Die Jordan Union – eine Nahost-Friedensvision

#1 von Richard Maxheim , 21.05.2017 17:32

Was aktuell im Nahen Osten vor sich geht, ist für humanistisch eingestellte Menschen kaum zu begreifen. Der Irak kommt nicht zur Ruhe, Syrien ist ein einziges blutiges Desaster, Ägypten lässt sich nur durch rigorose Autorität in Schach halten, weiter östlich wütet ein Krieg im Jemen und von der türkischen Destruktion will ich gar nicht erst reden. Niemand weiß, ob theoretische Friedensideen, wie z.B. dieser Entwurf eines Friedensplanes für Syrien, und mögen sie noch so gut sein, jemals Beachtung finden werden. Man steht als Weltbürger da wie ein Ochse vor dem Berg und ist geneigt, sich lieber hoffnungsvolleren Zukunftsgedanken hinzugeben, um nicht in Depressionen zu versinken. Was bleibt uns sonst übrig?

Ja doch, mit einer demokratischen Weltföderation wären die Probleme schnell zu bewältigen, aber ich versuche es erst einmal einige Nummern kleiner. Was meines Erachtens im Nahen Osten fehlt, ist eine stabile Kernregion des Friedens. Wir hatten so etwas in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg mit der deutsch-französischen Aussöhnung geschafft, indem alte Erbfeinde Vernunft annahmen. Warum soll das nicht auch in der Levante möglich werden? Der Schlüssel wäre die Perspektive einer Föderation zwischen Israel, Palästina und Jordanien, die man als Jordan Union benennen könnte. Nicht wegen eines Vorrangs Jordaniens, sondern wegen dem Fluss Jordan, der in der Region für alle Glaubensrichtungen eine gewisse Bedeutung inne hat.

Die Idee einer Nahost-Föderation ist nicht neu. Sie wurde in der Vergangenheit wiederholt zur Sprache gebracht, z.B. von dem freiheitlichen Religions- und Kulturphilosophen Martin Buber. „Infolge der historischen Ereignisse der dreißiger und vierziger Jahre in Europa, vor allem des Machtantritts der Nationalsozialisten, der zu Auschwitz und damit zur Ermordung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden führte, nahm Buber schließlich die Realität des am 14. Mai 1948 proklamierten Staates Israel hin. Anstelle eines binationalen Palästina favorisierte er seitdem die Idee einer Nahostföderation mit einem internationalisierten Jerusalem.“

Solche Friedensinitiativen scheiterten aber immer wieder an der Unvernunft des größten Teils der Betroffenen selbst. Es sei an die Worte von Jitzchak Rabin, kurz vor seinem gewaltsamen Tod, erinnert: „Ich möchte gerne jedem einzelnen von Euch danken, der heute hierher gekommen ist, um für Frieden zu demonstrieren und gegen Gewalt. Diese Regierung, der ich gemeinsam mit meinem Freund Shimon Peres das Privileg habe vorzustehen, hat sich entschieden, dem Frieden eine Chance zu geben – einem Frieden, der die meisten Probleme Israels lösen wird. … Der Weg des Friedens ist dem Weg des Krieges vorzuziehen. Ich sage Euch dies als jemand, der 27 Jahre lang ein Mann des Militärs war.“ Der Mörder war kein Palästinenser.

So steht man weiter vor dem Berg der Probleme, mit der düsteren Zukunftsschau, dass die Gewalt im Nahen Osten nicht eher aufhört, bis sich alle gegenseitig umgebracht haben. Es ist an der Zeit wieder Friedensvisionen zu entwickelt, auch wenn sie vielleicht als unrealistische belächelt werden. Was wäre gegen eine Jordan Union, mit Jerusalem als gemeinsame Bundeshauptstadt, der sich dann mit der Zeit auch andere Staaten der Region anschließen könnten, zu sagen? Was spricht gegen die Forderung:

Schafft die Jordan Union als Kernland des nahöstlichen Friedens und macht Jerusalem zur Friedenshauptstadt!

Richard


 
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RE: Die Jordanische Union – eine Nahost-Friedensvision

#2 von Markus Rabanus , 22.05.2017 19:46

Ich habe ooch schon verschiedentlich www.nahost-friedensplan.de bearbeitet, fordere ein bisserl weniger als Föderatives und stattdessen eine "Arabisch-Israelische Liga", aber so richtig massiv scheint es weder bei den Kriegstreibern noch bei Friedensbewegten anzukommen ;-)


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RE: Die Jordan Union – eine Nahost-Friedensvision

#3 von Renate Beck , 31.05.2017 07:02

Lieber Markus dein Friedensplan ist super.
Das wäre dann doch ein möglicher Weg zur Jordan Union.
Die EU ist ja auch schrittweise entstanden.
Vielleicht sollte man das mal zusammen fassen und versuchen damit an israelische und arabische Friedensorganisationen heran zu kommen.
LG Renate

 
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Grundproblem

#4 von Markus Rabanus , 01.06.2017 04:43

@Renate, ich hab zwar schon stundenlange Antwort jeschrieben, aber DU hast mich so sehr auf das filousophische Glatteis von "Vision und Plan" geschickt, dat ich mir dieses "Grundproblem aller vermeintlichen Unmöglichkeiten" erstmal wieder auf brauchbaren Extrakt eindampfen muss ;-)


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Israelisch-palästinensiche Friedenbewegung

#5 von Albero , 06.06.2017 17:50

Hier gibt es einige, nicht mehr ganz aktuelle Infos über israelische und palästinensische Friedengruppen:
http://www.ag-friedensforschung.de/regio...sbewegung2.html


Glaubt ihr etwa alles was nicht in den Zeitungen steht?

 
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Zur Großdemonstration in Tel Aviv gegen nationalistische Politik

#6 von Markus Rabanus , 10.06.2017 10:07

Es gibt das andere Israel, das Frieden mit Nachbarn und in der Gesellschaft will.

Denn diesen Willen bestreite ich Netanjahu, weil er die Schwäche anderer ausnutzt, ihnen zu nehmen, was nicht Israel gehört.
Und das wird sich auch nicht ändern, wenn die Welt bloß an ihn appelliert, es zu unterlassen und Friedensverhandlungen zu führen, denn er hat mehr Macht davon, dass er Israelis den Palästinensern wegnehmen lässt.

Darum muss die UNO dreierlei in Richtung Israel machen:
1. Klipp und klar sagen, dass nichts völkerrechtswidrig Erlangtes von Bestand sein darf, es sei denn durch seitens der UNO genehmigte Kompensation. - Das wäre zwar eigentlich "selbstverständlich", sogar auch Netanjahu bewusst, aber er hofft auf anderes. Und solche Hoffnung gehört ihm in Abrede gestellt.
2. Die UNO muss den Palästinenserstaat anerkennen, ob nun Israel genehm oder nicht, denn die Integrität der Palästinenser darf nicht weniger schützenswert sein als die Integrität Israels.
Und in Richtung Palästinenser, Hamas usw. muss die UNO klar sagen, dass es aus Gründen der jahrzehntelang gegen Israel nicht bloß gepredigten, sondern auch kriegerischen und terroristischen Feindschaft keinen militarisierten Palästinenserstaat geben wird, der sich so aufführt, wie es die Hamas im Gazastreifen mit Hass-Erziehung und mindestens Duldung von Raketenbeschuss gegen Israel praktiziert.
3. Das Erfordernis von Durchsetzungsmitteln, denn mit bloßen Appellen zur Besserung und Korrektur hat sich in der Welt nur wenig getan.

Dass also ein Palästinenserstaat unter dem dauerhaften Vorbehalt steht, zur friedlicher Israel-Nachbarschaft verpflichtet zu sein oder aber riskiert, seine Souveränität einzubüßen.

Die Hamas gehört entweder ersatzlos aufgelöst oder hat sich zur Völkerrechtstreue umzukrempeln, denn die Welt hat Anspruch darauf, dass es in Nahost nicht bloß um "Waffenstillstand" geht, sondern um friedliche Nachbarschaft.

Die Geschichte wird nie allen und allem gerecht, aber was Recht zu sein hat in dieser gefährlichen Welt, muss die UNO entscheiden, wenn zwei Völker streiten.
Anderenfalls versündigen sich die Streitparteien an noch mehr Generationen, wenn sie anstelle von UNO-Entscheidungen mit dem Recht des Stärkeren Politik machen - oder wie die Hamas darauf hoffen, irgendwann die stärkere Macht zu sein.
Genau das alles darf es nicht geben. Und das muss die Welt den Streitparteien deutlicher machen.

Friedensforschung .de

www.dialoglexikon.de/nahostfriedensplan.htm


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RE: Zur Großdemonstration in Tel Aviv gegen nationalistische Politik

#7 von Richard Maxheim , 10.06.2017 23:32

Ich habe deinen 3. Punkt noch oben eingefügt, damit das schön ordentlich aussieht.
Und meine „Jordanischen Union“ wurde in „Jordan Union“ geändert, damit keine Missverständnisse entstehen.

In der gegenwärtigen Lage sind israelisch-palästinensische Friedensideen reine Theorie. Man kann kaum absehen, wie sich die Konflikte im Nahen Osten weiter entwickeln werden. Da steht Israel weiterhin Gewehr bei Fuß. Daran ändern auch Friedensdemonstrationen nicht viel. Die Leute dort wollen in erster Linie Sicherheit. Da vertrauen sie lieber auf ihr eigenes Militär und wählen dafür die Hardliner an die Regierung. Die ständigen Terrorattacken und die allgemeine Unsicherheit geben ihnen praktisch keine andere Wahl. Man kann nur hoffen, dass sich die Situation nicht noch verschärft.

Also, die „Jordan Union“, eine reine – positive – Zukunftsvision, damit man da auch etwas anderes zum Nachdenken hat, als die sicherlich realistischere Schwarzseherei. Die Zwei-Staaten-Lösung wird ja schon diskutiert und liegt als Option längst auf dem Tisch. Die Besonderheit der „Jordan Union“ liegt in der dritten Kraft. Frei nach Schiller: Macht Frieden und ich sei, so gewährt mir die Bitte, in eurem Bund der Dritte! Dazu fällt mir nur Jordanien ein. Und ich bin zuversichtlich, dass die Jordanier da mitziehen würden. Es müsste für sie natürlich auch spürbare Vorteile bringen. Dazu braucht es noch eine Schutzmacht, politisch wie polizeilich. Das wäre eigentlich ein Job für die UNO. Die EU könnte das auch machen, vielleicht sogar besser. Aber wie gesagt, das ist Vision.

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RE: Zur Großdemonstration in Tel Aviv gegen nationalistische Politik

#8 von Markus Rabanus , 11.06.2017 01:39

@RIchard, Danke für die Korrektur.

Dass Israel in Betracht der zumindest hamas-propagandistisch anhaltenden Auslöschungsphantasien nebst Terroranschlägen wenig Neigung hat, sich auf externe Sicheheitsgarantien zu verlassen, ist zwar naheliegend, aber ich halte solche Sorge auch im Mehrheitsbewusstsein der Israelis für überholt.

1. Weil man in Israel sehr wohl und besser als anderswo zwischen Terrorismus und Krieg zu unterscheiden weiß, auch wenn die israelische Propaganda insbesondere der EU anderes erzählt.

2. Weil Israel spätestens seit dem Sechstagekrieg alles andere als ängstlich ist und mit Unterbrechungen (z.B. Camp David) die überwiegende Zeit weniger auf die Verteidigung konzentriert ist als auf die territoriale Ausdehnung zulasten der Palästinenser. Es gibt z.Zt. keine offizielle Israelkarte, die verlässlich zeigt, in welchen Grenzen sich Israel abzufinden gedenkt. Das Nahost-Quartett mahnte es x-fach an, aber Israel schweigt und "siedelt" weiter.

3. Solche völkerrechtswidrige Politik kann Israel nur mit eigener Armee veranstalten und lehnt deshalb in den besetzten Gebieten jegliche Extern-Hilfe ab. Darin ist Netanjahu mit Putin ähnlich, der allerdings durch eigenes Veto hindern kann, dass UNO-Aufpasser in der Ost-Ukraine etwas zu sagen haben.
Allgemein beiden Genannten an Gemeinsamkeit und Gewöhnlichkeit mit der übrigen Welt, dass sie ohnehin auf eigene Streitkräfte archaisch wert legen.
Das werde ich also solchen Leuten nicht sonderlich vorwerfen, sondern werfe es allen vor.

"Realistischere Schwarzseherei" ;-) Okay, den Beweis des Gegenteils bleibe ich schuldig, aber ich würde mal gegenhalten, dass es halt nur so schwarz ist, wie lange man es im Weißen Haus so schwarz belässt. Und vielleicht war auch Obama noch immer zu schwarz, um im noch immer sehr "weißen" Amerika eine andere Nahost-Politik durchzusetzen.
Wir können nicht in die Zukunft schauen - und als Prophet lag ich selten richtig, aber es ist nicht ausgeschlossen, dass auf Trump das Gegenteil folgt. Darum wird Netanjahu in arge Versuchung kommen, in Trumps Amtszeit zu übertreiben. Mitunter sind solche Ausschläge ähnlich dem Pendel, wenngleich es besser wäre, endlich vom Pendel wegzukommen und sich für die Waage zu begeistern, auf der Unrecht nicht mit Unrecht, sondern mit Recht abgewogen wird.

Auch Israel selbst kann zur Besinnung kommen, aber solange Netanjahus Nationalismus erfolgreich Geländegewinne verzeichnet, gewinnen Selbstheilungskräfte selten die Oberhand. Zumal unter dem Eindruck weltweit islamistischen Terrorismus Israel mehr denn je Unterstützung seitens Islamophober bekommt, nun auch die gesamte Westbank zu israelisieren.

Also auch vom Verderb und Gedeih des Islamismus hängt ab, ob Israels Expansion in die Schranken gewiesen wird.
Solches bedacht, scheint "realistische Schwarzseherei" allerdings recht realistisch - liegt mir aber aus Prinzip nicht ;-)

LG

ps: Ich fühle mich einsam in der FB-Weltbürgerei. Es tat so gut, nicht überall mich selbst ertragen zu müssen ;-)
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RE: Die Jordan Union – eine Nahost-Friedensvision

#9 von Albero , 12.06.2017 12:51

Es bringt nichts, sich über Einzelheiten den Kopf zu zerbrechen. Dann verstricken wir uns nur in Diskussionen der Tagespolitik, welche längerfristige Perspektiven blockieren. Davon wollten wir uns hier im Forum aber befreien, ohne es zu verdrängen. In Bezug auf unsere per se visionären Zukunftsideen als Weltbürger passt die Vision einer Jordan-Union gut ins Konzept. Wenn schon für den Weltfrieden die politische Einigung der Menschheit propagiert wird, dann kann die regionale politische Einigung für den Frieden in einer Region nicht verkehrt sein.

Um den Weg von der Theorie zur Praxis zu beginnen, müsste man die Idee in eine Form bringen. Hier wäre wieder ein Appell ganz hilfreich. Einfach mal die Vision in einen kompakten Text bringen, den man dann ins Englische, Arabische und Hebräische übersetzen müsste. Damit könnte man dann Unterstützer suchen und an die Verantwortlichen herantreten. Ansonsten wäre das nur hier zu lesen und kaum jemand würde sich drum scheren.


Glaubt ihr etwa alles was nicht in den Zeitungen steht?

 
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RE: Die Jordan Union – eine Nahost-Friedensvision

#10 von Richard Maxheim , 20.09.2017 19:49

Ich sehe, du hast schon EcoPeace Middle East entdeckt. Das wäre eine Sache, an die man konkret anknüpfen könnte. Die EU hatte auch mal klein angefangen, zwar nicht mit Wasser, sondern mit Kohle und Stahl. Ich denke, für die Gegend ist Wasser aber wichtiger. Das Projekt wurde auch schon für einen Friedenspreis vorgeschlagen.

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21. September – Internationaler Tag des Friedens
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