Es gibt nur einen Frieden

RE: Ehrenrettung für Gandhi

 von Markus Rabanus , 12.03.2017 16:00

Daran kann allenfalls "überschatten", dass mehr Stärke wieder mal mehr den Kampfgeist als den Verstand befeuert hätte.
Aber ich halte Gandhi nicht für so dämlich, dass ihm dieses grundsätzliche Problem erst in seinen letzten Lebensmonaten bewusst geworden sein soll, denn den Konflikt zwischen "Falken und Tauben" hat man eigentlich in jederlei politischem Konflikt.

"Falken" haben so häufig Mühe, mit rechtlichen Kategorien wie Erforderlichkeit, Geeignetheit, Verhältnismäßigkeit vernünftig umzugehen. Da sind die Falken in der Natur gescheiter. Desgleichen die "Tauben", weshalb wir solche Metaphern ruhig auch abwatschen sollten, wenn sich welche zu sehr als "Falke" oder zu sehr als "Taube" gefallen.

Aus real pazifistischer Sicht sollte der Umgang mit Gandhi pragmatischer sein, dass seine Motive für die Weltgeschichte weniger relevant sind als die Wirkungen. Und eine Wirkung gut, die andere schlecht.

Die eine Wirkung seines gewaltlosen Weges war, dass Indien mit weniger Blutzoll die Unabhängigkeit gelang als es bspw. der algerischen Unabhängigkeitsbewegung mit Gewalt beschieden war. Dafür verdient Gandhi uneingeschränkten Respekt und Würdigung, denn 1 Mio. Tote sind schnell provoziert.

Die andere Wirkung ist ideologischer Art - und ärgert uns, weil er die Gewaltlosigkeit verabsolutierte und weltweit den Pazifismus mit Naivität besudelte, denn es ist zu offensichtlich, dass der Erfolg netter Gesten oder auch gewaltlosen Widerstands davon abhängig ist, mit wem man es zu tun hat und ob auf moralische Skrupel gehofft werden darf. - Also bezüglich der ideologischen Nachwirkung hat er mit seinen Sprüchen versagt und dem Pazifismus keinen Gefallen getan.

Aber auch diesbezüglich halte ich ihm "in dubio pro reo" und pragmatisch zugute, dass seine Übertreibungen geeignet waren, die Skrupel auf seiten der Kolonialisten zu mehren und auch für religiöse Inder eine Barriere gegen blutigere Konfliktaustragung darstellten.

Zumal ich ihm intellektuell zutraue, dass er sich überlegt haben wird, ob seine Gewaltlos-Bewegung massengemordet wird oder auf Skrupel der Kolonialmacht hoffen kann, so dass davon abhing, ob es nicht besser sei, die Menschen nach Hause zu schicken, wenn Gewalt für ihn keine Option war, (oder) noch keine Option war usw. - es sei denn, ihm wäre der gewaltsame Tod aus religiösen Gründen zu gleichgültig gewesen, ähnlich einem Jesus, weil es im Jenseits ohnehin schöner sei. - Aber was ich ihm zutraue, ist rein spekulativ, betifft bloß persönliche Glaubwürdigkeitsfragen, aber erwirtschaftet keine politische Antwort, unter welchen Bedingungen welcher Weg richtig ist.
All solche Spekulationen können zwar interessieren, aber sind letztlich nur wichtig, wenn es darum gehen müsste, jemand heilig zu sprechen oder zu entheiligen, während es uns genügen kann, zwischen Positivem und Negativem auf Ebene unpersönlicher mit politischen Argumenten zu unterscheiden.

Markus Rabanus

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