Es gibt nur einen Frieden

Ehrenrettung für Gandhi

 von Markus Rabanus , 06.03.2017 21:22

Viele vermuten, so auch ich, dass die Unabhängigkeit Indiens mehr Blut gekostet hätte, wenn Gandhi den Weg bewaffneter Aufstände anstelle des zivilen Ungehorsams gegangen wäre.
Deshalb scheint seine Entscheidung konkret-historisch und pragmatisch richtig, wie es sich auch in anderen Umbrüchen als richtig erwies, die Gewalt mittels Gewaltlosigkeit zu überwinden, zumal wenn gewaltförmiger Aufstand unterliegen würde, der Selbstaufopferung gleichkäme.
Insoweit erlaubt sich Ehrung und für vergleichbare Konflikte Verallgemeinerung, Vorbildlichkeit.

Dass Gandhi in solcher Phase die Gewaltlosigkeit als Prinzip philosophisch, religiös und politisch überhöhte,
- kritisiere auch ich,
- aber es erscheint entschuldbar, denn es stand viel auf dem Spiel - und darin mit religiösen Argumenten zu punkten, versuchen ja nicht nur Religiöse und es ist ihm vielleicht sogar unentbehrlich gewesen, um sich im politischen Wettbewerb gegenüber Militanten und auch der Kolonialmacht durchzusetzen.

Dass Gandhis politischer Erfolg beeindruckte, dass er als Gewaltloser zum Opfer eines widerlichen Attentats wurde, machte ihn zur Legende. Für viele Friedensfreunde übermaßen. Auf der Kehrseite solchen Unfugs wurde Gandhi bis in die Schulbücher und Lexika instrumentalisiert, um den Pazifismus als Gewaltlos-Veranstaltung und Wehrlos-Gesinnung zu trivialisieren, ad absurdum zu führen.

Und es hat Wirkung, denn ob ich Menschen auf der Straße frage oder in akademischen Kreisen, was sie unter Pazifismus verstehen, dann kommen sie eben leider nicht mit Immanuel Kants Ewigem Frieden und der Forderung nach weltweitem Gewaltmonopol, sondern mit Gandhi, mit Mandela, mit Martin Luther King, mit Jesus oder vereinzelt mit Einstein, dessen weltstaatliche Einsichten sie zumeist so wenig kennen wie auch die zuvor genannten Personen in deren historischem und intellektuellem Kontext.
Allenfalls räumt mal jemand dem Pazifismus noch das Selbstverteidigungsrecht ein, um dem Bösen kein Freibrief zu sein, aber auch das ist falsch, denn ein Selbstverteidigungsrecht ohne anschließende und übergeordnete Justiz ist das exakte Gegenteil von Pazifismus, nämlich Selbstjustiz.

Wie also erschütternd unbekannt ist, dass Pazifismus die logische Weltweiterung der innerstaatlichen Gewaltenteilung anstrebt, ließ mich lange wanken, ob überhaupt mit dem Begriff "UNO-Pazifismus" mehr Korrektiv zu schaffen ist.
Und das bleibt fraglich, aber mir fällt nüscht anderes an Begrifflichkeit ein, um den Streit um den Pazifismus-Begriff zu ersparen.
Naja, solche Probleme gibt es ja nahezu mit allen Politikbegriffen.

Soweit zum Frust ;-) Doch letztlich kein Grund, um Leute wie Gandhi für die Wirren der Weltgeschichte in die Kritik zu nehmen.

LG

Markus Rabanus

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