ansehen kann, wie z.B. braunschillernde Verschwörungsphantasien, Quacksalbereien und Psycho-Pfusch, Scharlatan-Betrügereien und Humbug jeglicher Art.

So sind die Spirituellen meistens schneller wieder weg als sie ankommen, was auch manchmal ganz gut ist. Es ist nur eine temporäre flüchtige Begegnung. Beteiligung mit Substanz kann man kaum erwarten. Von daher halte ich jede Kooperation auf dieser Ebene für Zeitverschwendung. Das habe ich selbst bei der WeltBürgerInitiative in den Neunzigern praktisch erleben können. Es ist eine Sackgasse. Die Erfahrung lehrt es.

Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Menschen, die aus einer spirituellen Motivation heraus wichtige Arbeit leisten. Ich denke hier aber weniger an egozentrische Esoteriker, sondern mehr an ernsthafte Religiöse, mit einer aufgeklärten humanistischen Grundeinstellen. Hier kann eine Zusammenarbeit auf rationalem Niveau sehr wohl gute Früchte tragen.

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RE: Spiritualität – muss das sein?

#3 von Albero , 17.11.2016 21:31

Mir ist aufgefallen, dass kreative Leute mit neuen Ideen nicht selten in der Esoterik landen. Wahrscheinlich liegt das daran, dass sie dieser gegenüber bereits aufgeschlossen sind. Die Szene selbst kann aber auch eine gewissen Sogwirkung auf sie ausüben, da man dort bei neuen Ideen weniger skeptisch zu sein scheint.

Nehmen wir z.B. den WCPA-Präsidenten Dr. Martin. Mit seiner holistischen Sichtweise und dem provisorischen Weltparlament erntet er im normalen Wissenschaftsbetrieb wohl eher müdes Lächeln, bei den Spirituellen dagegen vollen Applaus. Auf diese Weise mutieren Wissenschaftler zu Pseudowissenschaftlern, indem sie die Einwände ihrer Kollegen nicht ernst nehmen. Anstatt die eigenen Ergebnisse zu überprüfen und zu korrigieren, bilden sie sich ein missgünstig behandelt zu werden, fantasieren Verschwörungstheorien und landen dann irgendwann bei so etwas wie dem hier. Das bedeutet meistens das Aus für ihren wissenschaftlichen Ruf. Das Psiram-Wiki ist voll von solchen Fällen.

Ähnlich sehe ich das z.B. bei John Bunzl und seiner Simpol. Die Eine-Welt-Partei scheint sich ebenfalls auf einen solchen Holzweg zu begeben. Da sollten wir als politische Weltbürger stets wachsam sein.

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RE: Spiritualität – muss das sein?

#4 von Andrea C. Feist-Nerowski ( gelöscht ) , 09.02.2017 02:12

Hmmm... - ich habe weder ein Problem mit Spiritualität noch mit Religion noch mit Esoterik.
Aber ich habe ein Riesenproblem damit, was draus gemacht wird.

Letztlich geht es ja bei all dem um eine Art des Glaubens und wie gewaltig der wirken kann, sieht man unter anderem am Placebo-Effekt. Einige Wissenschaftler vertreten mittlerweile die Ansicht, dass die Wirksamkeit eines Medikaments nur zu 20% von den Wirkstoffen abhängt und zu 80% vom Glauben an die Wirksamkeit. Und genau das Gleiche gilt für den Nocebo-Effekt. Wer glaubt, dass ein Medikament nicht wirkt, hat beste Chancen, dass er recht behält.
Aber auch wenn man sich die Aborigine anschaut - die wissen oft Stunden vorher, wenn sich ihnen ein Gast nähert und das gilt nicht nur für die Aborigine (bei ihnen ist es nur am bekanntesten - sie haben mitunter eine geradezu legendäre Wahrnehmung).

Unterm Strich ist es einfach so, dass wir nicht wissen, ob sich Bewusstsein auch außerhalb der Hirne der Leute fortbewegen kann oder ob es etwas Übergeordnetes gibt. Wir wissen sowieso wenig, das mit großem Abstand meiste glauben wir nur zu wissen - das hat sich bis heute nicht geändert. Und wieviel von dem, was man zu wissen glaubte, hat sich schon als Irrtum herausgestellt? Ich wüsste ehrlich gesagt nicht, wieso sich auch heute nichts mehr als Irrtum herausstellen sollte. Für mich ist es vor allem anderen superwichtig, dass ich mir bewusst bin, was ich nicht weiß, sondern nur zu wissen glaube oder was ich meine, annehme, wovon ich überzeugt bin usw. - und ich trainiere mich seit vielen Jahren darinnen, in Möglichkeiten zu denken. Denn sobald ich etwas glaube, glaube ich alles andere nicht mehr. Das ist, als würde ich von 100 Türen 99 zuschlagen, weil ich mich für eine entschieden habe.

Und im Grunde macht es keinen Unterschied, ob ich etwas Religion, Spiritualität, Esoterik oder Placebo-Effekt nenne - da wirkt etwas, was man nicht messen kann bzw. wovon man nur die physische Wirkung messen kann (wenn es denn eine gibt). Man kann ja auch keine Gedanken oder Gefühle messen, sondern nur die ausgelöste körperliche Aktivität. Trotzdem kommt keiner auf die Idee, Gedanken oder Gefühle abzustreiten. Und insbesondere Gefühle sind ja auch noch ansteckend. Ein einziger Miesepeter kann eine ganze fröhliche Gesellschaft total runterziehen und das liegt nicht an Gestik oder Mikroausdrücken der Mimik, es wirkt schließlich auch bei blinden Menschen - sogar noch stärker als bei sehenden, die sich visuell allzugerne ablenken lassen.

Dass da etwas ist was wirkt, zweifle ich nicht an - ich weiß halt nicht, was es genau ist. Ich kenne viele Interpretationen, tendiere aber selbst eher zu etwas Natürlichem. In der Natur gibt es ja ganz offensichtlich Regulatoren, die als solche zwar bekannt, aber noch gänzlich unerforscht sind. Es gibt Theorien, Thesen und Meinungen - aber wirklich dahintergekommen ist noch keiner. Genauso wenig wie das Leben als solches wirklich erklärbar ist. Nein, ich denke nicht, dass es wirklich gewinnbringend ist, etwas von vorneherein abzutun. Ich rede natürlich keinem rein, meinetwegen kann jeder glauben oder nicht glauben, was immer er will - aber ich persönlich bleibe da lieber offen. Einfach weil ich weiß, dass ich es nicht weiß :)

Andrea C. Feist-Nerowski

RE: Spiritualität – muss das sein?

#5 von Andrea C. Feist-Nerowski ( gelöscht ) , 09.02.2017 02:32

Zitat von Albero im Beitrag #3
Anstatt die eigenen Ergebnisse zu überprüfen und zu korrigieren, bilden sie sich ein missgünstig behandelt zu werden, fantasieren Verschwörungstheorien und....


LAAAAAAAAAAAAAACH!!!
Haaach ja, die lieben Verschwörungstheoretiker, Klimaskeptiker & Co. - japp, die reden ein Zeug daher, dass einem Hören und Sehen vergeht. Und sie sind genau so in ihrem 'Wahn' gefangen wie so viele Esoteriker, Spiritisten und Spirituosen, religiöse Fanatiker und was es da nicht sonst noch so alles gibt. Und das breitet sich aus wie ein Virus - da hat die beste Argumentation einfach keine Chance. Wenn die Leute etwas fest glauben, scheint kein Kraut dagegen gewachsen zu sein. Genauso wenig wie sie einfach nicht annehmen können, was sie nicht glauben bzw. von dessen Unrichtigkeit sie überzeugt sind.

Ich bin immer wieder fasziniert von der Wirkung des Glaubens, das ist echt krass.

Andrea C. Feist-Nerowski

RE: Spiritualität – muss das sein?

#6 von Andrea C. Feist-Nerowski ( gelöscht ) , 09.02.2017 03:12

Zitat von Richard Maxheim im Beitrag #2
Meiner Meinung nach ist die so genannte Spiritualität – ohne Zweifel reine Einbildung – ein Ausdruck mangelnden Selbstbewusstseins. Es fällt den Menschen schwer zu akzeptieren, dass sie nichts weiter als das Ergebnis der Evolution sind, höchstentwickelte Säugetiere. Da muss doch mehr dahinter stecken. Das kann doch nicht alles sein. Dieser Hang zur erhofften Transzendenz gibt es seit unsere Vorfahren aufrecht gehen können.

Wirklich wissen tuts eh keiner. Und ich glaube, dass das die Krux bei der ganzen Geschichte ist: Menschen glauben zu wissen, was sie im Grunde garnicht wissen können. Man kann glauben, dass es etwas jenseits des Begreifbaren gibt und man kann glauben, dass es nichts jenseits des Begreifbaren gibt. Ich hab in meinem Leben schon eine ganze Menge geglaubt und glaub natürlich auch heute noch so einiges (jeder Mensch glaubt ne Menge), aber was mögliche Kräfte im Verborgenen angeht, glaub ich eigentlich kaum noch etwas. Aber ich glaube auch nicht, dass es nichts gibt. Dafür bin ich mir einfach viel zu bewusst, dass ich es einfach nicht weiß.
Ich glaub zwar schon, dass es irgendeine Wirkung gibt (siehe Placebo und Aborigine usw.), aber ich halte mich heute mit Interpretationen weitgehend zurück - ich weiß es einfach nicht. Naja - also dass da kein persönlicher Gott im Universum sitzt und auf uns aufpasst, ist schon klar. Aber dass der Mensch über Fähigkeiten verfügt, die nicht wirklich erklärbar sind, das glaub ich schon.

Zitat von Richard Maxheim im Beitrag #2
Meiner Meinung nach ist die so genannte Spiritualität – ohne Zweifel reine Einbildung – ein Ausdruck mangelnden Selbstbewusstseins. Es fällt den Menschen schwer zu akzeptieren, dass sie nichts weiter als das Ergebnis der Evolution sind, höchstentwickelte Säugetiere. Da muss doch mehr dahinter stecken. Das kann doch nicht alles sein. Dieser Hang zur erhofften Transzendenz gibt es seit unsere Vorfahren aufrecht gehen können.

Also wenn ich an Gandhi denke - der hats echt drauf gehabt. Und er war nicht der Einzige.
Aber 'die Masse' in die Gewaltfreiheit zu pressen, funktioniert nicht - auch das hat sich bei Gandhi gezeigt. Denn letztlich ist es ja doch zu äußerst gewalttätigen Aufständen gekommen - aber er selbst war ne echte Ausnahmeerscheinung. Und sehr spirituell - mit einem enormen Selbstbewusstsein. Nein, ich glaube nicht, dass man das so eben mal vom Tisch wischen sollte, ich persönlich denke jedenfalls lieber in Möglichkeiten. Wie eigentlich bei allem, was ich nicht weiß. Ich bin viel zu neugierig, um mich auf einen Glauben zu versteifen - völlig egal, um welchen Glauben es sich handelt.

Andrea C. Feist-Nerowski

RE: Spiritualität – muss das sein?

#7 von Andrea C. Feist-Nerowski ( gelöscht ) , 09.02.2017 03:25

Zitat von Richard Maxheim im Beitrag #4
Ja, ich bin damals mit der WeltBürgerInitiative genau so hereingefallen. Während sich in der Friedensbewegung kaum jemand dafür interessierte, öffneten sich bei den Spirituellen viele Möglichkeiten der Multiplikation. Aber das war ein Trugschluss. Ich kann nur jedem davon abraten, seine Zeit mit so etwas zu verplempern. Es bringt überhaupt nichts.

Absolut.
Sich in so etwas reinzusteigern, verbläst einem nicht selten den Sinn für die Realität.
Der Unterschied zwischen Medizin und Gift liegt allzu oft in der Dosierung. UND in der Art des Glaubens. Da ist es nämlich von entscheidender Bedeutung, ob man glaubt, 'etwas Besseres' zu sein (das haben 'die Erben des Kain' so ein bisschen an der Backe kleben) oder ob man glaubt, Teil eines Großen Ganzen zu sein (z.B. einige indigene Völker wie die Awa oder die Aborigine oder die Maori - aber auch Gandhi).

Im Grunde verhält es sich meiner Ansicht nach mit dem Glauben so wie mit einem Messer.
Es kommt einfach nur drauf an, wer es in welchem Sinn wozu benutzt.

Andrea C. Feist-Nerowski
zuletzt bearbeitet 09.02.2017 03:26 | Top

RE: Spiritualität – muss das sein?

#8 von Richard Maxheim , 11.02.2017 00:08

Im Paralleluniversum der Religionen gibt es so viele Mythen und Einbildungen. Auch das „Große Ganze“ bei indigenen Völkern ist auch nur Einbildung. Wir sind alle autonome Individuen, mit evolutionsbedingtem Hang zur überschaubaren Gemeinschaft. Das trifft ganz besonders für die Indigenas zu. Ihr Ganzes war nämlich gar nicht so groß, sondern sehr eng begrenzt. Und Gandhi, was soll ich sagen? Seine angebliche Gewaltlosigkeit ist eine Farce. Er war in Wirklichkeit ein Stinkstiefel.
Gewaltlosigkeit und Friedensschutz

Glaube und Religion sollte absolute Privatsache sein. Für die globale Kooperation und Einigung sind sie kaum geeignet. Da hilft nur die Ratio in Form des gesunden Menschenverstandes. Forschung, Wissenschaften, Technik und Fortschritt, sie machen das aus, was man Zivilisation nennt. Natürlich habe viele damit Probleme, aber die Zielrichtung der Entwicklung muss klar: Vorwärts bitteschön und nicht zurück.

Richard


 
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RE: Spiritualität – muss das sein?

#9 von Andrea C. Feist-Nerowski ( gelöscht ) , 12.02.2017 14:54

Lieber Richard,

du glaubst, dass all dies Einbildung ist und möglicherweise hast du recht. Aber möglicherweise unterliegst du auch einem Irrtum, letztlich gibt es für all dies ja keine Beweise. Ich persönlich bin da einfach nur offen, schon weil die ganze Menschheitsgeschichte zeigt, dass sich schon viele Überzeugungen als Irrtum herausgestellt haben. Überzeugung ist nämlich nicht Wissen und ins andere Extrem zu fallen bedeutet nicht immer 'vorwärts'schreiten. :)

Andrea C. Feist-Nerowski
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RE: Spiritualität – muss das sein?

#10 von Andrea C. Feist-Nerowski ( gelöscht ) , 12.02.2017 15:02

Und natürlich sind Glaube und Religion ungeeignet für globale Kooperarion und Einigung, was aber unbedingt berücksichtigt werden sollte, ist absoluter Respekt vor dem Glauben und der Religion anderer. Sich darüber hinwegzusetzen und anderen Völkern in ihrem Glauben zu vermitteln, dass man sie und ihren Glauben im Grunde für blöd hält, dürfte meiner Ansicht nach das schlechteste Mittel sein - was sich ja auch schon erwiesen hat. Es ist nämlich vollkommen gleichgültig, aus welchem Grund man ihren Glauben ablehnt, sei es, weil man an etwas anderes glaubt oder weil man glaubt, dass all das ja sowieso nur Einbildung ist.
Fakt ist, dass das keiner wirklich weiß und wenn man nicht wenigstens auf dieser Ebene agiert, ist eine Einigung nach meiner Überzeugung nicht möglich.

Andrea C. Feist-Nerowski

RE: Spiritualität – muss das sein?

#11 von Richard Maxheim , 12.02.2017 21:49

Na ja, ich habe Respekt vor den Menschen, und zwar generell, aber nicht unbedingt vor ihrem Glauben und ihren Religionen. Es kommt ganz darauf an, was für Glaubensinhalte das sind und was die Menschen daraus mache. Aber grundsätzlich ist Religion eine Erfindung der Menschen. Da hat mal irgend jemand etwas behauptet und andere ihm das geglaubt. Und andere haben das dann wieder im Laufe der Zeit verändert oder angedickt.

Solche Religionsgründer, wenn sie den überhaupt historisch belegt sind, waren entweder Psychopathen oder ganz simple Lügner oder Angeber. Warum sollte man vor so etwas Respekt haben? Das mindert nicht den Respekt vor den Menschen, die aus ihrem Glauben heraus trotzdem Gutes tun. Aber mein Respekt gilt ihnen und nicht der Religion. Das Problem ist, dass die Geschichte leider zeigt, wie selten die Menschen sind, die aus ihrem Glauben etwas Positives gemacht haben, im Vergleich zu der Unzahl religiös motivierter Gräueltaten.

Es wird auch immer wieder postuliert, jemand der nichts glaubt, glaubt doch was, weil er glaubt da wäre nichts. So einfach ist das aber nicht. Wenn jemand etwas behauptet, muss er es auch beweisen. Es ist nicht umgekehrt, dass derjenige, der ihm das nicht glaubt beweisen muss, dass die Behauptung falsch ist.

Richard


 
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RE: Spiritualität – muss das sein?

#12 von Markus Rabanus , 08.03.2017 05:06

Naja, ich bekenne mich zum Helfersyndrom und neige deshalb dazu, auch die verirrtesten Geister von geisternden Seelenheilern zu emanzipieren, wie ich auch Schurken ungerne Schurken überlasse ;-)
In solcher Neigung liegt auch ein bisserl konkreter Humanismus, wenn es nicht auf bloße Philosophie und auf ferne Zukunft ankommen soll.
Gleichwohl ist es gut, wenn solche Einzelfall-Lebenshilfe nicht zu sehr von den Betreffs dieses Forums abhält.

Und die Spiritualität an sich? Wem es Spaß oder Linderung schafft - meinethalben, aber zur bewusstheitlichen Wirkung dann eher dem Komasaufen vergleichbar.


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